Politiker entdecken den Verbrenner-Dienstwagen wieder

Die Verkehrswende beginnt bekanntlich bei den anderen: Der Elektro-Anteil unter den Dienstwagen deutscher Spitzenpolitiker ist gesunken, während Plug-in-Hybride zulegen. Das zeigt der neue Dienstwagen-Check der Deutschen Umwelthilfe.
Wasser predigen und Wein trinken ist natürlich ein etwas angestaubtes Bild. Im politischen Fuhrpark des Jahres 2026 lässt es sich ohnehin zeitgemäßer formulieren: Wasser predigen, Benzin tanken. Denn ausgerechnet dort, wo sich die Verkehrswende vergleichsweise einfach vorleben ließe, ist der Anteil vollelektrischer Dienstwagen zurückgegangen.
Für ihren 20. Dienstwagen-Check hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) 249 Fahrzeuge von Mitgliedern der Bundes- und Landesregierungen untersucht. 160 davon bekommen eine rote Karte, weil ihr von der DUH berechneter realer CO2-Ausstoß über dem herangezogenen EU-Flottengrenzwert liegt. Das entspricht rund 64 Prozent aller untersuchten Dienstwagen. 2025 waren es mit 151 von 238 Fahrzeugen noch 63 Prozent. Auch beim Elektro-Anteil geht es leicht rückwärts. Zwar stieg die Zahl der Stromer von 87 auf 90, ihr Anteil sank aufgrund der größeren Gesamtflotte aber von knapp 37 auf rund 36 Prozent.
Plug-in-Hybride stellen inzwischen mit 42 Prozent die größte Gruppe. Für sie errechnet die DUH durchschnittlich 179 Gramm CO2 pro Kilometer. Reine Verbrenner kommen auf 193 Gramm, Elektroautos unter Berücksichtigung des deutschen Strommixes auf 62 Gramm. Allerdings sind das keine Messwerte der konkreten Dienstwagen: Bei Plug-in-Hybriden nimmt die DUH einen elektrischen Fahranteil von elf Prozent an, bei Elektroautos fließen die Emissionen des Strommixes ein.
Einige Politiker wechseln zurück zum Plug-in-Hybrid
Besonders auffällig sind einige Neubeschaffungen. Die Staatsminister Serap Güler, Gunther Krichbaum und Florian Hahn aus dem Auswärtigen Amt wechselten laut DUH vom Elektroauto zum Plug-in-Hybrid. Das gilt auch für Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank und Finanzsenator Andreas Dressel sowie Sachsens Umweltstaatsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch.
Man könnte das Technologiefreiheit nennen. Man könnte allerdings auch feststellen, dass eine Verkehrswende eine interessante Richtung nimmt, wenn diejenigen, die sie politisch gestalten, persönlich wieder einen Verbrennungsmotor bestellen. Die höchsten Werte innerhalb der Bundesregierung schreibt die DUH Justizministerin Stefanie Hubig und Bildungs- und Familienministerin Karin Prien mit jeweils 196 Gramm CO2 pro Kilometer zu. Unter den Länderchefs kommen Hendrik Wüst, Manuela Schwesig und Kai Wegner auf jeweils 262 Gramm. Am anderen Ende fährt Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan mit 64 Gramm den sparsamsten Dienstwagen der Bundesregierung. Bremens Umweltsenatorin Henrike Müller verzichtet ganz auf einen Dienstwagen und nutzt ein Dienstrad. Unter den Bundesministerien schneiden das Umweltministerium (BMUKN), das Innenministerium (BMI), das Entwicklungsministerium (BMZ) und das Arbeitsministerium (BMAS) in der DUH-Auswertung entsprechend gut ab.
Dass Elektroautos derzeit auch in anderen Dienstwagenflotten unter Druck geraten, zeigte zuletzt die Schwarz Gruppe. Die Muttergesellschaft von Lidl und Kaufland strich Stromer in Deutschland vorerst aus ihrer Dienstwagenliste und verwies unter anderem auf niedrige Restwerte. Bei politischen Dienstwagen kommt allerdings noch die viel zitierte Vorbildfunktion hinzu. Die DUH fordert Bund und Länder entsprechend auf, bei Neubeschaffungen konsequent auf effiziente Elektroautos umzusteigen. Die Abfrage lief von Januar bis Juni 2026, spätere Amtswechsel fehlen. Zudem fließen einige sondergeschützte Fahrzeuge nicht in die Gesamtwertung ein.