Ein Zeekr 7X ist in China an einer Ladesäule in Flammen aufgegangen. Das Auto hatte zuvor bereits einen schweren Unfall erlitten.

In Ningbo in China brach ein Brand im Zeekra 7X aus, der an einer Ladestation stand. Laut einem Video sowie einer späteren Stellungnahme des Herstellers, wie sie chinesische Medien zitierten, war das Fahrzeug zum Zeitpunkt des Vorfalls vermutlich nicht an der Ladevorrichtung angeschlossen und hatte zuvor in einen schweren Unfall verwickelt gewesen.
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Auf dem Video ist etwas Interessantes und für die Beurteilung des Vorfalls Wichtiges zu sehen: Das Kabel der Ladestation, die direkt hinter dem Auto steht, bleibt im Halter. Dies schließt praktisch aus, dass das Fahrzeug gerade diese Ladestation genutzt hat. Es gibt jedoch keine absolute Gewissheit, ob es nicht an einer anderen Station angeschlossen war, denn auf der linken Seite ist ein gespanntes Kabel zu erkennen, während sich das Ladeanschlussgerät im Zeekra 7X hinten auf der linken Seite des Fahrzeugs befindet.
Noch interessanter sind die Details des Autos selbst. Der Kühlergrill ist geöffnet, einige der Kunststoffabdeckungen scheinen demontiert zu sein, und neben dem Auto steht ein Mann, dessen Rolle nicht eindeutig bestimmt werden kann. Es sieht nicht wie eine gewöhnliche Situation aus, in der jemand einfach hinfährt, einen Kabel ansteckt und wartet. Es wirkt eher wie eine Situation, in der bereits jemand etwas überprüft hat oder versucht hat, an die Komponenten unter der Motorhaube zu gelangen.
Was auf dem Video zu sehen ist
Die erste Phase ähnelt nicht der klassischen Entwicklung eines Brandes in einer Hochspannungsbatterie. Man hört ein Dröhnen, es kommt ein Blitz sowie eine Flamme, die auch aus der Vorderseite des Autos strömt. Das könnte auf ein Problem in der Hochspannungsanlage oder auf eine Entzündung eines sekundären Stoffes hindeuten, beispielsweise eines Klimakomponenten nach Beschädigung eines Elements des Systems. Kurz darauf sind bereits intensive Funkenbildung und ein elektrischer Bogen zu sehen, und aus dem Untergrund des Autos fliegen glühende Metallpartikel.
Aber am wichtigsten ist, was danach geschah: Das Feuer breitete sich nicht auf die gesamte Karosserie aus, das Innere fing nicht Feuer, und selbst der Reifen neben der Funkenquelle entzündete sich nicht. Ebenso ist keine typische, langsame und heftige Entwicklung eines Thermal-Runaway-Effekts im gesamten System zu erkennen. Die Feuerwehr konnte die Situation relativ schnell unter Kontrolle bringen.
Das bedeutet nicht, dass „nichts passiert ist“. Es bedeutet lediglich, dass man aus dem Video allein nicht zuverlässig die Schlussfolgerung ziehen kann, dass ein Brand der Antriebsbatterie die Hauptursache war.
Zeekr: Das Auto hatte einen schweren Unfall
In einer offiziellen Stellungnahme gab die Marke an, dass erste Erkenntnisse auf einen früheren Verkehrsunfall dieses Fahrzeugs hindeuten. Das Auto wurde danach weder inspiziert noch in einer autorisierten Werkstatt repariert. Die Ursache des Brandes wird weiter untersucht.
Das sind schlechte Nachrichten für den Autobesitzer, aber eine ziemlich bequeme Mitteilung für den Hersteller. Zeekr gibt nicht an, was genau beschädigt wurde, wie schwer der vorherige Unfall war oder ob es sich um die Batterie, die HV-Kabel, die Wandler, das Kühlsystem oder die tragende Struktur handelte. Wir haben also nur zwei klare Informationen: ein vorheriger schwerer Unfall und das Fehlen einer autorisierten Überprüfung oder Reparatur.
In der Praxis reicht das aus, um einen solchen Fall anders zu behandeln als einen normal genutzten Wagen mit Selbstentzündung. Nach einem starken Aufprall können Probleme erst viel später auftreten. Das betrifft nicht nur die Zellen, sondern auch die Hochspannungsverbindungen, die Isolierung der Kabel, die Dichtungen oder die Kühlkomponenten der Batterie. Manchmal fährt das Auto „normal“, bis es schließlich stillsteht.
Das Problem lag vielleicht nicht am Laden selbst
Das ist wohl der interessanteste Schluss aus der ganzen Geschichte. Der Ort des Geschehens deutet auf Laden hin, aber das Video liefert keinen eindeutigen Beweis dafür, dass gerade die DC-Ladung den Brand verursacht hat. Wenn das Auto tatsächlich nicht angeschlossen war, handelt es sich eher um einen Fahrzeugdefekt, der gerade am Ladepunkt auftrat.
Das ist wichtig, denn im Internet funktioniert alles vorhersehbar: Sobald ein Auto neben einem Ladepfahl steht, wird sofort die Nachricht verbreitet, „der Elektriker ist beim Laden in Brand geraten“. Hier passt hingegen eher die These, „ein beschädigtes Unfallauto ist in der Nähe einer Ladestation in Brand geraten“. Das sind nicht dasselbe.
Zeekr 7X ist ein globales Modell
Es geht um ein Auto, das auf dem chinesischen Markt keine lokale Besonderheit ist. Der Zeekr 7X wird weltweit angeboten, auch in Europa. In der europäischen Ausführung verfügt die Basisversion über einen Motor an der Hinterachse mit 310 kW Leistung, einen LFP-Akku mit 75 kWh Kapazität und eine Reichweite von bis zu 480 km nach WLTP. Die Long-Range-Variante erhält einen Akku mit 100 kWh Kapazität und eine Reichweite von bis zu 615 km nach WLTP, während die topmoderne AWD-Version 475 kW Leistung entwickelt.
Parameter
Zeekr 7X Europa
Antrieb
RWD / AWD
Leistung
310 kW / 475 kW
Akku
75 kWh LFP / 100 kWh NMC
Reichweite
480–615 km WLTP
Länge
4.787 mm
Radstand
2.900 mm
Euro NCAP
5 Sterne
In China ist das Modell auch in leistungsstärkeren Varianten mit einer anderen CLTC-Reichweitenhomologation erhältlich. Das ändert jedoch nichts am Wesentlichen: Es handelt sich um ein Fahrzeug, das den globalen Ruf der Marke aufbaut, weshalb jeder solche Vorfall viel genauer untersucht wird als ein Brand eines anonymen, lokalen Modells.
Die Schlussfolgerungen sind ziemlich einfach, wenn auch wenig eindrucksvoll
Zunächst ist nicht jeder Brand eines Elektrofahrzeugs in der Nähe einer Ladestation ein „Brand während des Ladevorgangs“. Zweitens erfordern Fahrzeuge nach schweren Unfällen eine echte Diagnose des HV-Systems und der Batterie – nicht nur Karosseriereparaturen und Fehlerlöschen. Drittens wird der Gebrauchtwagenmarkt für EVs zunehmend mit diesem Problem konfrontiert sein, denn Schäden, die von außen nicht sichtbar sind, können sich nach Wochen oder Monaten wieder zeigen.
Dieser Fall widerlegt weder die Sicherheit von Zeekr noch bestätigt er sie. Er zeigt vielmehr etwas Weitaus Alltäglicheres: Im Bereich Elektrofahrzeuge kann nach dem Kauf das Teure nicht unbedingt der Akkupaket sein, sondern nur die Illusion, dass „weil das Fahrzeug fährt, alles in Ordnung ist“. Würden Sie ein gebrauchtes Elektrofahrzeug nach einer Reparatur außerhalb eines autorisierten Händlers kaufen, wenn der Verkäufer versicherte, der Akku sei „überprüft“ worden?