Natrag na novosti
Punjenje

Alpitronic: So schützt der Ladesäulen-Hersteller seine Hypercharger vor Cyberattacken

Alpitronic: So schützt der Ladesäulen-Hersteller seine Hypercharger vor Cyberattacken

Ladeinfrastruktur wird zum attraktiven Ziel für Cyberkriminelle. Der Ladesäulen-Hersteller Alpitronic beobachtet bereits Angriffe auf Authentifizierung und Ladevorgänge und baut seine Abwehr entsprechend aus. „Das gesamte Ökosystem ist eine Angriffsfläche“, sagt CMO Wolfgang Ademmer im Gespräch mit electrive auf der icnc26 in Berlin. Warum der Hersteller auch Hacker gegen die eigenen Hypercharger antreten lässt, erklärt Ademmer im Video-Interview.

Die Bilder abgeschnittener Ladekabel kennt inzwischen jeder. Weit weniger sichtbar sind dagegen die Gefahren, die aus dem digitalen Teil der Ladeinfrastruktur entstehen. Für Alpitronic ist genau das ein zentraler Punkt: Mit der zunehmenden Zahl vernetzter Ladepunkte wächst auch die potenzielle Angriffsfläche – und damit die Bedeutung einer konsequenten Cybersecurity-Strategie für die gesamte Ladeinfrastruktur. „Softwarebasierte Bedrohungen sind schwer zu greifen. Sie passieren typischerweise im Hintergrund und werden nur sehr schwer sichtbar“, sagt Ademmer im Video-Interview mit electrive-Chefredakteur Peter Schwierz

Kommunikationswege als Schwachstelle

Dabei lässt sich das Risiko nicht auf eine einzelne Komponente reduzieren. Angriffe könnten grundsätzlich überall dort ansetzen, wo innerhalb des Systems kommuniziert wird – von der RFID-Karte über die Fahrzeugkommunikation bis hin zu Kabeln und Netzanschlüssen. „Und damit ist quasi das gesamte Ökosystem eine Angriffsfläche“, so Ademmer. Für Alpitronic bedeutet das, nicht nur die eigene Hardware abzusichern, sondern auch Partner und weitere Akteure des Ökosystems einzubeziehen.

Konkrete großflächige Angriffe auf komplette Ladenetzwerke habe Alpitronic zuletzt zwar nicht beobachtet. Die Realität besteht derzeit eher aus sogenannten Low-Level-Attacken. Dazu zählt Ademmer insbesondere Betrugsfälle, bei denen Ladekarten oder Zugangsdaten vervielfältigt werden, um Strom auf Kosten anderer zu beziehen. Gleichzeitig warnt er davor, das Problem zu unterschätzen: Die zunehmende Nutzung von KI könne Angriffe erheblich vervielfachen und damit auch das Risiko größerer Attacken auf die Hypercharger von Alpitronic erhöhen.

Alpitronic lässt Ladestationen von Hackern angreifen

Alpitronic versucht deshalb, Angreifern möglichst früh zuvorzukommen. Das Unternehmen beschäftigt ein eigenes Red Team, das die Produkte selbst attackiert, veranstaltet Hackathons mit Partnern – und geht noch einen Schritt weiter. „Wir stellen uns auch der Königsdisziplin, würde ich sagen: Wir geben unsere Produkte in externe Hackathons, wo gegen Preisgeld gehackt wird“, erklärt Ademmer. So haben es Anfang des Jahres Hacker bei einem externen Wettbewerb geschafft, das Egoshooter-Spiel „Doom“ auf einer Ladesäule von Alpitronic zu zocken. Das Ziel der Kooperation mit Hackern: Schwachstellen finden, bevor es andere tun.

Eine besondere Herausforderung ist dabei die lange Lebensdauer der Ladeinfrastruktur. Die Assets sollen laut Ademmer zehn Jahre und länger wirtschaftlich betrieben werden können. Entsprechend müsse auch die Sicherheit über diesen Zeitraum gewährleistet sein. „Für uns kommt die Verantwortung damit, dass wir über die Lebensdauer die Funktionalität, die Resilienz erhalten“, sagt der Alpitronic-Manager. Software-Updates und eine entsprechend ausgelegte Hardware seien dafür entscheidend.

Ausfall könnte E-Lkw hart treffen

Dass die Bedeutung des Themas weiter zunimmt, zeigt auch der Blick auf die wachsende Zahl von Elektrofahrzeugen und Ladepunkten. Europa verfügt laut Ademmer inzwischen über rund sieben Millionen batterieelektrische Fahrzeuge und mehr als 200.000 DC-Ladepunkte. Ein größerer Ausfall hätte deshalb Folgen, die weit über die individuelle Mobilität hinausgehen könnten – insbesondere mit Blick auf den elektrifizierten Güterverkehr. „Ein Ausfall wäre signifikant“, sagt Ademmer. Gerade erst hat Alpitronic sein Megawatt-Ladesystem HYC1000 um einen kompakten Dispenser für Betriebshöfe von E-Bus- und E-Lkw-Flotten erweitert – und hat entsprechend besagten elektrifizierten Güterverkehr stark im Blick.

Im Video-Interview erfahren Sie außerdem:

  • wie Alpitronic Angriffe auf einzelne Ladestationen in Echtzeit erkennen will
  • welche Rolle das hauseigene Cyber-Security-Überwachungscenter und KI-Algorithmen dabei spielen
  • wie gefälschte bzw. duplizierte Ladekarten erkannt und gesperrt werden
  • warum KI nicht nur die Verteidigung, sondern auch die Fähigkeiten von Angreifern verändert
  • welche Bedeutung Regulierung und einheitliche Sicherheitsanforderungen auf deutscher und europäischer Ebene haben
  • und wie zuversichtlich Ademmer ist, die Ladeinfrastruktur langfristig gegen Cyberbedrohungen abzusichern

Das komplette Interview mit Alpitronic-Manager Wolfgang Ademmer können Sie oberhalb des Beitrags in unserem Videoplayer anschauen oder auch bei YouTube.