Kühltechnik-Experte EBM-Papst wird an US-Konzern Madison Air verkauft

Der Ventilatoren- und Antriebsspezialist EBM-Papst soll an den US-Konzern Madison Air gehen – für knapp 4,8 Milliarden Euro. Mit der Übernahme will das Unternehmen unter anderem sein Geschäft in Nordamerika ausbauen. EBM-Papst liefert Teile für das boomende Geschäft mit der Kühlung von KI-Rechenzentren, aber auch Lüfter und Pumpenantriebe für HPC-Ladesäulen.
Das Familienunternehmen EBM-Papst aus dem baden-württembergischen Mulfingen bekommt einen neuen Eigentümer. Nach Berichten des Handelsblatts wird das Unternehmen im Zuge der Transaktion mit 5,1 Milliarden Euro bewertet, der Nettoverkaufspreis beträgt 4,8 Milliarden Euro. Die Übernahme steht noch unter dem Vorbehalt der behördlichen Genehmigungen und soll bis Ende 2026 abgeschlossen werden.
EBM-Papst erhofft sich von Madison Air vor allem einen besseren Zugang zum US-Markt. Dort steigt unter anderem durch den Ausbau von Rechenzentren und KI-Infrastruktur die Nachfrage nach Lösungen zur Kühlung. Im vergangenen Geschäftsjahr wuchs der US-Umsatz von EBM-Papst um 25 Prozent auf 424 Millionen Euro. Die Kapazitäten des Werks in Telford im US-Bundesstaat Tennessee sollen verdoppelt werden. Madison Air erzielt bislang rund 95 Prozent seines Umsatzes in Nordamerika und kann mit der Übernahme seine Präsenz in Europa und Asien ausbauen. Das Unternehmen produziert unter anderem Lüftungstechnik für Rechenzentren und Reinräume und ist bereits Kunde von EBM-Papst.
Kühlung ist auch das Thema, wofür EBM-Papst in der Elektromobilität bekannt ist. Kompaktelement-Lüfter und Pumpenantriebe für das komplexe thermische Management von High-Power-Charging-Ladesäulen (HPC) gehören schon länger zum Portfolio. Ob das auch so bleibt, wird sich zeigen.
Die Schwaben beschäftigen weltweit mehr als 13.000 Menschen, davon rund 5.800 in Deutschland. Im Ende März abgeschlossenen Geschäftsjahr stieg der Umsatz um sechs Prozent auf rund 2,24 Milliarden Euro. Für 2029 hat sich EBM-Papst einen Umsatz von 3,4 Mrd. Euro vorgenommen. Mit Madison Air könne dieses Ziel früher erreicht werden, erklärte Geschäftsführer Klaus Geißdörfer.
In den vergangenen Jahren hatte sich EBM-Papst stärker auf Wachstumsfelder wie Rechenzentren, Wärmepumpen sowie Kälte- und Klimatechnik konzentriert. Gleichzeitig zog sich das Unternehmen aus Teilen des Geschäfts mit Pkw-Herstellern und Hausgeräteproduzenten zurück. Der Hauptsitz von EBM-Papst soll auch nach der Übernahme in Mulfingen bleiben. Finanziert wird die Transaktion mit Eigen- und Fremdkapital. Sollte die Übernahme scheitern, ist laut Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC eine Entschädigung von 250 Millionen Euro für die bisherigen Eigentümer vorgesehen. Damit geht ein weiterer großer deutscher Klimatechnik-Spezialist an einen US-Konzern. Anfang 2024 hatte Viessmann sein Klima- und Wärmepumpengeschäft für rund zwölf Milliarden Euro an Carrier Global verkauft.