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Rivian steigert Umsatz dank R2 und VW-Partnerschaft

Rivian steigert Umsatz dank R2 und VW-Partnerschaft

Rivian hat seinen Umsatz im dritten Quartal 2026 um 38 Prozent auf 2,16 Milliarden US-Dollar gesteigert. Dabei legten sowohl die Auslieferungen des E-Auto-Herstellers als auch das Geschäft mit Software und Dienstleistungen kräftig zu. Allein 16 Prozent des Umsatzes entfielen auf die Partnerschaft mit Volkswagen. Rivian erhöht zugleich seine Jahresprognose.

Bild: R2

Der US-Elektroautohersteller Rivian hat im dritten Quartal 2026 insgesamt 19.751 Elektrofahrzeuge produziert und 19.248 Einheiten an Kunden ausgeliefert. Damit stieg die Produktion gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 84 Prozent, die Auslieferungen legten um 46 Prozent zu. Beide Werte bedeuten neue Quartalsrekorde für das Unternehmen. Besonders wichtig für den Zuwachs ist der neue R2: Das kompaktere und günstigere SUV war im dritten Quartal bereits das meistverkaufte Modell von Rivian und übertraf damit sowohl die größeren R1-Modelleals auch die elektrischen Lieferwagen (EDV), die v.a. Anteilseigner Amazon nutzt. Die Produktion des R2 wurde im Werk Normal im US-Bundesstaat Illinois weiter hochgefahren. Im Berichtszeitraum ging dort auch eine zweite Produktionsschicht für das Modell an den Start.

Der Umsatz kletterte im Jahresvergleich um 38 Prozent auf 2,155 Milliarden Dollar. Das Fahrzeuggeschäft steuerte davon 1,55 Milliarden Dollar bei, ein Plus von 36 Prozent. Allerdings bleibt dieses Segment für sich genommen defizitär: Der Bruttoverlust im Automobilgeschäft belief sich auf 80 Millionen Dollar. Im Vorjahresquartal waren es noch 130 Millionen Dollar gewesen. Rivian begründet die Verbesserung unter anderem mit höheren Auslieferungen, einer besseren Marge pro Fahrzeug und zusätzlichen Einnahmen aus regulatorischen Gutschriften. Gleichzeitig belastet der Hochlauf des R2 die Kosten. Allein dafür verbuchte Rivian im dritten Quartal rund 120 Millionen Dollar an zusätzlichen Herstellungskosten gegenüber einem normalisierten Produktionsniveau.

Rivian profitiert vom Service-Geschäft

Noch stärker als das Fahrzeuggeschäft wächst weiterhin die zweite Säule des Unternehmens. Der Bereich Software und Services setzte 605 Millionen Dollar um, 45 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Bemerkenswert ist dabei nicht nur das Umsatzvolumen, sondern auch die Profitabilität: Der Bruttogewinn des Segments lag bei 256 Millionen Dollar, die Bruttomarge bei 42 Prozent. Damit erwirtschaftete dieser Geschäftsbereich mehr Bruttogewinn als Rivian insgesamt, das auf Konzernebene 176 Millionen Dollar erreichte. Zu den Umsatztreibern zählen neben der Entwicklung von Fahrzeugarchitektur und Software auch Reparatur- und Wartungsdienstleistungen sowie das seit April 2026 angebotene kostenpflichtige Softwarepaket Autonomy+. Rückläufige Einnahmen aus dem Weiterverkauf gebrauchter Fahrzeuge wirkten sich hingegen bremsend aus.

Ein wesentlicher Bestandteil des Software- und Servicegeschäfts ist weiterhin die Zusammenarbeit mit Rivian-Großaktionär Volkswagen. 354 Millionen Dollar beziehungsweise 59 Prozent der Segmenterlöse entfielen im dritten Quartal auf das Joint Venture mit dem Wolfsburger Konzern. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber den 308 Millionen Dollar im zweiten Quartal. Die Partner arbeiten gemeinsam an einer zonalen Elektronikarchitektur und Software für künftige Volkswagen-Modelle.

VW lizensiert Teile des KI-Sprachassistenten von Rivian

Rivian zufolge soll das Unternehmen aus dem Gemeinschaftsprojekt noch bis etwa Mitte 2028 Umsätze für die Weiterentwicklung, Anpassung und Verbesserung seiner Fahrzeugarchitektur und Software verbuchen. Die Kooperation wurde zudem im dritten Quartal erweitert: Rivian lizenziert an das Gemeinschaftsunternehmen nun auch Bestandteile seiner KI-Sprachassistenz. Damit wird die Zusammenarbeit über die ursprüngliche Entwicklung der Elektronikarchitektur und Software hinaus ausgeweitet.

Volkswagen unterstützt Rivian auch finanziell. Am 7. Oktober wurde ein bereits vereinbarter Kreditrahmen über eine Milliarde Dollar vollständig abgerufen. Das zehnjährige Darlehen wird über das Joint Venture bereitgestellt und steht Rivian für allgemeine Unternehmenszwecke zur Verfügung. Darüber hinaus ist eine weitere Eigenkapitalinvestition von Volkswagen in Höhe von 460 Millionen Dollar vorgesehen. Diese soll spätestens im Januar 2028 oder bereits dann erfolgen, wenn das erste Volkswagen-Fahrzeug mit Hardware und Software von Rivian auf die Straße kommt – dabei handelt es sich um den geplanten 20.000-Euro-Stromer ID. EVERY1. Die Zahlung ist allerdings weiterhin an bestimmte Bedingungen geknüpft. Die Bedeutung des deutschen Partners für Rivian geht damit deutlich über die laufenden Entwicklungsumsätze hinaus.

Unterm Strich ein kräftiger Verlust

Unter dem Strich verringerte Rivian seinen den Stammaktionären zurechenbaren Nettoverlust auf 913 Millionen Dollar, nach 1,173 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Das bereinigte EBITDA verbesserte sich von minus 602 auf minus 435 Millionen Dollar. Für das Gesamtjahr zeigt sich das Unternehmen nun etwas optimistischer: Statt 65.000 bis 70.000 Auslieferungen rechnet Rivian inzwischen mit 67.000 bis 70.000 Fahrzeugen. Die Prognose für das bereinigte EBITDA wurde um 100 Millionen Dollar auf minus 1,85 bis minus 1,75 Milliarden Dollar verbessert. Als Gründe nennt Rivian höhere erwartete Einnahmen aus regulatorischen Gutschriften, eine im dritten Quartal verbuchte Forderung aus der Rückerstattung von US-Importzöllen sowie die Aussicht auf mehr Fahrzeugauslieferungen. Die geplanten Investitionsausgaben sollen zugleich um 300 Millionen Dollar niedriger ausfallen und nun zwischen 1,4 und 1,5 Milliarden Dollar liegen.