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Volkswagen-Aufsichtsrat willigt in Sanierungsplan des Vorstands ein

Volkswagen-Aufsichtsrat willigt in Sanierungsplan des Vorstands ein

Unverhofft kommt oft: Der VW-Aufsichtsrat hat in einer vorgezogenen Sitzung dem Sanierungsplan des Vorstands zugestimmt. Der Schritt kommt überraschend, waren doch Spannungen vorausgesagt worden. Die Abstimmung erfolgte laut Volkswagen einstimmig – wohl auch, weil eine Entscheidung über die potenzielle Ausgliederung der Kernmarke Volkswagen erst einmal die Dringlichkeit genommen wird.

Wie mehrere Nachrichtenagenturen sowie „Handelsblatt“ und „Spiegel“ schreiben, kristallisierte sich auf der VW-Aufsichtsratssitzung am Donnerstagabend überraschend ein Kompromiss heraus. Zuvor hatte das Präsidium getagt, die Sitzung des Aufsichtsrats – eigentlich angesetzt für den 4. September – schloss sich an. Sie galt als richtungsweisend, inwiefern sich Vorstandschef Oliver Blume mit seinem „Zukunftsplan“ durchsetzen kann bzw. ob es zu einem Zerwürfnis zwischen Vorstand und Aufsichtsrat kommt.

Von den wenigsten erwartet worden war die nun demonstrierte Einigkeit. Volkswagen teilt mit: Die Umsetzung des Zukunftsplans sei nach Auffassung des Vorstands und des Aufsichtsrats zwingend erforderlich, um die Wettbewerbsfähigkeit des Volkswagen-Konzerns zu erhalten und für die Zukunft nachhaltig zu sichern. Dass der Aufsichtsrat früher als geplant tagte, soll sich laut Insidern dadurch ergeben haben, dass sich am Donnerstag in der Sitzung des Präsidiums eine Art Ausweg herauskristallisiert habe.

Unter anderem war wohl hilfreich, dass eine Entscheidung über die Ausgliederung der Kernmarke Volkswagen vertagt werden kann. „Vor allem das Land Niedersachsen, das 20 Prozent an Volkswagen hält und dank des VW-Gesetzes weitreichende Veto-Rechte innehat, hatte sich gegen eine Ausgliederung der Marke gestellt“, heißt es im „Handelsblatt“.

Der Schulterschluss von Vorstand und Aufsichtsrat dürfte unterdessen vor allem im Betriebsrat für Ungläubigkeit sorgen. Denn der wähnte den Aufsichtsrat eigentlich auf seiner Seite: im gemeinsamen Widerstand gegen den Vorstoß von Konzernchef Oliver Blume, die Bilanzen des Autobauers mit einem noch weitaus strengeren Sparkurs zu stabilisieren.

Vier Volkswagen-Werke vor dem Aus

Zum Hintergrund: Volkswagen-Chef Blume ist überzeugt, dass das Unternehmen nur bestehen kann, wenn es sich komplett neu strukturiert. Wie er das vorhat, ist bereits im Juni publik geworden: Das „Manager Magazin“ berichtete seinerzeit, dass der Vorstand um Blume einen weitaus radikaleren Sanierungskurs verfolge als bisher bekannt – und berief sich dabei auf eine Vorstands-Präsentation mit dem Titel „Group Target Picture“ für 2030. In dieser ist als Ziel unter anderem das Aus für vier deutsche Werke fixiert. Und die Belegschaft soll weltweit um 100.000 Stellen schrumpfen. Der „Spiegel“ recherchierte kurz darauf, dass Blume die Produktion in den Werken Zwickau und Emden offenbar 2031 auslaufen lassen will. Die Fabrik in Hannover soll 2032 folgen, das Audi-Werk in Neckarsulm 2034.

Im Juli wurde dieser „Zukunftsplan“ dem Aufsichtsrat vorgestellt. Allerdings berichteten Medien, dass Blume dort mit seinem Vorstoß bei einer ersten Abstimmung scheiterte – viele Branchenkenner befürchteten daraufhin ein monatelanges Tauziehen. Zu unrecht, wie sich nun zeigt. Blume und seine Vorstände konnten den Aufsichtsrat jetzt, zwei Monate später, überzeugen. Der Vorstandschef wurde von Insidern auch stets „als fest entschlossen“ bezeichnet, seinen Umbauplan weiter voranzutreiben. Er wolle die Strategie „jetzt in Etappen durchsetzen – notfalls auch gegen den Widerstand von Arbeitnehmern und dem Land Niedersachsen“, berichtete etwa das „Handelsblatt“ nach seinem ersten gescheiterten Anlauf.

Wichtig: Der „Bild am Sonntag“ gegenüber sagte der CEO vor wenigen Wochen, dass er in seinem Zukunftsplan durchaus Alternativen zu Fabrikschließungen sieht. „Es gibt intelligentere Lösungen, als Werke zu schließen“, wurde Blume in dem Bericht zitiert. Er sagte, dass das bisher schon verfolgte Sparprogramm an den deutschen Produktionsstandorten bereits Wirkung zeige: „Unsere Fabrikkosten in Deutschland konnten wir allein im vergangenen Jahr um durchschnittlich 20 Prozent verbessern. Ein starker Fortschritt.“ Weiter ins Detail ging Blume nicht. Denkbar ist aber, dass sich Volkswagen beispielsweise Partner in die Werke holt, oder sie anderweitig umwidmet.

Zu den gefährdeten Werken: Angezählt sind die deutschen VW-Fabriken in Hannover, Zwickau und Emden sowie das Audi-Werk in Neckarsulm. Zu Problemfällen erklärt wurde dieses Fabrik-Quartett bereits im April in einer Aufsichtsratssitzung – „wegen hoher Kosten“, wie das „Manager Magazin“ jüngst schrieb. Der Vorstand soll dafür sein, die Produktion in allen vier Werken auslaufen zu lassen und dort in Zuge dessen jeweils nur noch die aktuelle Modellgeneration bauen zu lassen. Insgesamt arbeiten in den vier Produktionsstätten gut 40.000 Männer und Frauen. Zusammen kommen sie auf eine jährliche Kapazität von rund 750.000 Autos.

Bei Zwickau und Emden handelt es sich um reine Elektroauto-Standorte. Die Belegschaft in Zwickau produziert den VW ID.3, VW ID.4 und VW ID.5 sowie den Cupra Born und den Audi Q4 e-tron. Im Werk Emden laufen der VW ID.4, VW ID.7 und der VW ID.7 Tourer vom Band. In beiden Städten reduzierte VW bereits von je zwei auf eine Linie (mit je zwei Schichten), um Überkapazitäten abzubauen.

Das Volkswagen-Werk Hannover ist Hauptsitz von VW Nutzfahrzeuge und bringt die vollelektrische Baureihe ID. Buzz bzw. ID. Buzz Cargo sowie die Modelle der T-Baureihe (Multivan) hervor. Vor Ort gibt es zudem eine Batteriemontage. Und im Audi-Werk in Neckarsulm werden zurzeit vor allem Verbrenner- und Hybridmodelle von Audi gefertigt. In den Böllinger Höfen läuft mit dem Audi e-tron GT aber auch ein vollelektrischer Sportwagen vom Band. Wir erinnern uns: Im Februar 2025 wurde bereits das Audi-Werk in Brüssel geschlossen.