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Megawatt-Laden: Alpitronic und Milence bündeln Kräfte

Megawatt-Laden: Alpitronic und Milence bündeln Kräfte

Alpitronic und Milence wollen gemeinsam Megawatt-Ladestationen für E-Lkw entlang europäischer Güterverkehrskorridore aufbauen. Auf der IAA Transportation luden Lkw von Daimler, MAN und Scania per MCS in einer Fahrerpause auf 80 Prozent oder voll.

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Der Südtiroler Ladesäulenhersteller Alpitronic und der Lkw-Ladenetzbetreiber Milence wollen beim Aufbau von Megawatt-Ladestationen für schwere Elektro-Lkw künftig enger zusammenarbeiten. Beide Unternehmen haben dazu ein Memorandum of Understanding unterzeichnet, das eine langfristige strategische Kooperation vorsieht. Bekanntgegeben wurde die Vereinbarung im Umfeld der IAA Transportation in Hannover, auf der Milence gemeinsam mit mehreren Lkw-Herstellern auch eine Vorführung des Megawatt Charging Systems (MCS) veranstaltete.

Ziel der Zusammenarbeit ist es, das Ladeangebot entlang der wichtigen europäischen Güterverkehrskorridore im gleichen Tempo auszubauen, in dem die Zahl der elektrischen Lkw wächst. Konkrete Standorte, Stückzahlen oder ein Investitionsvolumen nennen die Partner bislang nicht.

HYC1000 für Depot und Autobahn

Technische Grundlage ist das Ladesystem HYC1000 von Alpitronic. Es lässt sich mit unterschiedlichen Ausgabeeinheiten kombinieren: Über einen neuen Depot Dispenser können Nutzfahrzeuge auf dem Betriebshof geladen werden, etwa über Nacht. Mit einem MCS Dispenser gibt das System bis zu 1.000 kW an einem einzelnen Ladepunkt ab. Damit soll es sowohl für das Laden während der gesetzlich vorgeschriebenen Lenkzeitpausen von 30 bis 45 Minuten als auch für längere Standzeiten im Depot geeignet sein.

Alpitronic betont, dass öffentliches Laden unterwegs und privates Laden im Depot eng zusammenspielen müssten, damit Speditionen ihre E-Lkw wirtschaftlich planen können. Das 2009 gegründete Unternehmen gibt an, weltweit mehr als 125.000 Ladepunkte installiert zu haben, an denen bislang 223 Millionen Ladevorgänge stattgefunden haben sollen.

Als Argument für den Umstieg führen die Partner auch die zuletzt wieder stärker schwankenden Dieselpreise an. Wer elektrisch fährt, sei weniger von importierten fossilen Energieträgern und damit von Preisschwankungen abhängig, was Transportkosten besser kalkulierbar mache.

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MCS-Vorführung mit drei Lkw-Herstellern

Am Pressetag der IAA Transportation lud Milence gemeinsam mit Daimler Truck, MAN Truck & Bus und Scania Lkw der drei Hersteller per MCS. Nach Angaben der Beteiligten wurden die Batterien innerhalb einer regulären Fahrerpause von 30 bis 45 Minuten auf 80 Prozent oder vollständig geladen. Im Vordergrund stand dabei die Interoperabilität zwischen Fahrzeugen unterschiedlicher Marken und der Ladesäule.

Die Demo-Station bestand aus einem Alpitronic HYC1000 mit bis zu 1.000 kW Ladeleistung sowie einem Batteriespeicher vom Typ Pixii PowerBase XLP mit bis zu 1 MW Leistung und 2 MWh Kapazität. Die Kombination soll zeigen, wie Megawatt-Laden auch an Standorten mit begrenztem Netzanschluss umgesetzt werden kann.

MAN rüstet MCS nach eigenen Angaben seit Juli serienmäßig für Kunden aus, die die Technik frühzeitig nutzen wollen. Mit dem eTGX seien so Tagesstrecken von über 1.000 Kilometern bei gleicher Arbeitszeit wie mit einem Diesel-Lkw möglich. Mercedes-Benz Trucks verweist auf den eActros 600 als Beleg für die Praxistauglichkeit im Fernverkehr. Scania nennt 1.000 Ampere und 750 kW als derzeitige Ausgangsbasis des Standards und sieht Potenzial, künftig über 3 MW hinauszugehen. Zudem erfülle man bereits die neuesten Anforderungen an die Cybersicherheit zwischen Fahrzeug und Ladesäule.

Ausbau des Ladenetzes als Engpass

Milence, ein Gemeinschaftsunternehmen aus dem Umfeld der Lkw-Industrie, betreibt aktuell knapp 40 Ladeparks in neun Märkten. Bis Ende 2027 soll das Netz auf 70 Standorte wachsen, mehr als die Hälfte davon mit MCS-Technik. Langfristig will das Unternehmen Ladeparks entlang aller wichtigen TEN-T-Korridore in Europa aufbauen und konzentriert sich zunächst auf 15 Märkte.

Wie groß die Lücke noch ist, machte der Verband der Automobilindustrie (VDA) deutlich. Geschäftsführer Jürgen Mindel bezifferte den Bedarf bis 2030 auf rund 35.000 öffentlich zugängliche MCS-Ladepunkte in Europa. Derzeit gebe es in der gesamten EU lediglich 730 Ladestationen mit mehr als 350 kW, die ausschließlich für schwere Nutzfahrzeuge vorgesehen sind. Der VDA fordert daher, dem Ausbau von Ladestationen und Stromnetz politisch oberste Priorität einzuräumen. Auch Milence-Chefin Anja van Niersen sieht die Technik als einsatzbereit an und fordert, den Ausbau entlang der Güterverkehrskorridore deutlich zu beschleunigen.

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