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Infrastruktura

„Netzintegration aus der Praxis“ – Sebastian Ewert, LichtBlick eMobility

„Netzintegration aus der Praxis“ – Sebastian Ewert, LichtBlick eMobility

„Wir beschweren uns auf hohem Niveau, aber wir kommen so nicht weiter, wenn wir wirklich skalieren wollen.“ Mit dieser klaren Ansage eröffnete Sebastian Ewert, Managing Director eMobility bei LichtBlick eMobility, seinen Vortrag bei electrive LIVE. Unter dem Titel „Netzintegration aus der Praxis“ schilderte der Branchenexperte die alltäglichen Hürden beim Aufbau von Schnellladeinfrastruktur für E-Autos und E-Lkw.

Beim Aufbau von Schnellladeparks an Supermärkten oder Verkehrsknotenpunkten stößt LichtBlick regelmäßig auf administrative Blockaden. In Deutschland treffen Projektentwickler auf über 850 unterschiedliche Verteilnetzbetreiber. Diese Vielfalt führt zu massiver Fragmentierung, da oft grundlegende technische Vorgaben trotz identischer DIN-Normen und VDE-Anforderungen komplett unterschiedlich ausgelegt werden. Standardisierung ist in der Praxis bisher ein Fremdwort.

Zusätzlich stellen lange Bearbeitungszeiten und mangelnde Digitalisierung eine enorme Hürde dar. „Es gibt Netzbetreiber, die melden sich nach vier Wochen. Es gibt Netzbetreiber, die melden sich nach zehn Monaten nicht.“ Wenn Angebote vorliegen, beschränken sich die zugewiesenen Kapazitäten oft auf ein Minimum. Ewert berichtete von Fällen, in denen für einen geplanten Ladepark mit 800 kVA Bedarf lediglich 50 kW genehmigt wurden. Eine solche Unsicherheit erschwert die Refinanzierung von Investitionen im sechsstelligen Bereich erheblich.

LichtBlick setzt verstärkt auf Batteriespeicher

Um lange Wartezeiten auf Netzausbauten zu überbrücken und den Kunden dennoch hohe Ladeleistungen zu bieten, setzt LichtBlick mittlerweile verstärkt auf Batteriespeicher hinter dem Netzanschluss. Damit lässt sich auch an einem schwachen Niederspannungsanschluss ein attraktives Ladeangebot realisieren. Wenn der Netzbetreiber etwa nur 80 kW zur Verfügung stellt, kann die Leistung über den Speicher kurzzeitig auf über 400 kW angehoben werden. Das ermöglicht es den Fahrern, während eines kurzen Supermarkteinkaufs ausreichend Reichweite für die gesamte Woche nachzuladen.

Besonders im schweren Güterverkehr, für den LichtBlick zusammen mit Regioladen+ in Baden-Württemberg aktuell E-Lkw-Ladestationen aufbaut, führt an dieser Technologie kaum ein Weg vorbei. „Im Lkw-Bereich gehen wir davon aus, wird es keine Ladeparks geben ohne Batteriespeicher, weil einfach die Netzanschlüsse, wenn wir in den Megawatt-Bereich gehen, extrem teuer sind.“ Die Batterien ermöglichen zudem die Nutzung variabler Börsenstrompreise. Indem der Speicher bei niedrigen Marktpreisen geladen und zu Spitzenzeiten entladen wird, lassen sich die Betriebskosten deutlich senken.

Flexible Anschlüsse und Blick auf europäische Nachbarn

Eine weitere Option zur besseren Auslastung bestehender Netze bieten flexible Netzanschlussverträge. Hierbei wird die Einspeisung oder der Bezug dynamisch oder statisch gedrosselt, wenn Engpässe drohen. Viele Netzbetreiber hinken bei der praktischen Umsetzung jedoch hinterher, da die internen Systeme noch nicht für steuerbare Lasten ausgelegt sind.

Dass die Energiewende digital und unkompliziert funktionieren kann, zeigt ein Blick ins europäische Ausland. In den Niederlanden oder Slowenien ist der Rollout intelligenter Messsysteme nahezu abgeschlossen, während Deutschland den eigenen Ansprüchen hinterherhinkt. „Warum haben wir uns so intensiv in den letzten zehn Jahren in der Energiewirtschaft mit uns selbst beschäftigt und nicht mit dem, was wir eigentlich brauchen, um die Energiewende voranzutreiben?“

Anreize schaffen durch Durchleitung und dynamische Tarife

Damit der Hochlauf gelingt, fordert Ewert mehr Tempo bei der virtuellen Bilanzierung und Durchleitung von Grünstrom. Nur so lassen sich Preissignale direkt an die Ladesäule weitergeben und Verbraucher motivieren, netzdienlich zu laden. „Mit Speichern, smarter Steuerung und Durchleitung holen wir das Maximum aus den heutigen Netzen“, sagt der eMobility-Experte von LichtBlick. Wenn Politik, Netzbetreiber und Ladeinfrastrukturbetreiber an einem Strang ziehen, kann das vorhandene Netz deutlich effizienter genutzt werden.

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