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Angeschlagener E-Bus-Hersteller Ebusco bekommt 12 Mio. Euro

Angeschlagener E-Bus-Hersteller Ebusco  bekommt 12 Mio. Euro

Der niederländische Elektrobus-Hersteller Ebusco bekommt von fünf Bestandsinvestoren eine Kapitalspritze von insgesamt zwölf Millionen Euro. Damit soll der Betrieb bis ins zweite Quartal 2027 finanziert werden. Kurz zuvor hatte Ebusco wegen der angespannten Liquiditätslage die Auszahlung der Oktober-Gehälter verschieben müssen.

Elektrischer Solobus Ebusco 3.0

Bild: Ebusco

Die Finanzierung ist ein wichtiger Schritt für den angeschlagenen Elektrobus-Hersteller, bedeutet aber noch keine dauerhafte Entwarnung. Wie Ebusco am Mittwoch mitteilte, haben zwei strategische Investoren und drei weitere bestehende Aktionäre zugesagt, insgesamt zwölf Millionen Euro für neue Aktien bereitzustellen. Die Kapitalmaßnahme steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Hauptversammlung.

Die neuen Aktien sollen zu einem Preis von fünf Cent je Stück ausgegeben werden. Insgesamt geht es um 240 Millionen neue Aktien. Von den zwölf Millionen Euro entfallen acht Millionen Euro auf die beiden strategischen Investoren Rhein Holding und Green Innovation International. Weitere vier Millionen Euro kommen von den bisherigen Anteilseignern De Engh, CVI Investments (Heights) und Peter Bijvelds Holding. Es ist nicht die erste Rettungsmaßnahme aus dem Investorenkreis: Die Rhein Holding hatte bereits im August sechs Millionen Euro in Ebusco gepumpt.

Auszahlung in sechs Tranchen geplant

Das frische Geld soll in sechs Tranchen entsprechend dem jeweiligen Liquiditätsbedarf des Unternehmens fließen. Die letzte Zahlung über eine Million Euro ist für Februar 2027 vorgesehen. Mit dem frischen Eigenkapital will Ebusco die laufenden Betriebskosten finanzieren und bestehende Busaufträge abarbeiten.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Auftrag aus Rouen. Die französische Metropolregion hatte bereits mehrfach E-Busse bei Ebusco bestellt, wartet aber seit längerem auf 68 Einheiten des Modells Ebusco 3.0, so ein Bericht des Newsportals Paris-Normandie. Für die Fertigstellung des Auftrags hatte Ebusco bereits im Oktober eine separate Produktionsunterstützung in Höhe von 5,86 Millionen Euro durch eine Tochtergesellschaft des strategischen Partners Gotion angekündigt – also dem chinesischen Batteriehersteller, dessen größter Aktionär VW ist und der wiederum selbst seit November 2024 strategischer Investor von Ebusco ist.

Aktuell läuft die Busproduktion, die Ebusco größtenteils nach China ausgelagert hat , extrem schleppend. Im dritten Quartal 2026 lieferte Ebusco lediglich drei Busse aus. Seit Jahresbeginn waren es nur 19 Einheiten. Der Auftragsbestand umfasste zum 30. September noch 195 Busse davon allerdings nur 77 als feste Order und 118 als stornierbare Aufträge.

Was noch obendrauf kommt: Die neue Finanzspritze von zwölf Millionen Euro kommt nicht einmal zur Hälfte dem operativen Geschäft zugute. Vielmehr soll aus den neuen Mitteln auch ein im April 2026 vereinbarter Überbrückungskredit über 7,1 Millionen Euro zurückgezahlt werden. Dieser wird am 1. Dezember 2026 fällig.

Geld soll bis ins zweite Quartal 2027 reichen

Nach der aktuellen Liquiditätsplanung erwartet Ebusco, mit der Finanzierung bis ins zweite Quartal 2027 auszukommen. Voraussetzung ist allerdings, dass sämtliche zugesagten Mittel vollständig und rechtzeitig eingehen. Das Unternehmen weist darauf hin, dass bei einer ungünstigeren Entwicklung der Zahlungsströme weiteres Kapital erforderlich werden könnte.

Image 2: Ebusco bvg berlin e bus bev

Parallel arbeitet Ebusco weiterhin an einer Betriebsmittelfinanzierung über rund 30 Millionen Euro. Der Abschluss dieser sogenannten Working-Capital-Fazilität, die das Unternehmen bereits im August in Aussicht gestellt hatte, ist bislang aber nicht gesichert.

Gehälter mussten verschoben werden

Wie dringend Ebusco auf frisches Geld angewiesen ist, wurde erst am Dienstag deutlich. Da hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass es die Auszahlung der Oktober-Gehälter verschieben muss. Die Gespräche mit einer Gruppe von Kernaktionären über kurzfristige Finanzierungsmöglichkeiten seien zwar weit fortgeschritten, hätten aber länger gedauert als erwartet, hieß es da.

Die nun angekündigte Kapitalzufuhr ist das Ergebnis dieser Gespräche. Wann die zugesagten Mittel tatsächlich eingehen und die ausstehenden Gehälter bezahlt werden können, ließ Ebusco zunächst offen.

Die Kapitalmaßnahme muss noch von einer außerordentlichen Hauptversammlung genehmigt werden, die Ebusco vor Ende 2026 einberufen will. Für das erste Quartal 2027 plant das Unternehmen zudem ein sogenanntes Repair Offer, über das weitere Aktionäre Aktien zum gleichen Preis von fünf Cent erwerben können. Das Volumen soll bis zu fünf Millionen Euro betragen.

Sanierung bleibt schwierig

Ebusco kämpft bereits seit 2024 mit erheblichen finanziellen und operativen Problemen. Produktionsstillstände, Verzögerungen und dadurch einhergehend die Stornierung von Busaufträgen wie etwa von 23 Einheiten durch den Verkehrsbetrieb Potsdam führen seitdem zu schwindenden Umsätzen und hohen Verlusten. Im November 2024 musste das Unternehmen bereits eine Kapitalerhöhung durchführen, um seine Liquidität zu sichern.

Im Zuge der Sanierung stellte Ebusco sein Geschäftsmodell um: Statt die Busse selbst zu produzieren, lässt das Unternehmen die Fahrzeuge inzwischen weitgehend von Auftragsfertigern montieren. Auch die Belegschaft wurde deutlich verkleinert.