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MAN eTGX: Neue Generation mit 720 km Reichweite enthüllt

MAN eTGX: Neue Generation mit 720 km Reichweite enthüllt

MAN präsentiert den neuen MAN eTGX, der mit verbesserter Aerodynamik, höherer Rekuperation sowie einer neuen Batteriegeneration seine Reichweite deutlich verbessert. Zudem auf der IAA Transportation zu sehen: Eine Elektroversion des Transporters TGE, die zusammen mit dem Entwicklungspartner Flux entstanden ist.

Neue Generation des MAN eTGX

Bild: MAN

Gleich 15 Pressemitteilungen hat der Münchner Nutzfahrzeughersteller zur IAA Transportation (15. bis 20. September in Hannover) veröffentlicht. Doch eine sticht besonders hervor, nämlich die zum MAN eTGX: Bereits knapp zwei Jahre nach der ersten Kundenauslieferung des vollelektrischen Fernstrecken-Lkw im Porsche-Werk Leipzig hat MAN das Modell nun überarbeitet.

Neben vielen anderen Neuerungen ist die gestiegene Reichweite spannend – dank einer besseren Aerodynamik und vor allem einer neuen Batteriegeneration. Denn hatte der MAN eTGX als Sattelschlepper bislang maximal sechs Batteriepacks mit je 89 kWh brutto und 80 kWh netto an Bord – also in Summe maximal 534 kWh brutto bzw. 480 kW netto -, so steigen die Speicherkapazitäten nun mit der neuen Batteriegeneration: Im neuen MAN eTGX können nun 92 kWh brutto und 88 kWh netto pro Pack gespeichert bzw. genutzt werden. Verhältnismäßig gibt MAN also bedeutend mehr netto vom brutto frei, und zwar nun rund 95 Prozent. Dabei bleibt es bei der NMC-Zellchemie und MAN montiert die Batterien weiter selbst in seinem Werk in Nürnberg. Zudem wichtig: Die Packgröße ändert sich nicht.

Außerdem kann nun auch im Sattelschlepper ein siebtes Batteriepack untergebracht werden, was vorher nur im Fahrgestell möglich war. Allerdings ist das beim MAN eTGX nur mit einer 6×2-Achsformel der Sattelzugmaschine (sechs Räder, davon zwei angetrieben) möglich. Bis zu sechs Packs sind weiter auch mit einer 4×2-Sattelmaschine möglich (vier Räder, davon zwei angetrieben). Dass bei der schwersten Batteriekonfiguration mit sieben Batteriepacks nun drei Achsen gebraucht werden, hängt mit der Platzierung des siebten (flacheren) Packs direkt hinter dem Fahrerhaus sowie Nutz- und Achslastanforderungen zusammen.

MAN eTGX mit bis zu 616 kWh Netto-Batteriekapazität

Das neue Setup bei den Batterien führt zu höheren Reichweiten. Die neue MAN eTGX 6×2-Sattelzugmaschine mit 644 kWh brutto / 616 kWh netto Batteriekapazität schafft laut Hersteller eine Reichweite von bis zu 720 Kilometern, wobei „über 600 Kilometer typische Reichweite unter alltäglichen Fernverkehrsbedingungen realistisch realisierbar“ sind, so MAN. Damit übertrumpft der MAN eTGX mit seiner Maximalreichweite sogar den vor wenigen Wochen vorgestellten neuen Volvo FH Aero Electric 6×2, bei dem der Hersteller 700 Kilometer angibt und der seitdem als europäischer Reichweiten-Champion unter den E-Lkw gilt.

Bei anderen Konfigurationen gibt es ebenfalls ein Reichweitenplus: Bei der typischen 4×2-Sattelzugmaschine des MAN eTGX sprach das Unternehmen bei der ersten Generation zur Premiere von einer Alltagsreichweite von 500 Kilometern, in den Spezifikationen war später von bis zu 570 Kilometern (wohl unter Idealbedingungen) die Rede. Nun geht es in der neuen Generation deutlich rauf: Beim 4×2-Sattelschlepper mit sechs Batterien und 552 kWh brutto / 528 kWh netto Gesamtkapazität steigt die Reichweite auf bis zu 660 Kilometer, wobei es „weit über 500 Kilometer unter realen Bedingungen im typischen Fernverkehrseinsatz“ sein sollen.

Image 2: Blick in Schlafkabine des MAN eTGX

Soviel also zu den Neuerungen bei den Batterien. Das Reichweitenplus des MAN eTGX wird aber nicht nur dadurch möglich, sondern auch durch eine um bis zu 20 Prozent verbesserte Rekuperation sowie durch ein verbessertes Design. Dazu zählt eine um 120 Millimeter nach vorne gezogenen Fahrzeugfront, mit der MAN die EU-Längenvorgaben für Zero-Emission-Fahrzeuge zur Optimierung von Aerodynamik und Sicherheit laut eigenen Angaben effizient nutzt.

Die nochmals größere Batterie macht sich bei der nun reichweitenstärksten Version des eTGX unterdessen beim Leergewicht bemerkbar: MAN nennt auf Nachfrage am Messestand 12,7 Tonnen – gegenüber 10,6 Tonnen beim eTGX mit sechs Batteriepacks. Die Nutzlast variiert entsprechend ebenfalls: Beim schweren eTGX bleiben unter Berücksichtigung eines Standard-Aufliegers und eines zulässigen Gesamtgewicht von 42 Tonnen grob 22,5 bis 23 Tonnen für den Warentransport. Beim eTGX mit sechs Packs sind es rund zwei Tonnen mehr.

Großer Schritt für den Fernverkehr

Den Bestellstart für die überarbeiteten E-Lkw sieht MAN für April kommendes Jahr vor. Die ersten Auslieferungen für den Spätsommer 2027. „Mit dem neuen MAN eTGX machen wir den nächsten großen Schritt auf dem Weg zur Dekarbonisierung des Fernverkehrs. Die Kombination aus neuer Batteriegeneration, nochmals höherer Reichweite, Megawatt-Laden und einem konsequent auf Effizienz ausgelegten Fahrzeugdesign schafft für unsere Kunden einen spürbaren wirtschaftlichen Mehrwert im täglichen Einsatz. Zugleich verbessern wir die direkte Sicht und damit die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer“, sagt Alexander Vlaskamp, Vorsitzender des Vorstands von MAN Truck & Bus.

Mit Megawatt-Laden meint Vlaskamp, dass das Unternehmen den eTGX – auch in seiner bisherigen Generation – seit Juli serienmäßig mit MCS-Anschlüssen anbietet. Dadurch wird eine Ladeleistung von 750 kW möglich, während der eTGX mit normalen CCS-Anschlüssen mit 375 kW lädt.

Seriennaher E-Transporter TGE electrified vorgestellt

Kommen wir vom oberen zum unteren Ende des MAN-Portfolios: Auf der IAA Transportation zeigt die Marke aus dem Traton-Konzern auch zwei seriennahe

Innovationsfahrzeuge, die mit dem Entwicklungspartner Flux aus der Schweiz elektrifiziert wurden. Beide basieren auf dem bislang nur mit Verbrennungsmotoren erhältlichen Transporter TGE, ein Schwestermodell des Crafter von Traton-Mutter Volkswagen.

Gemeinsam mit Flux wurden beide Fahrzeuge für spezialisierte Einsatzbereiche entwickelt, die unter anderem ein höheres Fahrzeuggesamtgewicht, Allradantrieb und elektrische Nebenabtriebe benötigen. Dazu zählen unter anderem Rettungsdienste, Feuerwehren sowie kommunale Betriebe, die bisher nur eingeschränkt elektrifiziert werden konnten.

Image 3: MAN TGE electrified by Flux

Die beiden in Hannover gezeigten Fahrzeuge verfügen über ein zulässiges Gesamtgewicht von 4,0 beziehungsweise 5,5 Tonnen. Damit bieten sie eine Nutzlast von bis zu 2.500 Kilogramm (beim 5,5-Tonner) sowie eine Anhängelast von maximal 3.500 Kilogramm. Die installierte Batterie mit 119 kWh Bruttokapazität ermöglicht Reichweiten von bis zu 480 Kilometern sowie DC-Laden mit bis zu 140 kW. Dadurch ist ein Schnellladevorgang von 10 bis 80 Prozent in unter 30 Minuten möglich.

„Die Präsentation auf der IAA Transportation zeigt, wie wir die Elektrifizierung auch für besonders anspruchsvolle Transport- und Spezialanwendungen vorantreiben. Unser Ziel ist es, Kunden praxistaugliche Lösungen mit hoher Einsatzfähigkeit anzubieten. Gemeinsam mit unserem Entwicklungspartner

Flux gewinnen wir wichtige Erkenntnisse aus dem direkten Austausch mit

Kunden“, fasst Daniel Holbein, Head of Business Unit Van bei MAN,

zusammen.

Parallel arbeitet MAN bereits mit Volkswagen Nutzfahrzeuge an der

nächsten Generation des MAN eTGE, der 2024 eingestellt wurde. Die Zusammenarbeit mit Volkswagen Nutzfahrzeuge bleibt über alle Antriebsarten hinweg zentraler Bestandteil der Produktentwicklung des TGE, heißt es von MAN. Doch ein neuer MAN eTGE dürfte genau wie der neue Volkswagen e-Crafter wohl erst 2028 kommen.