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Wegen Spritmangel? Russland mit Verdoppelung von E-Auto-Absatz

Wegen Spritmangel? Russland mit Verdoppelung von E-Auto-Absatz

Die Neuzulassungen von E-Autos und Plug-in-Hybriden haben sich im Sommer in Russland gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Die Entwicklung dürfte teils auch eine Folge von ukrainischen Gegenangriffen auf Russland sein, die Raffinerien getroffen und dadurch Treibstoffengpässe ausgelöst haben.

Der Evolute i-Joy basiert auf dem Dongfeng Fengon E3

Bild: Evolute

Im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine setzt sich das Nachbarland seit Juni unter anderem mit gezielten Attacken auf Erdölraffinerien in Russland zur Wehr. Das hat zur Folge, dass die Versorgung russischer Tankstellen mit Benzin und Diesel seitdem erheblich gestört ist. Und genau dieser Spritmangel hat nun womöglich die Verkaufszahlen von vollelektrischen Autos sowie Plug-in-Hybriden deutlich steigen lassen – obwohl das Land angesichts einem eher dünnen Ladenetz, den riesigen Entfernungen und dem rauen Klima bislang ein schwieriges Pflaster für Autos mit Stecker war.

Doch angesichts der Tatsache, dass einige Raffinerien nach den ukrainischen Gegenangriffen ihren Betrieb einstellen mussten, ist die russische Benzinproduktion zuletzt auf nur noch etwa 70 Prozent des sonst üblichen Inlandsverbrauchs gesunken, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Aufgrund der Engpässe mussten russische Autofahrer teils stundenlang nach Kraftstoff suchen und an Tankstellen Schlange stehen, wie auch Pressebilder aus Russland dokumentieren. Umgekehrt stieg bereits Ende Juni die Anzahl der Ladevorgänge an öffentlichen Ladestationen von Rosatom deutlich.

Russland mit 117,8 Prozent Plus

Auch wenn der tatsächliche Zusammenhang nicht zu beweisen ist, so sprechen die Zahlen eine ziemlich eindeutige Sprache: Der Absatz neuer Elektroautos und Plug-in-Hybrid-Pkw erreichte im Zeitraum von Juni bis August dieses Jahres 26.543 Einheiten, so der Analysedienst Autostat. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 12.187 Fahrzeuge mit Stecker gewesen. Der Absatz hat sich also mehr als verdoppelt (+118 %), wenn auch auf niedrigem Niveau: Elektroautos und Plug-in-Hybride machten im vergangenen Jahr erst 4,3 Prozent der gesamten Autoverkäufe in Russland aus, so Autostat.

Der spürbare Nachfrageschub auf dem russischen E-Auto-Markt wird fast ausschließlich von chinesischen Herstellern bedient, die von der neuen Marktdynamik profitieren. Da europäische, amerikanische, japanische und südkoreanische Automobilkonzerne dem russischen Markt infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und der umfassenden internationalen Sanktionen seit 2022 den Rücken gekehrt und ihre Exporte sowie lokalen Produktionen vollständig eingestellt haben, füllen Marken aus der Volksrepublik das Vakuum.

Chinesische Hersteller profitieren

Besonders stark positionieren sind dabei chinesische NEV-Marken wie Zeekr oder Li Auto, die über offizielle Handelskanäle, Parallelimporte oder freie Händler vor allem urbane Käuferschichten in Zentren wie Moskau erreichen. Zugleich drängen staatlich gelenkte, lokale Labels wie Evolute oder der reaktivierte Moskwa-Konzern auf den Markt, indem sie chinesische Modelle (unter anderem von Partnern wie Dongfeng oder JAC) unter eigenem Namen montieren und vertreiben. Ein Beispiel dafür ist der kompakte Elektro-SUV Evolute i-Joy, der auf dem Dongfeng Fengon E3 basiert. Für die Montage im Evolute-Werk in Lipezk werden größtenteils CKD-Bausätze von Dongfeng verwendet. Käufer erhalten im Rahmen eines staatlichen Förderprogramms aktuell einen Zuschuss von 35 Prozent des Kaufpreises.

Übrigens kommt auch die Ukraine schon länger auf starke E-Auto-Verkaufszahlen, wobei dort nicht nur chinesische Marken, sondern auch China-Modelle des VW-Konzerns als Grauimporte beliebt sind.