Helsinki weitet Elektro-Vorgabe auf Transporter und Kleinbusse aus

Helsinki treibt den schrittweisen Ausstieg aus Verbrennungsmotoren im städtischen Fuhrpark voran. Nach den Pkw setzt die finnische Hauptstadt künftig auch bei der Beschaffung eigener Transporter und Kleinbusse grundsätzlich auf reine Elektrofahrzeuge. Auch für Unternehmen, die im Auftrag der Stadt Personen oder Waren befördern, gelten strengere Vorgaben.
Bild: Joonas Sorsa / Stadt Helsinki
Bereits im Mai 2022 hatte Helsinki Umweltkriterien für die Beschaffung von Fahrzeugen und Transportdienstleistungen festgelegt. Da die Reduzierung der Verkehrsemissionen eine wichtige Rolle beim Erreichen der Klima- und Umweltziele Helsinkis spielt, wurden die Kriterien nun für die Jahre 2026 bis 2030 aktualisiert.
Der Leiter der Stadtkanzlei, Jukka-Pekka Ujula, beschloss die ab sofort geltenden Vorgaben am 14. September. Die Kriterien gehen dabei über die Anforderungen des finnischen Gesetzes über saubere Fahrzeuge hinaus. Zudem sollen sie die Ziele des finnischen Green Deals für emissionsfreie Baustellen unterstützen.
Bei den eigenen Pkw hält Helsinki an der bereits geltenden Vorgabe, nur noch Elektroautos zu beschaffen, fest. Neu ist vor allem, dass die Stadt jetzt auch bei Transportern, Kleinbussen und eingekauften Fahrdiensten unmittelbar die Antriebsart vorgibt, statt lediglich CO2-Grenzwerte festzulegen oder den CO2-Ausstoß bei der Angebotsbewertung zu berücksichtigen. Eigene Transporter und Kleinbusse beschafft Helsinki künftig grundsätzlich als reine Elektrofahrzeuge.
Ob ein geeignetes Modell verfügbar ist, soll vorab ein Marktdialog klären. Nur wenn es für den Einsatzzweck kein passendes Modell gibt, ist ein Verbrenner zulässig, der dann mit Biogas oder HVO fahren muss. Für Krankentransport-, Rettungs- und barrierefreie Fahrzeuge räumen die Kriterien Ermessensspielraum ein.
30 Prozent der städtischen Pkw sind elektrisch
Die Elektrifizierung des Verkehrs schreite in der Region Helsinki bereits schneller voran als im Rest des Landes, heißt es. Bei Pkw und Transportern sei sie bereits weit fortgeschritten, während sie bei schweren Nutzfahrzeugen gerade erst begonnen habe. So waren Ende 2025 30 Prozent der auf die Stadt zugelassenen Pkw und 13 Prozent ihrer Transporter rein elektrisch.
Im Schnitt beschafft Helsinki pro Jahr rund 92 Transporter und Kleinbusse per Leasing. Die damit verbundenen Beschaffungskosten beziffert die Stadt auf durchschnittlich etwa 3,6 Millionen Euro jährlich. Nach aktueller Schätzung der Stadt beträgt die Preisdifferenz zwischen einem elektrischen und einem verbrennungsmotorischen Transporter durchschnittlich 11.000 Euro. Zu den jährlichen Beschaffungsmengen und -kosten der Pkw macht die Stadt keine Angaben.
Insgesamt umfasst der städtische Fuhrpark rund 1.300 Pkw, Transporter, Lkw und Busse. Die Stadt nutzt dabei sowohl eigene als auch über den städtischen Baudienstleister Stara geleaste Fahrzeuge.
Lebenszykluskosten werden bei schweren Fahrzeugen Pflicht
Bei schweren Nutzfahrzeugen verweist Helsinki nur auf hohe Anschaffungskosten und eine noch lückenhafte Ladeinfrastruktur. Bei der Beschaffung eigener Lkw und Busse soll die Stadt zunächst prüfen, ob Batterie-elektrische Fahrzeuge, Modelle mit Wasserstoff oder überwiegend mit Biogas betriebene Fahrzeuge verfügbar sind.
Bislang floss der Einsatz alternativer Antriebe lediglich in die Qualitätsbewertung der Angebote ein. Fahrzeuge mit Strom-, Wasserstoff- oder Biogasantrieb erhielten dabei mehr Punkte. Künftig sind der Marktdialog und ein Vergleich der Lebenszykluskosten vorgeschrieben. Berücksichtigt werden unter anderem Kaufpreis, Energiekosten, Restwert und Wartungsaufwand.
Das rechnerisch günstigste Ergebnis bestimmt die Antriebswahl jedoch nicht automatisch. Der zugehörige Leitfaden hält ausdrücklich fest, dass sich die Stadt mitunter auch dann für ein Elektrofahrzeug entscheiden kann, wenn dieses über den Lebenszyklus als teuerste Variante eingeschätzt wird. Anhand der Verfügbarkeit und der Lebenszykluskosten wird anschließend beurteilt, ob stattdessen ein Dieselfahrzeug erforderlich ist. Dieses darf ausschließlich mit HVO betrieben werden.
Strengere Vorgaben auch für Transportdienstleister
Bei Personenbeförderungen mit Pkw, etwa Taxidiensten, sind künftig reine Elektroautos vorgeschrieben. Bislang galt ein Grenzwert von höchstens 50 Gramm CO2 pro Kilometer nach WLTP, womit auch der Einsatz von Plug-in-Hybriden zulässig war. Ist eine sofortige Umstellung laut Marktdialog noch nicht möglich, kann eine Übergangsfrist festgelegt werden. Spätestens ab 2028 muss der Dienst aber vollelektrisch erbracht werden.
Bei Gütertransporten mit Transportern und Personenbeförderungen mit Kleinbussen müssen mindestens 50 Prozent der eingesetzten Fahrzeuge rein elektrisch sein. Mit den Elektrofahrzeugen muss außerdem mindestens die Hälfte der gesamten Fahrleistung erbracht werden. Die übrigen Fahrzeuge müssen mit Biogas oder HVO betrieben werden. Sind für den jeweiligen Einsatzzweck nicht ausreichend geeignete Elektrofahrzeuge verfügbar, darf der vorgeschriebene Elektroanteil angepasst werden.
Für eingekaufte Lkw- und Busverkehre schreibt Helsinki künftig verbindlich vor, dass die Fahrzeuge mit Strom, fossilfrei erzeugtem Wasserstoff, HVO oder hauptsächlich mit Biogas betrieben werden. Konventioneller Diesel ist damit nicht mehr zulässig. In einem Marktdialog soll jedoch vorab geklärt werden, welche Antriebe verfügbar sind. Lässt es die Marktlage zu, kann Helsinki bei einer konkreten Ausschreibung also strengere Anforderungen stellen und ausschließlich Batterie-elektrisch-, Wasserstoff- oder Biogasfahrzeuge verlangen. HVO betrachtet die Stadt als Übergangslösung, auf die sie verzichten will, sobald emissionsfreie Alternativen breit verfügbar sind, heißt es.
Verbindlich sind die Kriterien für die Stadtkanzlei, sämtliche Fachbereiche sowie die städtischen Betriebe Stara und Palvelukeskus Helsinki. Den städtischen Gesellschaften wird empfohlen, sie ebenfalls anzuwenden. Von den Kriterien kann abgewichen werden, wenn dies aus Gründen der Krisenvorsorge notwendig ist. Die nächste Überprüfung ist für 2030 vorgesehen.