Polestar 2: Produktion endet, Nachfolger kommt Anfang 2027

Nach etwa sechseinhalb Jahren wurde die Produktion des Polestar 2 nun offenbar beendet. Der Nachfolger der elektrischen Mittelklasse-Limousine mit großer Heckklappe soll Anfang 2027 vorgestellt werden. Derzeit ist der Polestar 2 in Deutschland aber weiter konfigurierbar.
Seit März 2020 wurden rund 200.000 Einheiten gebaut, wie die Website des norwegischen Privatsenders TV 2 schon am 20. Oktober 2026 meldete. Aufmerksam wurden wir durch eine Kurzmeldung der Automobilwoche. Die Produktion erfolgte im chinesischen Luqiao, das etwa 400 km südlich von Shanghai liegt.
Das Modell wurde in Tests meist gut bewertet, aber der Absatz in Deutschland schwächelt. Im laufenden Jahr wurden bisher (bis Ende September 2026) nur etwa 1.160 Neuzulassungen verzeichnet. 2025 waren es etwa 1.700 Stück, nochmal weniger als im schon schwachen Vorjahr (2.300 Stück). 2023 waren es noch etwa 6.300 und 2022 fast 7.000.
Offenbar wurde schon begonnen, die Modellpalette zusammenzustreichen: Im Juli 2026 entfiel die Basisversion Standard Range Single Motor für 48.990 Euro. Zudem scheint es eine Preiserhöhung gegeben zu haben. Die günstigste Variante, Long Range Single Motor genannt, kostet nun 57.690 Euro (statt 52.690 Euro).
Exterieur | Antriebe/Batterien | Aufladen | Preise | Konkurrenten
Bildergalerie: Polestar 2 (2024): Bilder zum Test
Exterieur
Mit 4,61 Meter Länge und einer Höhe von nur 1,48 Metern ist der Polestar 2 als fünftürige Schrägheck-Limousine der Mittelklasse einzustufen. Die Anfänge des Modells reichen bis ins Jahr 2016 zurück, als Volvo die Konzeptfahrzeuge 40.1 und 40.2 vorstellte. Aus dem erstgenannten wurde der Volvo XC40 und später der EX40, während aus dem 40.2 der Polestar 2 entstand. Beide Modelle basieren auf der Compact Modular Architecture (CMA) von Volvo.
Im Frühjahr 2023 bekam der Wagen ein Facelift. Die neue Version kennzeichnet ein fast vollständig geschlossener Grill. Als SmartZone beherbergt dieser die Frontkamera und den Radar. Zu den technischen Verbesserungen gehören mehr Leistung und Reichweite; zudem wurden die Single-Motor-Versionen von Front- auf Heckantrieb umgestellt – ein ziemlich einmaliger Vorgang in der Autobranche.
Antriebe und Batterien
Bis zum Sommer 2026 gab es den Polestar 2 in vier Versionen. Dann entfiel die Basisversion mit 200-kW-Heckantrieb und 70 kWh brutto und (laut EV-Database) 68 kWh netto mit einer WLTP-Reichweite von 554 Kilometern. Damit haben alle Varianten nun den größeren Akku. Er besteht laut Polestar aus 27 Modulen und bietet nun 86 kWh brutto (zuvor 82 kWh brutto oder ca. 79 kWh netto). Man kann noch aus drei Varianten wählen:
Long Range Single Motor
Long Range
Dual Motor
Long Range
Dual Motor Perf. Pack
Antrieb
RWD 220 kW,
490 Nm
AWD 310 kW,
740 Nm
AWD 350 kW,
740 Nm
0–100 km/h
6,2 Sek.
4,5 Sek.
4,2 Sek.
Höchstgeschwind.
205 km/h
205 km/h
205 km/h
WLTP-Verbrauch
14,8–15,8 kWh/100 km
15,8–17,2 kWh/100 km
16,8–17,2 kWh/100 km
Batterie netto / brutto
ca. 80 / 86 kWh
ca. 80 / 86 kWh
ca. 80 / 86 kWh
WLTP-Reichweite
659 km
596 km
bis 568 km
Max. Anhängelast
1.500 kg
1.500 kg
1.500 kg
Die reichweitenstärkste Version des Polestar 2 ist der Single Motor Long Range; damit sind 659 km nach WLTP möglich. Kein schlechter Wert, auch wenn das schon lange nicht mehr für die Top Ten reicht.
Soweit wir wissen, kommt an der Hinterachse eine Permanentmagnet-Maschine (PSM) zum Einsatz, vorne bei den Allradlern ein Asynchronmotor (ASM). So kann der vordere Elektromotor einfach stromlos geschaltet werden, wenn er nicht gebraucht wird – das spart Strom.
Aufladen
Die Batterie lässt sich mit bis zu 205 kW laden – also mit etwas mehr als die 200 kW, die ein 400-Volt-System mit dem auf 500 Ampere limitierten CCS-Ladeanschluss eigentlich zulässt. Die Ladedauer wird nach wie vor mit 28 min angegeben. Daraus errechnet sich eine Ladegeschwindigkeit von ca. 80 kWh x 0,7 / 28 min = 2,0 kWh/min. Für ein 400-Volt-Modell ist das ein ordentlicher Wert.
Long Range Single Motor
Long Range
Dual Motor
Long Range
Dual Motor
Perf. Pack
DC-Ladeleistung
bis 205 kW
bis 205 kW
bis 205 kW
DC-Ladedauer
(10–80%)
28 min
28 min
28 min
DC-Ladetempo
ca. 2,0 kWh/min
ca. 2,0 kWh/min
ca. 2,0 kWh/min
Reichweite-Nachladen
16,5 km/min
14,9 km/min
bis 14,2 km/min
Aus der WLTP-Reichweite und der Ladedauer lässt sich auch errechnen, wie groß die Reichweite ist, die man mit einer Minute Ladezeit hinzufügen kann. Hier ergeben sich Werte von bis zu 16,5 km/min. Das reicht derzeit für Platz 6 beim Reichweite-Nachladen in der Top-Ten-Liste für 400-Volt-Modelle.
Preise und Ausstattung
Die Preise für den Polestar 2 beginnen bei knapp 58.000 Euro, die Topmotorisierung ist rund 10.000 Euro teurer:
Long Range Single Motor
Long Range
Dual Motor
Long Range
Dual Motor Perf. Pack
Preis
57.690 Euro
61.990 Euro
68.490 Euro
Die Serienausstattung ist allerdings umfangreich. Dazu gehören 19-Zoll-Alufelgen, LED-Licht, Fernlichtautomatik, elektrisch einstell-, beheiz- und anklappbare Außenspiegel, eine elektrisch betätigte Heckklappe, Parkpiepser vorne und hinten, eine Rückfahrkamera, teilelektrisch einstellbare Vordersitze, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, ein Infotainmentsystem mit Google Maps und Google Assistant, ein Audiosystem mit acht Lautsprechern und kabelloses Handy-Laden.

Innen hat der Polestar 2 ein 12,3 Zoll-Instrumentendisplay und einen senkrecht eingebauten 11,2-Zoll-Touchscreen
Konkurrenten
Zu den Rivalen gehören diverse Elektro-Limousinen, darunter 800-Volt-Neulinge wie der BMW i3 und die elektrische C-Klasse von Mercedes, aber auch altbekannte 400-Volt-Modelle wie das Tesla Model 3 oder der neue BMW i4. Gegenüber dem Tesla und dem Mercedes haben der Polestar und die beiden BMWs den praktischen Vorteil einer großen Heckklappe. Bei der Reichweite kann der Polestar 2 nur noch den BMW i4 (bis 613 km) überflügeln, die anderen Rivalen sind besser: Das Model 3 schafft nun bis zu 750 km, die C-Klasse bis zu 762 km und der BMW i3 sogar bis zu 912 km.
Beim i3 und der C-Klasse sind allerdings bisher nur Allradmodelle bekannt; deshalb vergleichen wir die unserer Ansicht nach attraktivste Version des Polestar 2 (Long Range Single Motor) mit dem BMW i4 und dem Tesla:
Polestar 2 LR SM
BMW i4 eDrive40
Tesla Model 3 Premium LR RWD
Antrieb
RWD 220 kW
RWD 250 kW
RWD 235 kW
0-100 km/h
6,2 Sek.
5,6 Sek.
5,2 Sek.
WLTP-Reichweite
659 km
613 km
750 km
Ladegeschwindigkeit
2,0 kWh/min
1,9 kWh/min
ca. 1,9 kWh/min (inoffiziell)
Reichweite-Nachladen
ca. 16,5 km/min
14,3 km/min
ca. 18,2 km/min
Kofferraum
405-1.095 Liter
(Frunk: 41 Liter)
470-1.290 Liter
425 Liter, davon 85 Liter Frunk
Preis
57.690 Euro
61.300 Euro
44.990 Euro
Man sieht, dass der Polestar preislich zwischen dem teureren BMW und dem wesentlich günstigeren Tesla liegt. Den Daten nach würden wir uns für das Model 3 entscheiden, doch gegen dieses sprechen der unpraktische Kofferraum und die arg monitorlastige Bedienung. Insofern spricht noch einiges für den Polestar 2. Ein weiterer neuer Rivale ist der elektrische Mercedes CLA. Gegen diesen sowie gegen die kommenden Heckantriebsvarianten des BMW i3 und der C-Klasse mit 800 Volt dürfte es das Modell schwer haben.
Test und Beurteilung
Wir haben den Polestar 2 bereits mehrfach gefahren; zuletzt haben wir im Herbst 2023 den Long Range Single Motor getestet. Dabei hat uns die starke Rekuperation beeindruckt. Diese lässt sich aber leider nur per Touchscreen einstellen – Lenkradwippen wären besser. Dafür kann man nicht nur die Bremswirkung einstellen, sondern separat davon auch noch den Kriechgang aktivieren oder deaktivieren.
Generell ist die Bedienung des Polestar 2 besonders einfach, was wohl auch dem Google-Betriebssystem zu verdanken ist. So ist die Sprachbedienung über Google Assistant einfach und sehr praktisch. Der Antrieb hält sich sehr im Hintergrund; das Auto ist eher ein Gleiter als ein Sportler. Zu den Schwächen gehören die Sitze, die in der Kurve wenig Seitenhalt gewähren.

Polestar 2 (2024): Der Kofferraum
Außerdem ist das Raumangebot eher mau; so könnten größere Erwachsene im Fond Probleme bekommen. Der Kofferraum ist wegen der großen Heckklappe zwar besser nutzbar als beim Model 3, aber das schräg abfallende Heck erschwert den Transport größerer Dinge.
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Unter dem Strich
Ordentliche Reichweite, gute Lademodalitäten, große Heckklappe, gute Ausstattung und sehr gute Bedienung: All das klingt positiv. Warum also verkauft sich der Polestar 2 so schlecht? Der recht hohe Preis dürfte eine Rolle spielen. BMW verlangt zwar noch mehr, hat aber das bessere Image. Tesla hat kein so gutes Image, verlangt aber auch viel weniger. Mitschuld am hohen Preis sind möglicherweise die EU-Zölle gegen in China gebaute Elektroautos wie den Polestar 2. Nun wurde die Produktion beendet. Der Nachfolger soll 800 Volt bekommen.
Letzte Änderung am 27. Oktober 2026: Produktionsende gemeldet.