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IAA Transportation: Unsere Vorschau zu den E-Lkw-Neuheiten der Messe

IAA Transportation: Unsere Vorschau zu den E-Lkw-Neuheiten der Messe

Der IAA Transportation eilt der Ruf voraus, die wichtigste Fachmesse für Logistik zu sein – in Europa sowieso, global wahrscheinlich auch. Seit Monaten bereiten sich Hersteller weltweit auf die diesjährige Ausgabe vom 15. bis 20. September in Hannover vor. Und es wird voll: Die Organisatoren der IAA geben an, dass die Messe ausgebucht ist. Schon 2024 war das Interesse groß. Dieses Jahr wird die Hallenbelegung nochmals dichter.

Bemerkenswert: Bei rund einem Drittel der Aussteller handelt es sich um Erstanmeldungen (2024 war es noch ein Viertel). Und die IAA bleibt sehr international: Der Auslandsanteil liegt den Messe-Initiatoren zufolge bei 70 Prozent – und damit auf ähnlich hohem Niveau wie 2024. Das Land mit den meisten internationalen Ausstellern ist dabei China, gefolgt von der Türkei und Italien. Die Veranstalter werten dies als Beweis dafür, wie bedeutend der europäische Markt im Technologie-Wettbewerb ist.

Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), hat die Gesprächsthemen für den Messe-Talk an den Ständen unterdessen bereits gesetzt. Auf einer Pressekonferenz der IAA-Veranstalter skizzierte sie diese Woche die Herausforderungen der Branche, beschwörte die Innovationskraft der einheimischen Hersteller und erinnerte Brüssel und Berlin an ihre politische Verantwortung, um den Hochlauf alternativ angetriebener Nutzfahrzeuge möglich zu machen. „Die Nutzfahrzeugindustrie ist eine Macherbranche. Sie und die vielen Menschen, die in der Logistik arbeiten, halten unser Land am Laufen“, betonte Müller – und verspricht: „Die IAA Transportation wird eindrucksvoll die Dynamik unserer Branche zeigen. Es wird wieder eine Leistungsschau der Innovationen.“

Großes Branchentreffen auf der IAA Transportation

Ein zentraler Bestandteil der Messe sind dabei erneut die Zulieferbetriebe und Aufbautenhersteller: Mit über 750 Ausstellern bilden die Zulieferer das Rückgrat der Veranstaltung. Nahezu jeder zweite Stand kommt aus diesem Bereich. Die Aufbauten-Spezialisten stellen mit 240 Anbietern die zweitgrößte Gruppe. Erst dann folgen die OEMs. Schon angekündigt sind während der knapp einwöchigen Messe gut 150 Weltpremieren und Neuheiten. Und die Veranstalter betonen im Vorfeld, dass neben digitalen und klimaneutralen Mobilitätslösungen dieses Jahr auch das autonome Fahren schon deutlich mehr Raum einnimmt. Generell gilt, dass die IAA näher an die Straße rücken soll: Die buchbaren Slots für Fahrtests werden in diesem Zuge ausgeweitet: „Auf dem Messegelände und im öffentlichen Straßenverkehr stehen 84 Fahrzeuge von 17 Ausstellern für Probefahrten bereit – 40 Prozent mehr als 2024“, werben die Veranstalter. Erstmals gibt es auf dem Messegelände vor diesem Hintergrund gleich drei Abfahrtspunkte.

Auch in unserer IAA-Vorschau spielt gleich zu Beginn eine Testfahrt der besonderen Art eine Rolle – eine, die um die ganze Welt führt. Kurz erwähnt sei zuvor aber noch, dass unsere Auflistung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Das Verzeichnis aller Aussteller gibt es auf der IAA-Homepage.

Was die alteingesessenen Hersteller bieten

Jetzt aber los: Bei Daimler Truck (Halle 19, Stand A41) steht die zweite Elektro-Lkw-Generation im Rampenlicht, im Einzelnen der eActros 600 und der neue eActros 400. Beide sind schon eine Weile auf dem Markt. Als echte Neuheit zeigen die Stuttgarter in Hannover den eActros Lowliner, einen speziell für die Automotive-Logistik wichtigen Ableger des 600ers. Die Bestellung sollen ab dem dritten Quartal 2026 möglich sein, die ersten Einheiten ab dem zweiten Quartal 2027 vom Band laufen. Und Daimler Truck kündigt auch einen Auftritt seines Wasserstoff-Lkw NextGenH2 Truck im Messe-Rampenlicht an. Als Erstkunde wird im Dezember bekanntlich Dachser in Deutschland ein Kleinserien-Exemplar einsetzen. Grundsätzlich werden ab Ende dieses Jahres sukzessive 100 Einheiten des NextGenH2 Truck in den Kundeneinsatz gehen.

Daimler truck mercedes benz eactros lowliner

Viel Aufmerksamkeit erhofft sich der Konzern zudem von einer Kooperation mit Content Creator Tobias Wagner, auf diversen Plattformen als „Elektrotrucker“ bekannt: Wagner wird wie berichtet am 20. September mit einem modifizierten eActros 600 von der IAA aus zu einer Weltumrundung aufbrechen. Das Motto des großen Praxistests: In 80 Ladungen um die Welt. Hier haben wir also unseren angesprochenen Fahrtest der umfassenden Sorte.

Unmittelbar vor Veröffentlichung dieser IAA-Vorschau übermittel Daimler Truck uns zudem, dass ein Kreis von Branchen-Akteuren einen groß angelegten Vorstoß zum Aufbau eines vollständig integrierten Wasserstoff-Ökosystems im schweren Straßengüterverkehr wagen will. Die konzertierte Aktion soll am 15. September auf der Messe näher vorgestellt werden. Spruchreif ist aber schon, wer mitmacht: Neben Daimler Truck sind dies die Volvo Group, Toyota, Bosch, Air Liquide, TotalEnergies, TEAL Mobility und MB Energy. Dies aber nur am Rande.

Bei MAN (Halle 11, Stand D08), dem zweiten großen deutschen Nutzfahrzeug-Hersteller, tummelt sich die inzwischen vervollständigte E-Lkw-Familie von 12 bis 50 Tonnen Gesamtgewicht. Sprich: MAN hat neben dem eTGL, eTGS und eTGX auch den 16-Tonner eTGM dabei, der im Mai in Mailand Weltpremiere feierte und nun auch dem hiesigen Publikum vorgestellt wird. Am Stand der Münchner gibt es zudem vertiefende Info-Angebote zum E-Mobilitäts-Ökosystem und einen Ausblick auf neue Anwendungen wie bidirektionales Laden oder das Depot-Laden ohne leistungsfähige Netzanschlüsse.

Nur ein paar Meter weiter glänzt Volvo Trucks (Halle 11, Stand D09) mit seiner zweiten E-Truck-Generation. Im Mittelpunkt: das neue Elektro-Flaggschiff Volvo FH Aero Electric mit erweiterter Reichweite von bis zu 700 Kilometern, das ab Anfang September gebaut werden soll. Flankiert wird das Modell vor Ort von E-Lkw des Typs Volvo FH, FM und FL Electric. Und auch ein Brennstoffzellen-Truck aus der Volvo-Entwicklung gesellt sich hinzu. Kurios: Ebenfalls am Stand haben die Schweden mit dem Volvo VNL einen Verbrenner für den nordamerikanischen Markt, der mit seiner US-typischen langen Schnauze auffällt.

Konzernschwester Renault Trucks (Halle 21, Stand B52) rollt unter Rückgriff auf denselben Technik-Baukasten ebenfalls seine zweite E-Lkw-Generation aus und rückt auf der IAA als Elektro-Hauptakteur den Renault Trucks E-Tech T 780 für den Fernverkehr ins Rampenlicht. Zu begutachten sein wird aber auch der überarbeitete E-Tech T 540 und der kleinere Renault Trucks E-Tech D14T. Außerdem kündigen die Franzosen an, dass bei Aufbau-Hersteller Junge ein Renault Trucks E-Tech D 16T mit Schiebeplane und Hubdach zu sehen sein wird.

Renault trucks e tech t

E-Lkw aus der Türkei erstmals zu sehen

Was noch? Auch Ford Trucks (Halle 21, Stand C02), die Marke für schwere Nutzfahrzeuge von Ford Otosan, bringt erstmals einen XXL-Stromer mit nach Hannover: Den F-Line E hatte der Hersteller im November 2025 erstmals in Lyon präsentiert – und zeigt seinen ersten Aufschlag in der elektrischen 19- und 26-Tonnen-Klasse nun auch dem Messepublikum in Deutschland.

Bei Scania (Halle 12, Stand C60) und DAF (Halle 21, Stand B31) gibt es noch keine dezidierten Informationen zum Elektro-Aufgebot am Messestand. Bei Scania ist aber schon klar, dass mindestens vier E-Lkw auf dem Außengelände bzw. bei den Test Drives zur Verfügung stehen, darunter der Scania BEV 40 R, der BEV 36 R XT und der BEV 30 P Dachdeckerkran. Der niederländische Hersteller DAF dürfte ebenfalls Trucks aus seiner Elektro-Familie mitbringen, die vom kleineren DAF XB electric bis zum ausgewachsenen XG electric reicht. DAF stellt mit dem XD und XF zudem den amtierenden „International Truck of the Year 2026“.

Gänzlich fern bleibt der Messe übrigens Iveco. Die Norditaliener waren vor zwei Jahren u.a. mit dem S-eWay vor Ort. Dieses Jahr haben sie ihre Teilnahme abgesagt.

Tesla will auf der IAA Transportation auffallen

Weiter geht’s mit Tesla (Halle 12, Stand B01): Der US-Elektroautobauer war vor zwei Jahren schon einmal mit seinem E-Lkw Semi bei der IAA Transportation. Dieses Jahr wird es ein Revival geben, doch diesmal mit griffigen Daten: Tesla verspricht, sich anlässlich der Messe zum Marktstart in Europa zu äußern – und das Datenblatt mitzubringen. Neben dem Messestand hat sich Tesla mit dem Semi auch bei den Test Drives angemeldet – Abfahrt: an Halle 14/15, TD07.

Zudem werben auf der Messe eine ganze Reihe von OEMs aus China um Aufmerksamkeit für ihren Marktstart in Deutschland und Europa. Allen voran Sany (Halle 12 Stand C40): Der Hersteller, der bei uns unter dem Namen Sany eTrucks supported by Putzmeister auftritt, wird im Scheinwerferlicht der Messe seine E-Sattelzugmaschine e263 vorstellen. Den Lieferauftakt in Deutschland hatte Sany im Juni vermeldet. Für die IAA Transportation kündigte der China-Hersteller zu diesem Zeitpunkt schon einmal an, auf der Messe „groß mit neuen Modellen und einem Ausblick für 2027“ aufzufahren. Auf seiner Webseite hat Sany für den hiesigen Markt inzwischen auch elektrische Drei- und Vierachser aufgeführt. Es gilt als gesetzt, dass diese ebenfalls in Hannover zu sehen sein werden: Die Sany-Verantwortlichen geben an, insgesamt vier E-Lkw-Modelle mitzubringen.

E lkw sany e

Chinesische Akteure drängen ins Rampenlicht

Mit Sinotruk (Halle 19/20, Stand A10) und SuperPanther (Halle 12 Stand D46) präsentieren sich zudem zwei Hersteller, die bereits angefangen haben, ihre E-Trucks bei Steyr Automotive im österreichischen Steyr zu fertigen. China-OEM Skyworth Auto (Halle 21, B32) wird zudem als Herzstück seines Auftritts das Tuch vom schweren E-Lkw Skyworth Z9 ziehen, der u.a. mit Autonomielevel 4 aufwarten soll. Weitere China-Marken, die uns auf der IAA begegnen werden, sind FAW Trucks, Dongfeng, Foton, die Geely-Tochter Farizon, Wisdom Motor oder DeepWay. Seitens der Zulieferer wird vor allem der Stand von CATL (Halle 19/29, Stand B36) interessant: Der chinesische Batterie-Gigant will auf der IAA seine für Nutzfahrzeuge angepassten Akku-Neuheiten zeigen.

Seitens deutscher und europäischer Zulieferer sind für die IAA auch schon einige Schlüsselkomponenten und Neuheiten angekündigt. Hier einige Beispiele:

Bosch (Halle 19/29, Stand A31) zeigt seine neue Rigid eAxle, die Kernkomponenten des elektrischen Antriebsstrangs wie E-Motor und Getriebe in einer Starrachse für Nutzfahrzeuge von 18 bis 49 Tonnen vereint. Ebenfalls am Stand zu sehen sind Boschs neues Hochvolt-Gebläsemodul für 800-Volt-Architekturen sowie Brennstoffzellen-Systeme für Busse und Lkw, die ein Leistungsspektrum von 100 bis 300 Kilowatt abdecken.

ZF (Halle 21, Stand B42) zeigt seinen Antrieb TraXon 2 Hybrid, der für Vollhybrid- und Plug-in-Hybrid-Architekturen ausgelegt ist. Daneben konzentriert sich der Zulieferer ebenso wie Bosch viel auf Software und vernetzte Systemintelligenz.

Mahle (Halle 11, Stand D07) stellt auf der IAA unter anderem ein neues Range-Extender-System für schwere Lkw vor. Es kann in Batterie-elektrische Trucks eingebaut werden und diese so gewissermaßen zu Plug-in-Hybriden machen. Der Range-Extender besteht dabei aus einem Hochvoltgenerator in Kombination mit einem kompakten Verbrennungsmotor.

Mit Blick auf E-Trailer präsentiert sich das Aachener Unternehmen Trailer Dynamics dieses Jahr gemeinsam im Verbund der Krone Nutzfahrzeug Gruppe (Halle 27, Stand C40).

Das britische Startup Advanced Electric Machines (Halle 27, Stand F41) hat sich auf E-Motoren ohne seltene Erden spezialisiert – und enthüllt das 3D-Modell seines größten und Drehmoment-stärksten Motors, der kommendes Jahr als Muster für Heavy-Duty-Anwendungen verfügbar sein soll.

Das Startup Munich Electrification (Halle 19/20, Stand D42) präsentiert eine innovative Batterie-Trennvorrichtung für Hochspannungssysteme in Nutzfahrzeugen. Anders als die aktuell genutzten mechanischen oder pyrotechnischen Sicherungen basiert die Lösung der Münchner auf einer Chip-Schaltung.

TeslaFordGMVolvoRenaultToyotarangekilowattEVBEVhybridplug-in

Izvor: electrive.net