VW und Skoda loten Joint Venture mit JSW in Indien aus

Der Volkswagen-Konzern lotet für seine in Indien aktiven Marken Skoda und VW ein Joint Venture mit dem Mischkonzern JSW aus. Davon dürfte auch die geplante Elektroauto-Plattform von Skoda/VW für Indien profitieren - noch setzen beide Marken in dem Land nur auf Verbrenner.
Indisches Verbrenner-Modell Skoda Kylaq
Bild: Skoda
Beim Indien-Geschäft des Volkswagen-Konzerns ist die tschechische Marke Skoda „im Lead“, trägt also die Hauptverantwortung. Das liegt daran, dass Skoda in Indien bereits sechs Jahre länger am Markt ist als die Marke VW – nämlich seit 2001, während VW erst 2007 folgte.
In einem Interview mit T-Online hat Skoda-Chef Klaus Zellmer nun ausführlich über das Indien-Geschäft der Marke Skoda und des VW-Konzerns gesprochen. Und das soll deutlich ausgebaut werden. Schließlich hat Skoda 2025 seine Verkäufe in Indien verdoppelt und damit die stärkste Wachstumsrate im Jahresvergleich aller Skoda-Märkte erzielt. VW und Skoda zusammen konnten ihren Absatz in Indien um 36 Prozent auf 117.000 Fahrzeuge steigern.
Skoda hofft auf Investitionen durch neuen Partner
„Um in Indien von dem Wachstum zu profitieren, müssen wir massiv weiter investieren“, so Klaus Zellmer. „Deswegen wägen wir unterschiedliche Szenarien ab. Eines ist Stand-alone: Wir bleiben für uns. Zum anderen gibt es die Möglichkeit, sich mit einem starken lokalen Partner zusammenzutun, der für die Investitionen Geld mitbringen müsste“, so der Skoda-Chef.
Für die partnerschaftliche Variante hat das Unternehmen deshalb nun mit dem multinationalen Konzern JSW Group Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichnet, also eine Absichtserklärung, „um die wesentlichen Grundsätze einer strategischen Partnerschaft auszuloten. Die geplante Zusammenarbeit soll die Wettbewerbsfähigkeit durch ein erweitertes Produktangebot, eine stärkere Lokalisierung sowie den Ausbau von Produktions- und Entwicklungsfähigkeiten stärken“, so Zellmer in dem Interview. Und weiter: „Ich bin überzeugt, dass wir mit einem indischen Partner besser werden können: mit lokalen Wurzeln, lokalen Netzwerken und der kulturellen Anbindung, um zu wissen, was in Indien wirklich richtig und wichtig ist.“
Für die E-Auto-Strategie von VW und Skoda in Indien könnte die Partnerschaft ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Laut dem indischen Magazin „Autocar Professional“ könnte ein möglicher Investmentanteil von JSW Produkte auf Basis der geplanten India Main Platform (IMP) finanzieren. Dabei handelt es sich um eine für Indien vorgesehene Elektroauto-Architektur des Volkswagen-Konzerns, die von der China Main Platform abgeleitet und an indische Regulierungen, die lokale Zulieferbasis und einen höheren Lokalisierungsgrad angepasst werden soll. Vergangenes Jahr hieß es, VW/Skoda könne in die Plattform nicht soviel Geld selbst investieren wie ursprünglich geplant. Aktuell bieten weder Skoda noch VW Elektroautos auf dem indischen Markt an, sondern nur Verbrenner. Das soll sich 2028 ändern.
Indien als Alternative zu China
Zellmer hält Indien für eine gute Alternative zum chinesischen Markt, aus dem sich Skoda zurückgezogen hat: „Der indische Markt ist heute genauso dynamisch wie der chinesische vor ein paar Jahren. Wir haben in Indien zwei Werke, eine etablierte Händlerstruktur und sehr gute Qualität. Mit knapp drei Prozent Marktanteil sind wir zwar ein vergleichsweise kleiner Akteur, aber Skoda ist immerhin die erfolgreichste europäische Marke in Indien. Darauf kann man aufsetzen.“ Zudem täten sich chinesische Autohersteller bislang schwer, in Indien zu investieren – eine Chance, die Skoda nun nutzen will.
Wie das „Handelsblatt“ berichtet, ist Volkswagen offenbar sogar bereit, an dem geplanten Joint Venture die Mehrheit an JSW abzugeben. Wie gleich mehrere indische Medien schreiben, könnte es auf ein ein Gemeinschaftsunternehmen hinauslaufen, an dem JSW 51 Prozent und VW 49 Prozent halten werden. Gerüchte über ein solches Joint Venture gab es bereits im August.
Partnerschaften in Indien bislang unter schlechtem Stern
Der VW-Konzern unterhielt in der Vergangenheit schon Partnerschaften mit Suzuki sowie JLR-Eigner Tata in Indien, später scheiterten Gespräche mit Mahindra. Auch mit JSW gab es angeblichschon 2024 Gespräche, die damals noch zu keiner Kooperation geführt haben.
JSW wiederum betreibt seit 2023 bereits ein Joint Venture mit dem chinesischen SAIC-Konzern rund um die auch in Europa aktive Marke MG Motor. Zudem will JSW unter dem Namen JSW Motors eine eigene E-Auto-Marke aufbauen und dafür die Technologie vom chinesischen Hersteller Chery nutzen.