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Infrastruktura

ABB und Oreve bauen Lkw-Ladenetz in Frankreich aus

ABB und Oreve bauen Lkw-Ladenetz in Frankreich aus

ABB E-mobility und Oreve erweitern ihre Zusammenarbeit beim Aufbau öffentlicher Lkw-Ladeinfrastruktur in Frankreich. Bis Ende 2028 sollen zwölf neue Standorte mit rund 100 Ladepunkten und insgesamt 18 MW Ladeleistung entstehen. Die erste MCS-fähige Anlage ist für 2027 geplant.

ABB E-mobility und Oreve arbeiten bereits seit drei Jahren zusammen.

Bild: AAB e-mobility

Der Schweizer Ladetechnikanbieter ABB E-mobility und der französische Ladeinfrastrukturbetreiber Oreve bauen ihre seit drei Jahren bestehende Partnerschaft aus. Nachdem die Unternehmen bislang sechs Standorte entlang wichtiger französischer Güterverkehrsrouten realisiert haben, sollen nun zwölf weitere Ladeparks mit rund 100 Ladepunkten entstehen. Die geplante Gesamtleistung der neuen Anlagen beträgt rund 18 Megawatt. Der Ausbau soll bis Ende 2028 abgeschlossen sein. Darüber hinaus ist die Erweiterung bestehender Standorte vorgesehen.

Zu den bereits in Betrieb genommenen Anlagen zählen Standorte in Bourg-de-Péage auf der Achse zwischen Valence und Grenoble, Vénissieux im Logistikraum Lyon sowie Pardies im Südwesten Frankreichs. Oreve richtet den weiteren Netzausbau verstärkt auf den elektrischen Schwerlastverkehr aus. Die Ladeparks sollen aber weiterhin auch Pkw zur Verfügung stehen.

ABB übernimmt neben der Lieferung der Ladetechnik auch die cloudbasierte Anlagenverwaltung sowie Dienstleistungen zur Echtzeitüberwachung und Fernunterstützung. Die Standorte sollen sich bei wachsender Nachfrage schrittweise erweitern lassen.

ABB plant erste MCS-fähige Anlage für 2027

Bei der technischen Ausstattung setzt Oreve auf zwei Ladesysteme von ABB E-mobility. Zunächst kommen Schnelllader des Typs A400 zum Einsatz, die eine Leistung von bis zu 400 kW dynamisch auf zwei Ladepunkte verteilen können.

Ab Anfang 2027 sollen die Standorte zusätzlich mit der modularen M-Series ausgestattet werden. Das System ermöglicht es, die Ladeleistung eines Standorts durch zusätzliche Leistungsmodule von 400 kW auf bis zu 1,2 MW auszubauen. Dabei lassen sich bis zu 24 Ladeeinheiten integrieren, ohne die zugrunde liegende Leistungsinfrastruktur bei jeder Erweiterung neu errichten zu müssen.

Die M-Series unterstützt sowohl den CCS-Ladestandard als auch das Megawatt Charging System (MCS). Die erste MCS-fähige Installation im Rahmen der Partnerschaft ist für 2027 vorgesehen. Einen konkreten Standort nennen die Unternehmen bislang nicht.

Sowohl der A400 als auch die OM-Ladeeinheiten der M-Series verfügen über flüssigkeitsgekühlte Ladekabel. Diese sollen auch bei längeren Ladevorgängen hohe Stromstärken ermöglichen. ABB nennt bis zu 600 Ampere für den A400 und bis zu 800 Ampere für die OM-Ladeeinheiten.

Frankreich plant 8.000 Lkw-Ladepunkte bis 2035

Der Ausbau erfolgt vor dem Hintergrund der französischen Pläne zur Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs. Bis 2035 sollen nach der nationalen Ladeinfrastrukturplanung rund 8.000 Lkw-Ladepunkte an etwa 560 Autobahnrast- und Serviceanlagen entstehen. Die dafür vorgesehene installierte Ladeleistung beläuft sich auf insgesamt rund 1,6 Gigawatt.

Öffentliche Schnellladeparks ergänzen dabei die Ladeinfrastruktur auf Betriebshöfen. Nach Modellrechnungen von Fraunhofer ISI und ICCT dürften in den meisten europäischen Ländern langfristig mehr als 70 bis 80 Prozent des Ladebedarfs schwerer Elektro-Lkw auf Depots entfallen. Für den Fernverkehr und Ladevorgänge unterwegs bleiben leistungsfähige öffentliche Ladestandorte dennoch wichtig.

Auch ABB E-mobility ist an der Entwicklung entsprechender Depotlösungen beteiligt. Im kürzlich abgeschlossenen Forschungsprojekt BELLEuntersuchte das Unternehmen gemeinsam mit weiteren Partnern die Elektrifizierung von Betriebshöfen. Im Mittelpunkt standen unter anderem Netzanschlüsse, Ladeinfrastruktur und intelligentes Lastmanagement.

Parallel baut ABB sein Servicegeschäft für die Ladeinfrastruktur schwerer Nutzfahrzeuge aus. Erst Ende September vereinbarte das Unternehmen mit dem norwegischen Logistikdienstleister ASKO eine Erweiterung der bestehenden Zusammenarbeit um Überwachung, Wartung und Support. Die beiden Partner arbeiten bereits seit 2019 zusammen und haben inzwischen mehr als 60 Hochleistungsladegeräte in sieben norwegischen Städten in Betrieb genommen.

Oreve gehört zur französischen Ortec-Gruppe und entwickelt ein öffentliches Schnellladenetz für Pkw, leichte Nutzfahrzeuge und schwere Lkw. Bis 2030 will das Unternehmen insgesamt 150 öffentliche Ladestandorte in Frankreich errichten.