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Bosch will in Nürnberg rund 900 von 1.800 Stellen streichen

Bosch will in Nürnberg rund 900 von 1.800 Stellen streichen

Der Automobilzulieferer Bosch kommt nicht zur Ruhe und plant nun weitere Einschnitte bei der Belegschaft: Am Standort Nürnberg sollen die Hälfte der 1.800 Mitarbeiter bis 2029 gehen. IG Metall und Betriebsrat verurteilen diese Entscheidung aufs Schärfste und sprechen von einem "Kahlschlag".

Automobil-Aktionstag der IG Metall am Bosch-Werk Nürnberg

Bild: IG Metall Nürnberg

Dabei kommt die Streichung der 900 Stellen in dem Werk zusätzlich zum bereits bekannten Abbau von 22.000 Stellen hinzu. Der Großteil der Stellenstreichungen trifft dabei jeweils den Mobility-Sektor, also das Geschäft als Automobilzulieferer.

Die Gewerkschaft IG Metall und der Betriebsrat kritisieren die Streichungspläne in Nürnberg aufs Schärfste. „Werden diese Kahlschlag-Pläne des Arbeitgebers umgesetzt, dann stirbt das Nürnberger Robert Bosch Werk auf Raten. Eine Schließung des Werkes durch die Robert Bosch GmbH nach 2029 ist damit nicht mehr auszuschließen“, heißt es in einer Pressemitteilung der IG Metall.

Bosch plant laut Betriebsrat einen „Kahlschlag“

„Die Verkündung des geplanten Kahlschlags war ein Schock für alle Beschäftigten. Für uns ist klar, es muss bessere Wege für das Werk als diesen Kahlschlag geben. Dazu werden wir jetzt unsere Zukunftskonzepte erarbeiten und dem Arbeitgeber vorlegen. Wir kämpfen um das Werk und jeden einzelnen Arbeitsplatz!“, sagt Betriebsratsvorsitzender Arne Brandsch.

Scharfe Töne kommen auch von Andreas Weidemann, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Nürnberg: „Die Ideenlosigkeit und Ignoranz der Bosch Manager erinnert mich an die Schließung der AEG. Damals haben gewissenlose Manager aus Profitgier einen profitablen Standort geschlossen und hunderten Menschen ihre berufliche Existenz geraubt. Als IG Metall werden wir dem Plan des Bosch-Managements nicht tatenlos zusehen. Wer einem Werk die Zukunft nimmt und gleichzeitig erwartet, dass die wenigen verbleibenden Beschäftigten den Kahlschlag noch mit hohen Einbußen beim Entgelt schultern, wird unsere massive Gegenwehr erfahren.“

Was Weidemann meint: Trotz bereits in der Vergangenheit erfolgter finanzieller Einschnitte – schon seit 2007 gab es am Standort mehrere Vereinbarungen zur Standortsicherung, an der sich die Belegschaft mit finanziellen Beiträgen bei Entgelt und Arbeitszeit beteiligt hat – verlangt Bosch laut IG Metall weitere 15 Prozent Personalkosteneinsparung von der Belegschaft.

Standort von Benzin-Einspritzpumpen abhängig

Bosch selbst äußert sich bislang nicht zu den Plänen. Bekannt ist aber, dass die Standortsicherung zum 31.12.2026 ausläuft. Das Werk in Nürnberg ist bislang fast ausschließlich vom Verbrenner-Geschäft abhängig. Dem Hauptprodukt am Standort, der Hochdruckpumpe für Benzineinspritzung, „droht ein ruinöser Preiskampf mit anderen EU-/Nicht-EU Werken von Robert Bosch“, so die IG Metall. Dort würden meist deutlich geringere soziale Standards gelten und eine Tarifbindung sei an solchen Standorten in der Regel nicht vorhanden.

IG Metall und Betriebsrat hatten diese Herausforderung durch den Hochlauf der Elektromobilität bereits kommen sehen und neue „Zukunftsprodukte“ für das Werk in Nürnberg gefordert. Darauf ließ sich das Bosch-Management nach Darstellung der Gewerkschaft aber bislang nicht ein. Ein solcher Stellenabbau in Nürnberg stand seit Monaten im Raum, dagegen hatte die Belegschaft erst am 21. September beim bundesweiten Aktionstag der IG Metall protestiert.

Zum Ende des ersten Halbjahres 2026 beschäftigte die Bosch-Gruppe 406. 225 Menschen und damit 6.549 Mitarbeitende weniger als zum Stichtag 31.12.2025, wie aus den Halbjahreszahlen hervorgeht. Der Personalrückgang betraf laut Bosch alle Unternehmensbereiche, überproportional jedoch Mobility. In Deutschland waren zur Jahresmitte 118.932 Menschen bei Bosch beschäftigt (31.12.2025: 122 968) – ein Rückgang von 4.036 Mitarbeitenden.