Sunwoda will 15C-Batterie in Megawatt-Ladeökosystem einbetten

Sunwoda treibt seine Pläne für extrem schnelles Laden weiter voran. Der chinesische Batteriehersteller will rund um seine bereits im Frühjahr vorgestellte 15C-Batterie ein Lade-Ökosystem aufbauen, das bis Ende 2027 insgesamt 10.000 Megawatt-Ladestationen umfasst.
Sunwodas 15C-Batterie soll von zehn auf 97 Prozent in neun Minuten laden.
Bild: Sunwoda
Neben der Ladeinfrastruktur präsentierte das Unternehmen auch weitere Details zu seinem 15C-Batteriesystem. Bei Raumtemperatur soll der Akku innerhalb von fünf Minuten von zehn auf 70 Prozent und in neun Minuten von zehn auf 97 Prozent geladen werden können. Eine Minute Ladezeit soll laut Sunwoda für weitere 100 Kilometer Reichweite ausreichen. Wie die CN EV Post berichtet stellt der Hersteller zudem eine Reichweite von mehr als 700 Kilometern in Aussicht – vermutlich gemäß chinesischem Testzyklus CLTC.
Komplett neu ist die Batterietechnik allerdings nicht. Bereits im April hatte Sunwoda die Xingchi Supercharge Battery 2.0 vorgestellt. Das damals gezeigte LFP-Pack verfügte über 98,8 kWh Energieinhalt und eine Spannung von 844,8 Volt. Bei einem maximalen Ladestrom von 1.800 Ampere ergibt sich rechnerisch eine Spitzenladeleistung von etwas mehr als 1,5 MW.
Die von Sunwoda beworbenen 15C beziehen sich dabei auf die Spitzenleistung und nicht auf den gesamten Ladevorgang. Würde ein 98,8-kWh-Akku tatsächlich durchgehend mit 15C geladen, wäre er rechnerisch in vier Minuten vollständig geladen. Der im Frühjahr genannte Ladehub von fünf auf 95 Prozent in neun Minuten entspricht dagegen einer durchschnittlichen C-Rate von rund 6,7 – für einen derart großen Ladehub immer noch ein sehr hoher Wert.
Auch bei niedrigen Temperaturen soll die hohe Ladegeschwindigkeit weitgehend erhalten bleiben. Bei minus 20 Grad Celsius gibt Sunwoda für den Ladehub von zehn auf 97 Prozent eine Dauer von 15 Minuten an. Zudem soll das System die Voraussetzungen für eine Garantie von zehn Jahren oder 300.000 Kilometern erfüllen. Bei nicht gewerblich genutzten Fahrzeugen soll die Zahl der Ultraschnellladevorgänge währenddessen nicht begrenzt werden. Bei der Vorstellung im April hatte Sunwoda für die Xingchi Supercharge Battery 2.0 eine Lebensdauer von 1.500 Zyklen angegeben.
Sunwoda baut eigenes Megawatt-Ladeökosystem auf
Der größere Schritt der aktuellen Ankündigung betrifft jedoch die Infrastruktur. Sunwoda hat eine offene Plattform vorgestellt, die Schnellladebatterien, stationäre Energiespeicher, Photovoltaik, Megawatt-Ladeeinheiten und flüssigkeitsgekühlte Hochleistungslader miteinander verbindet. Sie soll Fahrzeuge verschiedener Marken unterstützen und damit nicht auf Modelle mit Sunwoda-Batterien beschränkt sein.
Bis Ende 2027 soll das Schnelllade-Ökosystem 10.000 Megawatt-Ladestationen umfassen. Noch offen ist allerdings, wo die Standorte entstehen sollen, welches Investitionsvolumen Sunwoda dafür vorsieht und in welchem Umfang das Unternehmen die Infrastruktur selbst errichten oder mit Partnern aufbauen will. Auch erste Serienfahrzeuge mit dem neuen Batteriesystem und ein Termin für den Produktionsstart wurden weiterhin nicht genannt.
Damit steigt Sunwoda stärker in den inzwischen auch über die Infrastruktur ausgetragenen Schnellladewettbewerb chinesischer Hersteller ein. BYD hat seine zweite Generation der Blade Battery im März direkt zusammen mit einem 1.500-kW-Ladesystem und entsprechenden Fahrzeugen vorgestellt. Ende August meldete BYD bereits die Inbetriebnahme seiner 10.000. Flash-Charging-Station in China; bis Ende 2026 soll das Netz auf 20.000 Stationen wachsen.
Auch andere chinesische Hersteller treiben die Ladeleistungen nach oben. Hongqi demonstrierte im Juli mit einer gemeinsam mit China Automotive New Energy Battery Technology (CNET) entwickelten Batterie einen Ladehub von zehn auf 70 Prozent in 3:41 Minuten, nannte aber noch keinen Termin für die Serienproduktion. Dongfeng zeigte jüngst einen eigenen Schnelllader mit bis zu 1.500 kW pro Ladepunkt.
Neben der Ladegeschwindigkeit erweitert Sunwoda auch die Überwachung des Batteriesystems. Die Kombination aus „Smart Battery Cells 3.0“, einem Energie-Domain-Controller und einer KI-basierten Cloud-Plattform soll den Batteriezustand kontinuierlich überwachen und Fehler frühzeitig erkennen. Nach Herstellerangaben lassen sich mehr als 20 Fehlerarten zwei bis zehn Tage im Voraus mit einer Trefferquote von 99,77 Prozent prognostizieren.