ACEA fordert Aufschub für strengere EU-UK-Batterieregeln

Ab 2027 sollen für Elektroautos im Handel zwischen der EU und Großbritannien strengere Ursprungsregeln für Batterien gelten. Der Herstellerverband ACEA fordert einen Aufschub bis Ende 2029. Andernfalls könnten nach seinen Berechnungen allein 2027 Zölle von 1,47 Milliarden Euro anfallen.
ACEA-Generaldirektorin Sigrid de Vries fordert mehr Zeit für die strengeren EU-UK-Batterieregeln.
Bild: Acea
Die derzeitigen Übergangsregeln des Handelsabkommens zwischen der EU und Großbritannien laufen Ende 2026 aus. Laut ACEA kann die europäische Autoindustrie die anschließend strengeren Herkunftsvorgaben für Batteriezellen und -materialien noch nicht in ausreichendem Umfang erfüllen.
Der ACEA rechnet für 2027 mit rund 520.000 aus der EU nach Großbritannien exportierten Elektro-Pkw und Elektro-Transportern im Wert von 17,9 Milliarden Euro. Davon würden nach Verbandsberechnungen rund 426.000 Fahrzeuge beziehungsweise 82 Prozent die neuen Ursprungsanforderungen nicht erfüllen. Für sie würde ein Zoll von zehn Prozent fällig, was der ACEA für 2027 mit insgesamt 1,47 Milliarden Euro beziffert.
Der Verband unterstützt grundsätzlich das Ziel, mehr Batteriezellen und -materialien in Europa zu produzieren. Die bereits angestoßenen Investitionen würden ihre volle Kapazität aber erst in den kommenden Jahren erreichen. Der ACEA befürchtet deshalb Wettbewerbsnachteile für europäische Hersteller auf dem britischen Markt. Für rein elektrische Pkw und leichte Nutzfahrzeuge sollen nach dem ACEA-Vorschlag bis Ende 2029 die bisherigen Regeln gelten. Damit könnten auch Batteriepacks mit Zellen oder Modulen aus Drittstaaten ihren Ursprung in der EU oder Großbritannien anerkannt bekommen, sofern das Pack dort montiert wird.
Ab 2030 sollen grundsätzlich auch die Batteriezellen in der EU oder Großbritannien gefertigt werden. Ab 2032 soll zusätzlich das aktive Kathodenmaterial (also z.B. Lithium, Nickel, Kobalt, Mangan) von dort stammen. ACEA will die Lokalisierungsanforderungen somit nicht abschaffen, sondern ihre Einführung über mehrere Jahre staffeln.
ACEA schlägt dreistufige Verschärfung vor
Die strengeren Vorgaben waren bereits einmal verschoben worden: Die EU und Großbritannien hatten sich 2023 darauf verständigt, die flexibleren Regeln bis Ende 2026 beizubehalten. Der ACEA verweist auf die Investitionen der Hersteller in europäische Lieferketten und argumentiert, es gehe nicht um das Ob, sondern um den Zeitpunkt der Lokalisierung.
Der Vorstoß fällt in eine breitere Debatte über europäische Local-Content-Vorgaben. Erst vergangene Woche hatten die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen eine zügige Umsetzung des von der EU-Kommission vorgeschlagenen[](https://www.electrive.net/2026/03/04/industrial-accelerator-act-die-eu-setzt-jetzt-auf-made-in-europe/)Industrial Accelerator Act sowie einheitliche und praktikable „Made with Europe“-Kriterien gefordert. Dabei soll auch Großbritannien neben den EWR- und EFTA-Staaten (Island, Liechtenstein, Norwegen und Schweiz) zu den einbezogenen Partnern gehören.
Der Verband der europäischen Automobilhersteller bezieht sich dabei auf denIndustrial Accelerator Actund sieht seinen Zeitplan im Einklang mit den dort diskutierten Lokalisierungsanforderungen. Die Handelspolitik dürfe bei der Lokalisierung nicht schneller voranschreiten als die europäische Industriepolitik, argumentiert der Verband. Nur für die Batterieregeln fordert der ACEA eine weitere Übergangsfrist. Die für 2027 geplante Verschärfung der Ursprungsregeln für die Elektrofahrzeuge selbst soll bestehen bleiben. Laut Verband können seine Mitglieder diese Vorgaben erfüllen.
Für schwere Nutzfahrzeuge schlägt der ACEA ebenfalls einen gestaffelten, aber längeren Übergang vor, ohne einen konkreten Zeitplan zu nennen. Die Elektrifizierung von Bussen und schweren Lkw verlaufe langsamer, während Batterie- und Materialhersteller ihre europäischen Kapazitäten zunächst auf Elektro-Pkw ausrichteten. Elektrische Sattelzugmaschinen sollen ebenfalls einbezogen werden, da für ihre Batterien laut ACEA bereits heute strengere Ursprungsregeln gelten.
Auch bei Plug-in-Hybriden sieht der ACEA Handlungsbedarf: Nach Prognosen seiner Mitglieder würden nur zwei Prozent die vorgesehenen Batterieanforderungen erfüllen. Einen separaten Vorschlag dazu will der Verband noch vorlegen. Das auf den 16. September datierte Schreiben richtet sich unter anderem an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa. Unterzeichnet haben es ACEA-Präsident Ola Källenius (zugleich CEO von Mercedes-Benz) sowie ACEA-Generaldirektorin Sigrid de Vries.