Xiaomi SkyNomad: Zwei Range-Extender-SUVs für China ab 34.000 Euro

Xiaomi hat jetzt auch Range Extender (EREV) im Portfolio. Am 30. Juli hat der Konzern in Peking mit SkyNomad seine zweite Fahrzeugbaureihe vorgestellt. Zwei große SUVs sind ab sofort vorbestellbar. Laut Hochrechnung chinesischer Medien wurde bereits eine Zahl von über 100.000 Reservierungen erreicht.
Der siebensitzige SkyNomad N90 Max geht zum Preis von 299.900 Yuan (rund 39.200 Euro) in den Vorverkauf, der fünfsitzige N70 Max zum Preis von 259.900 Yuan (rund 34.000 Euro). Es handelt sich dabei jeweils um die Topversionen mit der Bezeichnung „Max“. Die Varianten „Pro“ und die Basismodelle sollen zum offiziellen Marktstart im September folgen.
Die Preise sind wahrscheinlich mit Absicht so gewählt: So unterbietet der N90 Max das sechssitzige Model Y L von Tesla, das in China 339.000 Yuan (rund 44.300 Euro) kostet. Der N70 Max liegt nah am neuen Li L6 von Li Auto, der seit Mitte Juli für 249.800 Yuan (rund 32.700 Euro) zu haben ist.
Dass Xiaomi diesen Weg einschlagen würde, zeichnete sich früh ab. Bereits im Mai berichteten wir, dass Xiaomi eine Submarke mit Range Extendern plant. Damals war der Codename noch Kunlun N3 und die Informationslage war dünn. Der Codename ist geblieben, allerdings als Technikbezeichnung: Beide SUVs stehen auf der Plattform Kunlun, an der das Unternehmen nach eigenen Angaben seit Anfang 2023, also dreieinhalb Jahre lang, gearbeitet hat.
SkyNomads haben einen Verbrennungsmotor an Bord
Zur Einordnung für alle, die diesen Antrieb noch nicht kennen: Ein Auto mit Range Extender fährt immer elektrisch. Für den Vortrieb sorgen ausschließlich Elektromotoren. Geht der Batterie unterwegs aber der Strom aus, springt ein kompakter Verbrennungsmotor an. Dieser arbeitet jedoch nur als Generator und erzeugt Strom. Seine Kraft gelangt nie an die Räder.
Um die typische Schwäche solcher Autos – eine kleine Batterie und damit einen ständig mitlaufenden Generator – zu umgehen, setzt Xiaomi auf große 52 bzw. 76 kWh Akkus. Als Stromerzeuger dient ein aufgeladener 1,5-Liter-Motor mit 112 kW von Harbin Dongan. Motor, Generator und Leistungselektronik stecken in einem gemeinsamen Gehäuse mit Halbleitern aus Siliziumkarbid. Xiaomi nennt 15,85 kWh Stromverbrauch je 100 Kilometer und eine Umwandlung von 3,66 kWh je Liter Kraftstoff. Gewartet werden muss der Generator nach der ersten Inspektion nur noch alle drei Jahre oder 30.000 Kilometer.
Der N90 Max: Siebensitzer mit 1.705 Kilometern Gesamtreichweite
Mit 5,28 Meter Länge, 1,99 Metern Breite und 1,82 Metern Höhe ist der N90 Max das Flaggschiff der Baureihe und ein ausgewachsenes Format. Der Radstand beträgt 3,08 Meter, gewendet wird trotzdem in 5,95 Metern. Die Silhouette ist bewusst kastig gestaltet: Ein flaches Dach sorgt für Kopffreiheit in den Reihen zwei und drei, eine durchgehende Fensterlinie und eine ansteigende Schwellerkante runden das Design ab. Über 140 aerodynamische Detailmaßnahmen drücken den Luftwiderstandsbeiwert auf 0,255 – für diese Stirnfläche ein guter Wert.
Angetrieben wird der N90 Max von zwei Motoren mit einer Systemleistung von 310 kW (416 PS) und Allradantrieb. Der Sprint auf Tempo 100 dauert 5,9 Sekunden, bei 190 km/h ist Schluss. Die 76 kWh große Ternärbatterie von CALB reicht im chinesischen Zyklus CLTC für 464 Kilometer rein elektrisch. Mit vollem Tank kommt der N90 Max von Xiaomi auf 1705 Kilometer kombiniert. Ist die Batterie leer, sollen 6,26 Liter je 100 Kilometer nach WLTC genügen. Das Laden geht schnell: 285 Kilometer in einer Viertelstunde und von 20 auf 80 Prozent in 18 Minuten. Das Fahrwerk wurde von SU7 und YU7 übernommen und verfügt über Doppelquerlenker vorn, eine Mehrlenkerachse hinten und fünfstufige Luftfedern.
Im Inneren finden sieben Personen in der Aufteilung 2+2+3 Platz. Xiaomi nennt bis zu 1,55 Meter Beinfreiheit in der zweiten Reihe, die Sitzschienen messen bis zu 1,93 Metern. Vier Sitze lassen sich in eine Schwerelosigkeitsposition bringen und die Vordersitze drehen sich elektrisch nach hinten. Wenn man die zweite und dritte Reihe umklappt und die Vordersitze mitdreht, entsteht eine 2,30 Meter lange Liegefläche. Der Kofferraum fasst maximal 1.831 Liter und bei voller Besetzung mit sieben Personen immer noch sieben Koffer. Hinzu kommen 34 Ablagen, ein neun Liter fassender Kühlschrank und 25 Lautsprecher.
In puncto Sicherheit fährt der N90 Max die längste Liste auf: 90,4 Prozent der Karosserie bestehen aus hochfestem Stahl und Aluminium, zwölf Airbags sind serienmäßig und die Wattiefe liegt bei 750 Millimetern. Im Cockpit kommt der Snapdragon 8 Gen 3 zum Einsatz, für die Assistenz der Drive Thor von Nvidia mit 700 TOPS. Zusätzlich zum vorderen Lidar verfügt der N90 Max über einen nach hinten gerichteten Lidar in Feststoffbauweise.
Der N70 Max: Kürzer, günstiger und mit der größeren Elektroreichweite
Mit 4,96 Meter Länge, 1,99 Meter Breite und 1,76 Meter Höhe ist der N70 Max gut 32 Zentimeter kürzer und steht auf einem um 13 Zentimeter kürzeren Radstand von 2,95 Metern. Anstelle von sieben Plätzen gibt es fünf, dafür ist der Preis um 40.000 Yuan (rund 5.200 Euro) niedriger. Das Feld in dieser Fahrzeugklasse ist dicht besetzt. Der neue Li Auto L6 kostet fast dasselbe.
Technisch ist der N70 Max in einem Punkt sogar interessanter, denn er fährt rein elektrisch weiter als das Flaggschiff N90. Zur Wahl stehen zwei Batterien: 52 kWh mit Lithiumeisenphosphat als Einstiegsmodell und 76 kWh mit Ternärzellen als höherwertige Option. Damit kommt er im CLTC-Zyklus auf bis zu 505 Kilometer rein elektrisch und im WLTC-Zyklus auf 380 Kilometer. Laut Xiaomi ist das der beste Wert seiner Klasse und er liegt 41 Kilometer über dem des N90 Max. Auch der N70 Max fährt mit zwei Motoren und Allrad vor: 210 kW vorne und 100 kW hinten ergeben ebenfalls 310 kW. Bei leerer Batterie nennt Xiaomi einen Verbrauch von 5,7 bis 6,28 Litern je 100 Kilometer.
Der N70 Max erhält von der Plattform alles Wesentliche: den ebenen Boden, die langen Sitzschienen und den ausfahrbaren Schrank in der Mittelkonsole samt Kühlfach. Das Assistenzsystem HAD und der Rechner von Nvidia sind serienmäßig. Verzichten muss man auf den rückwärtigen Lidar und naturgemäß auf die dritte Sitzreihe. Wer statt eines Familienbusses einen Fünfsitzer mit sehr großem Kofferraum sucht, bekommt hier das rationalere Angebot.
Die Plattform Kunlun wurde um den Innenraum herum gebaut
Xiaomi hat die übliche Reihenfolge umgedreht und erst den Innenraum gebaut, dann alles andere. Der Vorderwagen misst 1,26 Meter, da fünf Komponenten des Antriebs in einer Einheit zusammengefasst sind. Hinten schafft ein flach bauender Elektroantrieb 14,5 Zentimeter mehr Platz, die Luftfeder wandert in den Querlenker und senkt den Boden somit um weitere 37 Millimeter, und das Batteriepaket mit nach innen verlegter Steuerung senkt ihn noch einmal um 18 Zentimeter.
Das Ergebnis ist ein durchgehend ebener Boden von der ersten Reihe bis in den Kofferraum: Er ist knapp drei Meter lang und über 4,4 Quadratmeter groß. Die Stufe zwischen den Sitzreihen und dem Ladeboden, die große SUVs sonst zerteilt, entfällt. Die zweite und dritte Reihe lassen sich jeweils um 90 Zentimeter verschieben und elf Innenraummodi ruft der Sprachassistent auf Zuruf ab.
Volle Auftragsbücher, aber schrumpfendes Segment
Die Kundschaft hat deutlich reagiert. In der Woche nach der Premiere hat das chinesische Portal Cailian Verkaufsstellen von Xiaomi in Peking, Wuhan, Shanghai und Chengdu besucht und pro Standort 200 bis 300 hinterlegte Anzahlungen gezählt. Hochgerechnet auf die 499 Standorte des Konzerns ergäbe das über 100.000 Reservierungen. Wichtig dabei ist: Dies ist eine Schätzung auf Basis einer Stichprobe, keine offizielle Zahl von Xiaomi. Allein in Peking sollen am 2. August 4.800 Anzahlungen eingegangen sein, in der Region Peking und Tianjin zusammen über 30.000. Gefragter ist der große Siebensitzer.
Xiaomi hat sich für 2026 auf 550.000 Auslieferungen festgelegt, schaffte von Januar bis Juli aber erst rund 220.000. Die Modelle SU7 und YU7 kommen zusammen auf etwa 30.000 Fahrzeuge im Monat. Um das Jahresziel zu erreichen, müsste Xiaomi in den verbleibenden fünf Monaten im Durchschnitt über 60.000 Autos ausliefern. Und ausgerechnet das Segment, in das der Konzern nun einsteigt, schrumpft. Laut Daten des Herstellerverbands CPCA wurden in China im ersten Halbjahr 450.000 Fahrzeuge mit Range Extender verkauft – also gut 15 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Firmenchef Lei Jun ist jedoch der Meinung, der Markt sei alles andere als gesättigt, und verweist auf die hohe Nachfrage nach dem neuen Li Auto L6.
Die Produktion der SkyNomad Modelle läuft im zweiten Bauabschnitt des Pekinger Werks bereits an. Die Verkäufer versprechen, dass sich die langen Wartezeiten, wie sie beim YU7 auftraten, nicht wiederholen werden, und dass erste Fahrzeuge nach dem Marktstart im September sofort verfügbar sein werden. Öffentlich zu sehen ist der N90 erstmals ab dem 21. August auf der Auto Show in Chengdu. Xiaomi nennt unter anderem die folgenden Zulieferer: Harbin Dongan für den Range Extender, Hesai und RoboSense für die Lidarsysteme sowie Bosch für die Bremsanlage.