Hyundai Mobis nimmt E-Antriebswerk in der Slowakei in Betrieb

Hyundai Mobis hat in der Slowakei sein erstes europäisches Werk für elektrische Antriebssysteme eröffnet. In Novaky können jährlich bis zu 280.000 Einheiten produziert werden.
Der südkoreanische Automobilzulieferer Hyundai Mobis hat die Serienproduktion von elektrischen Antriebssystemen im slowakischen Novaky aufgenommen. Es handelt sich nach Unternehmensangaben um das erste europäische Werk des Zulieferers für sogenannte PE-Systeme (Power Electric Systems). Diese integrieren Elektromotor, Inverter und Untersetzungsgetriebe zu einer Antriebseinheit.
Die neue Anlage verfügt unter anderem über Produktionslinien für Statoren als Kernkomponente des Elektromotors sowie für Inverter und weitere Bauteile. Die maximale Jahreskapazität beziffert Hyundai Mobis auf 280.000 PE-Systeme. Wie hoch die Produktion zum Start tatsächlich ausfällt und wann die volle Kapazität erreicht werden soll, teilt der Zulieferer nicht mit. Für die Produktionskapazitäten in Novaky hat Hyundai Mobis nach eigenen Angaben rund 250 Milliarden Won (umgerechnet rund 158 Millionen Euro) investiert. Das Gelände umfasst rund 106.000 Quadratmeter, die Gesamtgeschossfläche der Anlage beträgt 8.500 Quadratmeter.
Dabei fällt im Vergleich zur ursprünglichen Ankündigung eine Änderung auf. Als Hyundai Mobis im Oktober 2024 die Investitionsvereinbarung mit der slowakischen Regierung bekannt gab, war noch eine Jahreskapazität von 300.000 PE-Systemen vorgesehen. Zur Eröffnung nennt das Unternehmen nun bis zu 280.000 Einheiten. Die Investitionssumme für die Antriebsfertigung entspricht dagegen mit 250 Milliarden Won der damaligen Planung. Warum die vorgesehene Kapazität inzwischen niedriger ausfällt, erläutert Hyundai Mobis nicht.
Hyundai Mobis baut eigenes E-Antriebsgeschäft aus
Die Eröffnung fällt in eine Phase, in der Hyundai Mobis sein Angebot eigener elektrischer Antriebssysteme erweitert. Im Mai stellte der Zulieferer ein System mit 160 kW vor, das die bereits vorhandene 250-kW-Lösung ergänzt. Ein weiterer E-Antrieb mit 120 kW für kompaktere Fahrzeuge soll folgen. Damit will das Unternehmen nach eigenen Angaben verschiedene Fahrzeugklassen mit stärker standardisierten und modular aufgebauten Antrieben abdecken. Die PE-Systeme sind dabei nicht nur für die Marken der Hyundai Motor Group vorgesehen. Hyundai Mobis will verstärkt Drittkunden gewinnen und entwickelt seine Antriebe inzwischen stärker als eigene, standardisierte Produkte, statt sie ausschließlich auftragsbezogen für einzelne Hersteller auszulegen. Welche der angekündigten 120-, 160- oder 250-kW-Systeme in Novaky produziert werden, geht aus der aktuellen Mitteilung allerdings nicht hervor.
Auch zu konkreten Abnehmern bleibt Hyundai Mobis vage. Das Werk soll sowohl Hyundai Motor und Kia als auch weitere Autohersteller beliefern. Konzernchef Lee Gyu Suk spricht von „strategisch wichtigen Modellen globaler Automobilhersteller“, ohne Hersteller, Modelle oder vereinbarte Stückzahlen zu nennen. Entsprechend lässt sich bislang auch nicht beurteilen, wie stark die Kapazität von 280.000 Einheiten bereits durch konkrete Aufträge ausgelastet ist.
Neu ist für Hyundai Mobis die Produktion in der Slowakei an sich nicht. Der Zulieferer betreibt bereits einen Standort in Zilina nahe dem dortigen Kia-Werk – und baut dort u.a. Bremssysteme und Airbags. Novaky ist jedoch das erste europäische Hyundai-Mobis-Werk für PE-Systeme. Bereits vor dem Baustart waren Teile der Lieferkette vorbereitet worden: Hyundai Mobis hatte bei Posco Motorkerne bestellt, von denen ein Teil für die Antriebsfertigung in der Slowakei vorgesehen ist.
Mit Novaky verfügt Hyundai Mobis nach eigener Zählweise nun über drei Standorte zum Bau von Elektrifizierungskomponenten in Europa. In Tschechien werden bereits Batteriesystem-Baugruppen gefertigt, in Spanien baut das Unternehmen auch entsprechende Produktionskapazitäten auf. Dort sollen unter anderem Batteriesysteme für den Volkswagen-Konzern montiert werden. Mit Novaky erweitert Hyundai Mobis seine europäische eMobility-Komponentenfertigung nun von Batteriesystemen auf komplette elektrische Antriebseinheiten.
Die Slowakei bietet dafür eine etablierte Industrie. Neben Kia betreiben unter anderem Volkswagen und Stellantis dort Fahrzeugwerke, während Volvo Cars in Kosice ein neues Werk aufbaut. Für Hyundai Mobis kann eine Produktion vor Ort entsprechend kürzere Lieferwege zu europäischen Fahrzeugwerken ermöglichen. Ob daraus tatsächlich zusätzliche Aufträge der dort vertretenen Hersteller entstehen, ist bislang aber nicht bekannt. Klar ist: Der Ausbau passt zudem zum Ziel von Hyundai Mobis, unabhängiger vom Geschäft innerhalb der Hyundai Motor Group zu werden. Bis 2033 sollen 40 Prozent des Umsatzes mit globalen Kunden erzielt werden. Mit der europäischen Produktion schafft der Zulieferer dafür zusätzliche Kapazitäten.