Erster Elektro-Bentley: Der Torcal gleitet ins Rampenlicht

Der Bentley Torcal hat in London seine Weltpremiere gegeben – als nun vierte Modellreihe der Luxus-Automarke neben dem bestehenden Trio Bentayga, Continental GT/GTC und Flying Spur. Bisher vermarktete Bentley ausschließlich Verbrenner und Hybride, mit dem Torcal wagt sich die britische Traditionsmarke nun erstmals an einen reinen Elektroantrieb. Um der Stammkundschaft den Übergang zu erleichtern, klingt der Torcal aber wie ein Verbrenner: Der Antriebssound des Luxusstromers sei „vom Klang eines Bentley 6¾-Liter-V8 inspiriert“, betont die Volkswagen-Tochter.
Doch zum Wesentlichen: Der serienmäßige Allrad-Antrieb des Bentley Torcal ist keine isolierte Einzelentwicklung, sondern in die PPE-Plattform des Volkswagen-Konzerns eingebettet. Erster Repräsentant dieser 800-Volt-Architektur war der elektrische Porsche Macan Anfang 2024. Der E-Bentley orientiert sich aber eher am Technikstand des Ende 2025 gelaunchten Porsche Cayenne und übernimmt u.a. dessen 113-kWh-Batterie. Beim Allrad-Antrieb gibt es allerdings Unterschiede: Mit seinem Power-Output von von bis zu 653 kW ist der Bentley dabei über dem Cayenne S Electric, aber unter dem Cayenne Turbo Electric angesiedelt. Diese Positionierung ist typisch für Bentley: Die Luxusautos der Marke sollen kraftvoll, aber nicht übertrieben sportlich sein. Was bei den Briten ohnehin Priorität hat, sind gehobener Komfort, edle Materialien und Exklusivität. Dazu gleich mehr.
Bentley Torcal fährt in zwei Motorisierungen vor
Der Torcal ist mit seinem Längenmaß von fünf Metern der bisher kürzeste Viertürer im Modellportfolio von Bentley. Das E-SUV wird in zwei Ausführungen auf den Markt kommen: als Basismodell und als kraftvolleres S-Modell. Der Allrad-Antrieb liefert im Grundmodell 604 kW und 1.194 Nm Drehmoment. Im Torcal S sind es besagte 653 kW und 1.350 Nm. Die Spurtfähigkeit variiert entsprechend und liegt je nach Motorisierung bei 2,9 bzw. 3,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit gibt Bentley mit 250 km/h bzw. 260 km/h an.

Bild: Bentley
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Die Performance-Variante ist damit so Drehmoment-stark wie kein Bentley zuvor, betont die britische Edelmarke. Der Antrieb fußt dabei auf zwei Permanentmagnet-Synchronmotoren („jeweils mit Trockensumpfschmierung und einer auf die gesamte Lebensdauer ausgelegten Ölfüllung“) an beiden Achsen des Fahrzeugs. Während der Frontmotor über ein offenes Differenzial verfügt, ist der Heckmotor mit einem Sperrdifferenzial und einer Lamellenkupplung an jeder Antriebswelle ausgestattet.
Schauen wir weiter auf die Batterie: Analog zum Cayenne Electric verfügt der Torcal über eine Hochvolt-Batterie mit 113 kWh-Bruttokapazität. Wie diese aufgebaut ist und warum das Kühlkonzept so besonders ist, haben wirin unserem Technologie-DeepDive genauer erläutert. Die Hochvoltbatterie besteht aus 192 in Reihe geschalteten Lithium-Ionen-Pouchzellen und arbeitet mit einer Systemspannung von 800 Volt. Mit bis zu 400 kW Ladeleistung kann die Batterie in 16 Minuten von zehn auf 80 Prozent geladen werden. Bentley gewährt auf die Batterie eine Garantie von zehn Jahren bzw. 100.000 Meilen.
Die folgende Tabelle zeigt die technischen Werte der beiden Bentley-Ausführungen im Vergleich zu Porsches Topmodell der Cayenne-Baureihe:
| | Bentley Torcal | Bentley Torcal S | Porsche Cayenne Turbo Electric |
| --- | --- | --- | --- |
| Antrieb | AWD | AWD | AWD |
| Leistung | 604 kW | 653 kW | 850 kW |
| Drehmoment | 1.194 Nm | 1.350 Nm | 1.500 Nm |
| Beschleunigung | 3,4 s | 2,9 s | 2,5 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 250 km/h | 260 km/h | 260 km/h |
| WLTP–Reichweite | n.a. | 600 km | 623 km |
| Batteriekapazität | 113 kWh | 113 kWh | 113 kWh |
| Ladeleistung DC | 400 kW | 400 kW | 400 kW |
| Ladezeit DC 10-80% | 16 min | 16 min | 16 min |
| Preis | n.a. | n.a. | 165.500 Euro |
Großen Wert haben die Bentley-Entwickler laut Angaben der Marke auf den Fahrkomfort gelegt. Das Fundament für die geschmeidige Straßenlage bildet dabei die elektronische Allradlenkung und ein vollaktives Fahrwerk mit adaptiven Zweiventil-Dämpfern („Premiere in einem Bentley“), das für jeden Fahrmodus eine individuelle Fahrwerks-Charakteristik beisteuert. „Die Dämpfer […] reagieren sowohl auf die Fahrbahnbedingungen als auch auf die Eingaben des Fahrers und bieten damit höchsten Fahrkomfort und präzise Karosseriekontrolle“, teilt die VW-Tochter mit. Das Ergebnis sollen wesentlich weniger Wankbewegungen sein.
Um die angesprochenen Fahrwerks-Charakteristiken abzurufen, stehen insgesamt vier vorkonfigurierte Fahrmodi zur Verfügung. Was die Bremsen angeht, ist beim Torcal ab Werk eine Stahl-Bremsanlage verbaut, optional ist aber eine Keramikbremsanlage aus Carbon-Siliziumkarbid (CSiC) zu haben. Beide sind mit verschiedenfarbigen Bremssätteln verfügbar.
Optisch unverkennbar: „Ein Bentley durch und durch“
Das bringt uns zur Optik des Torcal, die bei einem Bentley natürlich gewisse Traditionsmerkmale aufweist, etwa die lange, kantige Motorhaube mit dem markanten Kühlergrill. Diese „stolze Frontpartie“, so der O-Ton der Briten, greift auch der erste E-Bentley auf. Trotzdem spricht Design-Direktor Robin Page von der Einführung einer neuen Designsprache innerhalb der Marken-Leitplanken. Anspruch beim Torcal sei gewesen, einen besonders flachen und eleganten SUV zu kreieren, der die DNA der Marke u.a. mit innovativer Lichttechnologie neu interpretiert. Das Heck kommt gegenüber der Front geradezu minimalistisch daher – ein Designprinzip, das erstmals an der Studie EXP 15 erprobt wurde. Erwähnenswert ist dabei, dass der Torcal der erste Bentley ist, der das 2025 neugestaltete Markenemblem trägt.
Innen finden Kunden die nach wie vor von den Bentley-Flügeln inspirierte Armaturentafel vor – u.a. mit geriffelten Bedienelementen und neuen Lüftungsdüsen. In der Mittelkonsole und am Lenkrad kommen laut Bentley bewusst weiterhin physische Tasten zum Einsatz. Für Licht sorgt ein individualisierbares Panoramadach. Materialseitig sind im Inneren u.a. Leder, Wolle und Aluminium verarbeitet. Die Sitze des Torcal haben die Entwickler von Grund auf neu gestaltet: Sie bieten ab Werk eine 16-fache elektrische Verstellung sowie Heizung, Belüftung, anpassbare Seitenwangen und erstmals eine neue Massagefunktion. Ein weiteres Novum: Erstmals in einem Bentley verfügt die Dreisitzer-Rücksitzbank über eine elektrische Klappfunktion. Grundsätzlich soll der Torcal trotz seiner für ein Luxusauto moderaten fünf Meter Länge innen viel Platz bieten – allen voran natürlich den Fahrgästen. Der Kofferraum fällt mit 460 Litern entsprechend moderat aus.

Bild: Bentley
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Was noch? Zum Marktstart stehen fünf Raddesigns in verschiedenen Ausführungen zur Wahl. Das Basismodell wird in der Serienausstattung mit 21-Zoll-Rädern angeboten; das S-Modell verfügt serienmäßig über 22-Zoll-Räder mit zehn Doppelspeichen. Drei weitere 22-Zoll-Radausführungen sind optional erhältlich.
Luxus-Attitüde – auch bei den Fahrerassistenten
An Bord hat der Torcal zudem standesgemäß ein kraftvolles Klang-System (inklusive Audiosystem, besagte Antriebs- aber auch Funktionsklänge) und ein großes Fahrerassistenz-Paket. Die Grundlage für Letzteres bietet ein System aus 25 Radar- und Ultraschall-Sensoren, und Kameras, die rund um das Fahrzeug alle nötigen Daten liefern. Eher eine Spielerei sind dabei die vier radargesteuerten Türen, die automatisch öffnen und schließen. „Das Schließen der Türen wird entweder durch das Anlegen des Sicherheitsgurts der über den zentralen Touchscreen aktiviert“, erläutert Bentley. Die Fahrertür könne zudem durch Betätigen des Bremspedals geschlossen werden.
Dr. Frank-Steffen Walliser, Chairman and CEO von Bentley Motors, kommentiert: „Der Torcal ist ein Bentley durch und durch und entsteht durch die Hände von Menschen, die ihr Handwerk mit Leidenschaft und höchstem Anspruch ausüben. Sie verbinden die besten verfügbaren Materialien und modernste Technologien mit jahrzehntelanger Tradition und schaffen daraus wegweisende Innovationen. Für mich einer der besten Bentleys, den es jemals gab.“
Crewe als Dreh- und Angelpunkt der Produktion
Der Torcal wird am britischen Traditionsstandort in Crewe gebaut. Wann das Modell in die Produktion geht und ausgeliefert wird, präzisiert die Marke noch nicht. Ebensowenig den Euro-Preis, wobei für Großbritannien bereits ein Basispreis von 173.300 Pfund (gut 200.000 Euro) genannt wird. Klar ist: Für die Fertigung des ersten E-Bentley war in Crewe eine umfassende Neugestaltung der Produktionsinfrastruktur nötig: Konkret hat der Hersteller das historisch älteste Gebäude („A1“) des Werks auf die Montage von Bentleys Elektro-Debütanten vorbereitet. Außerdem eröffnete Bentley 2025 vor Ortein neues Engineering Technical Centre, in dem die Prototypenfertigung, Materialtests und die Software-Integration für kommende Elektrofahrzeuge gebündelt werden.
Denn dass weitere Luxus-Stromer folgen, gilt als gesetzt. Auch wenn die Elektrifzierung bei Bentley weniger stringent erfolgen wird, als noch vor ein paar Jahren geplant: Ursprünglich wollte Bentley seine Modellpalette im Rahmen der „Beyond 100+“-Strategie bereits bis zum Ende des Jahrzehnts gänzlich auf E-Antrieb umstellen. Als sich Stromer im Luxus-Segment jedoch grundsätzlich als eher schwer absetzbar entpuppten, weichte die Volkswagen-Tochter ihre Pläne auf: Erst wurde der Zeitplan auf 2035 verschoben, dann folgte eine weitereKurskorrektur: Seit einem Jahr haben sich die Briten gänzlich von einem fixen Enddatum für den Verbrenner verabschiedet.
Elektrofahrzeuge sollen in Crewe jedoch weiter hohe Priorität haben, wie u.a. ein im Juli 2025 präsentiertesConcept Carals Blaupause für zukünftige Elektro-Bentleys beweisen soll. Allerdings flankiert von Hybriden und auch einem fast serienfertigen Performance-Modell mit Verbrennungsmotor in limitierter Auflage.
bentleymedia.com, insideevs.de, autocar.co.uk (UK-Preise ab £173,300)