Natrag na novosti
Infrastruktura

Lkw-Schnellladenetz: 836 Ladepunkte an 124 Rastanlagen

Lkw-Schnellladenetz: 836 Ladepunkte an 124 Rastanlagen

An 124 unbewirtschafteten Autobahn-Rastanlagen entstehen 836 Ladepunkte für E-Lkw, 447 davon mit Megawatt-Laden. Insgesamt plant der Bund rund 4.200 Ladepunkte an etwa 350 Standorten und stellt dafür rund eine Milliarde Euro bereit.

Anzeige

Das geplante bundesweite Schnellladenetz für elektrische Lkw an den Autobahnen geht von der Planung in die Umsetzung. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (BMV) hat dies auf der IAA Transportation in Hannover bekanntgegeben. Mit ihm auf der Bühne standen VDA-Präsidentin Hildegard Müller und Prof. Dr. Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL). Der Bund stellt für das Vorhaben rund eine Milliarde Euro bereit.

Erste Phase: 836 Ladepunkte an unbewirtschafteten Rastanlagen

Im ersten Schritt werden 124 unbewirtschaftete Rastanlagen mit Schnellladesäulen für E-Lkw ausgestattet. Die Aufträge für Aufbau und Betrieb wurden bereits im Sommer vergeben. Insgesamt fünf Unternehmen haben den Zuschlag erhalten, ihre Namen nennt die Mitteilung des Ministeriums allerdings nicht. Auch Angaben zu den Herstellern der Ladetechnik fehlen bislang.

Nach Angaben von Dirk Brandenburger, Geschäftsführer Technik der Autobahn GmbH des Bundes, sollen an diesen 124 Standorten zusammen 836 Ladepunkte entstehen. 447 davon sind für das Megawatt-Laden nach dem MCS-Standard (Megawatt Charging System) vorgesehen, die übrigen dürften auf den CCS-Standard entfallen. Im Schnitt ergeben sich damit knapp sieben Ladepunkte pro Rastanlage. Konkrete Ladeleistungen pro Ladepunkt werden nicht genannt.

Mit der Beantragung der Netzanschlüsse hat die Autobahn GmbH nach eigener Aussage bereits 2024 begonnen. Das ist relevant, weil gerade die Anschlussleistung an abgelegenen Rastplätzen häufig der Engpass beim Aufbau leistungsstarker Ladepunkte ist. Die Auftragnehmer beginnen nun mit den standortspezifischen Planungen, bevor die eigentliche Errichtung folgt. Einen Zeitplan für die Inbetriebnahme der ersten Standorte nennt das Ministerium nicht.

Anzeige

Gesamtnetz: Rund 4.200 Ladepunkte an etwa 350 Standorten

Das vollständige Netz soll nach aktuellem Planungsstand rund 350 Standorte auf bundeseigenen Flächen entlang der Autobahnen umfassen. Davon entfallen etwa 225 auf bewirtschaftete Rastanlagen, also solche mit Tankstelle oder Raststätte, und 124 auf die nun beauftragten unbewirtschafteten Anlagen. Die Ausschreibung für die bewirtschafteten Rastanlagen befindet sich noch in Vorbereitung.

Angestrebt werden insgesamt rund 1.800 MCS-Ladepunkte und etwa 2.400 CCS-Ladepunkte, zusammen also rund 4.200. Die Ladepunkte sollen sowohl kurze Zwischenstopps während der vorgeschriebenen Fahrtunterbrechungen abdecken als auch das Laden über Nacht während längerer Ruhezeiten ermöglichen. Die Standortplanung stammt vom BMV gemeinsam mit der Autobahn GmbH und der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur bei der NOW GmbH. Grundlage sind nach Angaben der Beteiligten Verkehrs- und Bedarfsmodellierungen zum künftigen elektrischen Schwerlastverkehr.

Branche drängt auf schnelle Umsetzung

Die Industrie begrüßt den Schritt, verbindet ihn aber mit deutlichen Forderungen. VDA-Präsidentin Müller bezeichnete fehlende öffentliche Lademöglichkeiten als aktuelles Hemmnis für den Absatz von E-Lkw. Da die Nachfrage deshalb stocke, drohten den Herstellern trotz verfügbarer Elektromodelle Strafzahlungen im Rahmen der europäischen CO₂-Flottenregulierung für schwere Nutzfahrzeuge. Entscheidend sei nun, dass die Ladepunkte zügig verfügbar werden.

BGL-Vorstandssprecher Engelhardt nannte die geplanten Ladepunkte einen „wichtigen Anfang“. Transportunternehmen bräuchten die Gewissheit, ihre Fahrzeuge im Alltag ohne lange Wartezeiten laden zu können. Ladepunkte, leistungsfähige Netzanschlüsse und der tatsächliche Bedarf müssten zusammen gedacht werden. Darüber hinaus fordert der Verband eine Fortführung der Förderung für betriebliche Ladepunkte in Depots, praxistaugliche Regeln zur Mehrgewichtskompensation für schwerere E-Lkw sowie eine verlässliche Finanzierung.

Dagmar Fehler, Geschäftsführerin der NOW GmbH, verwies darauf, dass die jetzt getroffenen Entscheidungen in wenigen Jahren maßgeblich bestimmen würden, wie zuverlässig elektrischer Güterverkehr in Deutschland funktioniere.

Anzeige