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Infrastruktura

Geely will ab 2028 in Volvo-Werken produzieren

Geely will ab 2028 in Volvo-Werken produzieren

Geely will ab 2028 höherpreisige Modelle aus seinem Markenportfolio in europäischen Volvo-Werken fertigen. Damit konkretisiert der chinesische Autobauer frühere Überlegungen, das Produktionsnetzwerk seiner Tochter Volvo Cars für weitere Konzernmarken zu öffnen. Welche Modelle produziert werden, ist noch offen.

Nach Berichten des Handelsblatts erwägt Volvo bereits seit mehreren Monaten, sein europäisches Produktionsnetzwerk für weitere Marken des chinesischen Mutterkonzerns Geely zu öffnen. Nun werden die Pläne konkreter: An Conghui, der neue Chairman von Geely Automobile, erklärte im Rahmen einer Konferenz zu den Halbjahreszahlen, dass die europäischen Volvo-Werke künftig eine wichtige Basis für die Lokalisierungsstrategie des Konzerns bilden sollen. Dort sollen höherpreisige Fahrzeuge aus dem Geely-Portfolio gefertigt werden. Der Produktionsstart ist für 2028 vorgesehen.

Welche Marken und Modelle dafür ausgewählt werden, ist bislang nicht bekannt. Zu Geely Automobile gehören neben der Kernmarke Geely auch Zeekr und Lynk & Co. Gerade die beiden letztgenannten Marken kommen aufgrund ihrer Positionierung für die angekündigte Fertigung höherpreisiger Modelle infrage, bestätigt ist das bislang allerdings nicht.

Die Aussagen fallen mit einem Führungswechsel bei Geely Automobile zusammen. An Conghui übernimmt zum 18. August den Chairman-Posten von Geely-Gründer Li Shufu. Dieser zieht sich aus der Führung der börsennotierten Autosparte zurück, bleibt aber Chairman der übergeordneten Zhejiang Geely Holding. An Conghui war zuvor unter anderem für Zeekr verantwortlich. Im Zuge des Führungswechsels kündigte Geely zudem an, die Zusammenarbeit innerhalb des Konzerns weiter zu verstärken. Volvo verfügt derzeit über Fahrzeugwerke im schwedischen Göteborg und im belgischen Gent. Hinzu kommt das neue Werk im slowakischen Kosice, das Anfang 2027 die Serienproduktion aufnehmen soll. Welcher dieser Standorte ab 2028 auch Geely-Modelle fertigen wird, ist noch offen.

Besonders Gent war allerdings schon im Juli im Zusammenhang mit einer möglichen Auftragsfertigung genannt worden. Volvo Cars hat mit der belgischen Bundesregierung und der flämischen Regionalregierung eine Absichtserklärung zur Zukunft des Werks unterzeichnet. Im Raum steht ein Unterstützungspaket von bis zu 119 Millionen Euro für Investitionen und die langfristige Absicherung des Standorts, explizit vorgesehen ist dabei auch die Möglichkeit, in Gent künftig Fahrzeuge anderer Marken in Auftragsfertigung zu bauen.

Volvo-Chef Hakan Samuelsson hatte bereits im Frühjahr erklärt, Geely bei der Expansion in Europa mit Produktionskapazitäten unterstützen zu können. Für Volvo würde eine solche Zusammenarbeit gleichzeitig eine höhere Auslastung der eigenen Werke ermöglichen, was angesichts der jüngsten Geschäftsentwicklung relevant ist: Im zweiten Quartal 2026 sank der Umsatz der Schweden um 17 Prozent, während sich das operative Ergebnis gegenüber dem Vorjahreszeitraum ungefähr halbierte.

Geely baut seine europäische Produktionsbasis derweil auch unabhängig von Volvo aus. Gemeinsam mit Ford will der Konzern ab 2028 zwei elektrische SUV im spanischen Valencia fertigen, zudem wollen beide Hersteller gemeinsam ein weiteres Modell für den europäischen Markt entwickeln. Die Nutzung der Volvo-Werke wäre damit ein weiterer Baustein in Geelys zunehmender Lokalisierung in Europa. Noch fehlen allerdings die entscheidenden Details: Weder die beteiligten Volvo-Standorte noch die Geely-Marken und Modelle für die ab 2028 geplante Produktion sind bislang benannt.