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Es muss nicht immer Tesla sein: Der Rivian R2 wird zur Model Y-Alternative

Es muss nicht immer Tesla sein: Der Rivian R2 wird zur Model Y-Alternative

Es gibt kaum eine Klasse mit mehr Auswahl und trotzdem nirgends so viel gleichförmige Langeweile wie bei den elektrischen SUVs der Mittelklasse. Denn das Tesla Model Y, als zeitweise meistverkauftes Auto der Welt, sieht man an jeder Ecke, und was insbesondere aus China an Neuheiten kommt, hat immer den gleichen Look. Doch jetzt gibt es endlich ein bisschen Abwechslung aus Amerika.

Nachdem Rivian dort mitR1T undR1S bereits die optimistische Alternative zum dystopischen Cybertruck auf die Räder gestellt hat, backt das natürlich ebenfalls in Kalifornien gegründete Startup jetzt auch kleinere Brötchen und bringt gegen das Model Y, den Ford Explorer oder den BMW iX3 den R2 in Stellung. Und weil der mit seinen 4,72 Metern rund einen halben Meter kürzer ist als sein großer Bruder, hat er beste Chancen, demnächst auch nach Europa zu kommen.

Elektronik-Basis für künftige VW-Modelle

Die Elektronik-Architektur lernen wir sogar schon früher kennen. Denn an Rivian ist nicht nur Jeff Bezos beteiligt, der sich von den Amerikanern einen maßgeschneiderten Amazon-Transporter hat bauen lassen. Sondern weil VWs eigene Softwaretochter Cariad partout nicht in die Gänge kommen will, hat auch VW fast sechs Milliarden Dollar in Rivian und das gemeinsame Joint Venture investiert. Dort entwickeln beide Unternehmen auf Basis der zonalen Architektur aus Amerika das elektronische Rückgrat künftiger VW-Modelle und wollen damit noch nächstes Jahr im ID. Up den Anfang machen.

Bestechend scharfe Grafiken, intuitive Menüs auf den Screens und charmante „Halo“-Drehscheiben mit haptischem Feedback gehören deshalb zum Konzept. Dazu kommen zwei digitale Displays, ein kleines vor dem Fahrer und ein großes in der Mitte, sowie rasend schnelle Over-the-Air-Updates, mit denen auch neue Funktionen ins Auto kommen.

Image 1: Rivian r2 fahrbericht

Bild: Rivian

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Und wenn’s die Klasse verlangt und die Kasse hergibt, gibt es auch reichlich Assistenz: Im R2 sorgen elf Kameras mit zusammen 65 Megapixeln und fünf Radarsensoren nicht nur für den perfekten Überblick beim Fahren, Abbiegen oder Rangieren, sondern machen auf dem Highway auch die Hände frei. Wie Tesla oder Cadillac übernimmt der R2 die Fahrerei dort alleine und bittet den Menschen nur noch pro forma um gelegentliche Aufmerksamkeit. Und mit einem der nächsten Updates soll das auch in der Stadt klappen.

Outdoor-Details statt Einheitslook

Wobei die Stadt zwar die Heimat des R2 ist, sein Horizont aber immer weit draußen in der Wildnis liegt. Denn Rivian versteht sich als die coole Outdoor-Marke unter den Autoherstellern. Nicht so rustikal wie ein Defender oder ein Land Cruiser. Aber immer mit Trail-Schuhen und Funktionsjacke. Wall Street trifft Jack Wolfskin lautet das Motto, und es spiegelt sich in vielen Details wider. Dazu gehören die in der Fahrertür integrierte Taschenlampe, die sich dort automatisch wieder auflädt, genau wie der Schlüssel, der wie ein Karabiner gestaltet ist.

Und wenn es schon keinen Gear-Tunnel unter der Rückbank gibt wie beim großen Bruder R1, lässt sich zumindest die Heckscheibe komplett versenken, sodass man trotzdem problemlos lange Gegenstände wie Surfbretter transportieren kann. Dazu kommen ein 147 Liter großer Frunk, zwei Handschuhfächer und für diese Klasse ein erfreulich großer Kofferraum mit bestenfalls mehr als 2.000 Litern Fassungsvermögen.

Von der für Rivian besonders wichtigen Bodenfreiheit ganz zu schweigen: 24,4 Zentimeter sind es beim R2 und damit mehr als bei der Konkurrenz. Dazu kommen 25 Grad Böschungswinkel vorn, 26 Grad hinten und 20,6 Grad Rampenwinkel. Die Wattiefe beträgt 50 Zentimeter. Zusammen mit Fahrprogrammen wie All-Terrain, Snow, Sport, Soft Sand und Rally bietet der R2 tatsächlich mehr Pfadfinder-Ethos, als er dem gemeinen Yuppie zu eigen ist.

Im Grunde seiner Konstruktion ist der R2 allerdings kein klassischer Geländewagen, sondern ein konventioneller Pkw. Er steht deshalb auch nicht auf einem Leiterrahmen, sondern nutzt eine in die Struktur integrierte Batteriekonstruktion als Plattform und eine selbsttragende Karosserie darüber. Das schafft Platz und hilft beim Gewicht. Mit 4,72 Metern Länge, 1,91 Metern Breite und 1,70 Metern Höhe ist der R2 ein ausgewachsener Mittelklasse-SUV, und bei 2,94 Metern Radstand taugt der Fond über dem flachen Boden auch mal für zwei Erwachsene.

Auch mit adaptiven Dämpfern statt wie beim R1 Luftfederung ermöglicht der R2 deshalb einen Fahrkomfort, wie ihn ein Tesla Model Y nicht besser hinbekommt, genauso wenig wie ein BMW iX3, ein Volvo EX60 oder ein Mercedes GLC. Selbst durch die miserablen Straßen von Manhattan rollt der R2 deshalb smooth und lässig und ist dabei drinnen wunderbar leise.

Performance-Version macht den Anfang

Und während der R1 bisweilen wirkt wie ein Koloss, der vor Kraft kaum laufen kann, passen Format und Fahrleistungen beim R2 gut zusammen – vor allem natürlich bei der Performance-Version, die in den USA jetzt den Anfang macht. Mit zwei Motoren kommt er auf knapp 490 kW und geht mit 826 Nm zu Werke, sodass er den Sprint auf 100 km/h in 3,6 Sekunden schafft und beim Ampelstart gerne mal die Pole Position verteidigt. Und dass bei rund 200 km/h wieder Schluss ist, stört zumindest in den USA niemanden. Und wer kann schon wissen, wie es bei uns mit der Raserei bestellt ist, wenn der R2 frühestens 2028 über den Atlantik kommt?

Schwerer wiegt da schon die magere Performance an der Ladesäule. Die knapp 90 kWh große Batterie, die ihre Energie jetzt über einen V2L-Adapter auch an externe Geräte und den Hausspeicher abgibt, geht noch in Ordnung und auch mit 531 Kilometern Reichweite kann man leben – selbst wenn ausgerechnet die ach so abgeschlagene Konkurrenz aus Europa schon auf 700 und mehr Kilometer kommt. Aber dass der R2 den Strom nur mit gut 200 kW aus der Leitung zutzelt, ist schon heute allenfalls Standard und in zwei Jahren eine schwere Hypothek.

Image 2: Rivian r2 fahrbericht

Bild: Thomas Geiger

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Neben dem Performance plant Rivian noch mit drei weiteren Varianten. Es gibt einen Premium mit 336 kW, es gibt eine abgespeckte Heckantriebsversion mit dem Standard-Akku als Long Range und es gibt als Lockangebot noch eine Basis-Variante, bei der nicht nur der Frontmotor fehlt, sondern auch ein kleinerer, noch nicht spezifizierter Akku eingebaut wird. Damit drücken die Amerikaner den aktuellen Einstiegspreis von 57.990 Dollar (ca. 50.000 Euro) auf einen knapp kalkulierten Preis von 44.990 Dollar (rund 39.000 Euro) und liegen nur noch zehn Prozent über der Einstiegsversion des Model Y – nur, dass ihr Auto um Längen frischer aussieht und nicht an jeder Straßenecke parkt.

Risiko Produktionshochlauf

Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass sich Rivian auf seinem Weg zum Wachstum nicht verstolpert und nicht durch die „Produktionshölle“ geht, die Elon Musk beim Model 3 und Model Y durchlitten hat. Sonst könnte auch der Zeitplan aus den Fugen geraten und mit ihm der ohnehin schon späte Europastart in zwei Jahren. Zumal mit dem augenfällig vom Golf I inspirierten R3 für wohl kaum mehr als 30.000 Dollar bereits der nächste Export-Kandidat in den Startlöchern steht.

Vielleicht sollten sie uns bis dahin zumindest schon mal ein paar Ladeklappen des R2 über den Atlantik schicken. Da hat Rivian nämlich ein Labyrinth hineingeprägt, mit dem man sich prima die Wartezeit vertreiben kann.