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Regulativa

Fastned sammelt weitere 27 Millionen Euro von Privatanlegern ein

Fastned sammelt weitere 27 Millionen Euro von Privatanlegern ein

Der niederländische Schnellladeanbieter Fastned hat mit einer weiteren Anleihe 27 Millionen Euro bei Privatanlegern in Belgien und den Niederlanden eingesammelt. Damit will das Unternehmen den kostspieligen Ausbau seines Ladenetzes finanzieren - schließlich kostet jeder neue Ladepark knapp eine Million Euro Anfangsinvestition.

Image 1: Fastned ladestation charging station buederich

Bild: Fastned

Die jüngste Anleihe ist bereits die dritte Platzierung dieser Art im Jahr 2026. Insgesamt kam so eine Summe von 92 Millionen Euro zusammen – der bislang höchste Jahresbetrag im Vergleich zu 79 Millionen Euro im Jahr 2025. Das Geld der Privatanleger benötigt Fastned vor allem für den weiteren Ausbau seines Ladenetzes. Denn obwohl das operative Geschäft zunehmend profitabel wird, verschlingt die Expansion weiterhin erhebliche Summen. Dazu gleich mehr.

Das ausstehende Volumen der Retail-Anleihen steigt damit auf 364 Millionen Euro. Sprich: Soviel Geld muss Fastned auch wieder an die Privatanleger zurückzahlen. Dabei beträgt die Laufzeit der Anleihen aktuell fünf Jahre, der Zinssatz beträgt 6% p.a. Insgesamt haben inzwischen mehr als 13.000 Privatanleger über das Anleiheprogramm Geld in Fastned investiert. Das kumulierte Investitionsvolumen liegt bei mehr als 400 Millionen Euro.

Fastned betreibt aktuell 452 Ladeparks in neun europäischen Ländern. Weitere 70 Ladeparks befinden sich im Bau. Allein 2026 hat das Unternehmen bislang 46 neue Standorte eröffnet. Langfristig verfolgt Fastned das Ziel, bis 2030 insgesamt 1.000 Ladeparks zu betreiben.

991.000 Euro für einen neuen Ladepark

Warum Fastned trotz steigender Umsätze regelmäßig frisches Kapital benötigt, zeigt ein Blick in die Finanzberichte des Unternehmens. Der Aufbau eines europaweiten Schnellladenetzes ist ein ausgesprochen kapitalintensives Geschäft. Zunächst müssen geeignete Grundstücke gefunden und langfristige Nutzungsrechte gesichert werden. Es folgen Planungen, Genehmigungsverfahren und die Erschließung der Standorte. Anschließend müssen Mittelspannungsanschlüsse installiert und die Ladeparks mit leistungsfähigen Trafos und Schnellladesäulen ausgestattet werden. Zuletzt bezifferte Fastned die Anfangsinvestition für jeden neuen Ladepark auf 991.000 Euro – noch vor einem Jahr lag der Wert erst bei 892.000 Euro.

Fastned muss aber nicht nur die Investitionen in die Ausstattung der Ladeparks selbst tätigen. Auch die gesamte Standortentwicklung und Organisation des Wachstums kostet Geld: 2025 beliefen sich die sogenannten „Network Expansion Costs“ auf 34,3 Millionen Euro – 48 Prozent mehr als im Vorjahr. Zusätzlich investierte das Unternehmen rund 100 Millionen Euro in den Ausbau seines Netzes.

Operativ auf dem richtigen Weg

Die jüngsten Geschäftszahlen zeigen, dass sich die Investitionen zunehmend auszahlen. Im dritten Quartal 2026 wuchs der Umsatz im Ladegeschäft um 63 Prozent auf 51,3 Millionen Euro. Zwar weist das Unternehmen bereits eine hohe operative EBITDA-Marge von rund 45 Prozent aus. Doch das bedeutet v.a., dass Fastned den eingekauften Strom mit Gewinn verkaufen kann. Der Wert berücksichtigt allerdings nicht die hohen Investitionen in die Ausstattung der Ladeparks sowie die Expansionskosten. Im ersten Halbjahr 2026 gab es daher einen Verlust von 13 Millionen Euro. Fürs dritte Quartal hat Fastned hingegen keinen Verlust oder Gewinn kommuniziert, sondern plant dies erst wieder nach Ende des zweiten Halbjahrs 2026.

Image 2: Fastned gentbrugge charging station belgium

Zur Finanzierung setzt das Unternehmen neben den Anleihen für Privatanleger auch auf Eigenkapital und Bankkredite. Im Januar 2026 hatte Fastned beispielsweise eine grüne Kreditlinie über bis zu 200 Millionen Euro vereinbart. Beteiligt sind unter anderem ABN Amro, ING und Rabobank.

Ein Geschäftsmodell mit langem Atem

Der hohe Kapitalbedarf ist kein Sonderfall von Fastned, sondern typisch für die Schnellladebranche. Betreiber müssen hohe Vorleistungen erbringen, lange bevor ein Standort seine volle Ertragskraft erreicht. Gleichzeitig steigt die Wirtschaftlichkeit mit der Auslastung: Je mehr Elektroautos unterwegs sind und je häufiger diese öffentlich schnellladen, desto besser lassen sich die bereits errichteten Stationen nutzen.

Die 92 Millionen Euro an neuen Investitionen sind deshalb weniger ein Zeichen dafür, dass das bestehende Geschäft nicht funktioniert. Vielmehr zeigen sie, wie viel Kapital erforderlich ist, um sich in einem noch jungen und zunehmend umkämpften Markt eine europaweite Position aufzubauen. Entscheidend für Fastned wird sein, ob die Nachfrage nach öffentlichem Schnellladen schnell genug wächst, damit sich die hohen Vorleistungen langfristig auszahlen. Das Management hofft in jedem Fall, die Auslastung der Ladestationen langfristig von aktuell 13,5 Prozent auf 30 Prozent steigern zu können – dann würde die Kalkulation wohl aufgehen.