Weltpremiere des Mercedes GLA: Bis zu 320 kW Ladeleistung und eine Reichweite von 657 km

Mit dem neuen GLA hat Mercedes seinen üblichen Ansatz umgekehrt: Früher brachte der Automobilhersteller zunächst das Verbrennungsmotor-Modell auf den Markt und folgte später mit einer elektrischen Variante. Dieses Mal werden im November drei batterieelektrische Modelle vorgestellt, während die Hybridversionen erst Anfang 2027 auf den Markt kommen. Für das meistverkaufte Kompaktmodell der Marke ist dies eine klare Botschaft – und ein Signal an die Branche: Die Elektroantriebe haben bei Mercedes Einzug gehalten, sogar im Massensegment der A-Klasse.
Der GLA basiert auf der 800-Volt-Architektur, die Mercedes erstmals mit dem elektrischen CLA einführte und auch im elektrischen GLB verwendet. Die Einstiegsversion GLA 200 verfügt über eine 58 kWh große LFP-Batterie, während die Modelle GLA 250+ und GLA 350 4MATIC mit einer 85 kWh großen NMC-Batterie ausgestattet sind. Letztere ermöglicht eine Reichweite von bis zu 657 Kilometern (WLTP). Bemerkenswerterweise erreichen alle drei Varianten eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h. Mit einem Einstiegspreis von 48.599 Euro ist der GLA das preisgünstigste elektrische SUV von Mercedes.
Von 10 auf 80 Prozent in 22 Minuten
Dank seiner 800-Volt-Architektur bietet der Mercedes GLA eine beeindruckende Ladeleistung: Der GLA 250+ und der GLA 350 4MATIC können an einer 800-Volt-Ladestation bis zu 320 kW aufnehmen und so den Akku in nur 22 Minuten von 10 auf 80 Prozent aufladen.
Während dieser Zeit werden fast 60 kWh Energie an das Fahrzeug übertragen, was einer durchschnittlichen Ladeleistung von etwa 162 kW über die gesamte Ladekurve entspricht. Solche Durchschnittswerte sind aussagekräftiger als Spitzenwerte, da eine hohe Spitzenleistung wenig nützt, wenn sie bereits nach nur vier Minuten wieder abfällt. Mercedes gibt an, dass zehn Minuten Ladezeit bis zu 270 Kilometer zusätzlichen WLTP-Reichweiten ermöglichen – eine Zahl, die kaum ein anderes Elektrofahrzeug im Kompaktsegment erreichen kann.
Allerdings hinkt das Basismodell hinterher: Der GLA 200 verfügt über eine Lithium-Eisen-Phosphat-Batterie mit einer nutzbaren Kapazität von 58 kWh und lädt maximal mit 200 kW. In zehn Minuten erhält er eine Reichweite von 145 bis 165 Kilometern zurück. Aufgrund der kleineren Batterie dauert es etwas über 20 Minuten, um von 10 auf 80 Prozent aufzuladen. Dadurch ist er nominell schneller als die größeren Modelle – doch mit weniger gespeicherter Energie. Die LFP-Chemie ist günstiger und langlebiger, verträgt tägliche Vollaufladungen besser und enthält kein Kobalt. Der Kompromiss ist seine geringere Energiedichte, die sich auf die Reichweite auswirkt.
Ein Detail, das in der Praxis zu Frustration führen kann, ist der Gleichstromwandler, der es dem GLA ermöglicht, an 400-Volt-Ladestationen aufzuladen. Allerdings ist dieses Bauteil nur als optionales Zubehör erhältlich. Wer es nicht bestellt, ist auf die noch nicht weit verbreiteten 800-Volt-Lader beschränkt. Bei Wechselstromladung liegt die Standardleistung bei 11 kW, während 22 kW als Option verfügbar ist und die Ladezeit an Heim-Ladestationen oder Wechselstrom-Ladestationen halbiert.
GLA 200 Electric
GLA 250+ Electric
GLA 350 4MATIC Elektroversion
Antriebsstrang
Hinterradantrieb
Hinterradantrieb
Vollzeitallradantrieb
Leistungsausgang
165 kW / 224 PS
200 kW / 272 PS
260 kW / 354 PS
Drehmoment
335 Nm
335 Nm
515 Nm
Beschleunigung
8,1 s
7,3 s
5,4 s
Höchstgeschwindigkeit
210 km/h
210 km/h
210 km/h
Batterie (nutzbar)
58 kWh
LFP
85 kWh
NMC
85 kWh
NMC
Verbrauch (WLTP)
394 bis 447 km
577 bis 657 km
555 bis 643 km
Verbrauch (WLTP)
17,0 bis 14,8 kWh/100 km
17,3 bis 15,1 kWh/100 km
17,6 bis 15,1 kWh/100 km
DC-Ladestrom
200 kW
320 kW
320 kW
Ladzeit per DC-Ladung
10 bis 80 %
20 Minuten
22 Minuten
22 Minuten
Ladestrom für AC-Anschluss
(Standard/Option)
11 / 22 kW
11 / 22 kW
11 / 22 kW
Ladegeschwindigkeit für AC-Ladung
(11 kW/22 kW)
6 Std. 30 Min. / 3 Std. 30 Min.
9 Std. / 4 Std. 45 Min.
9 Std. / 4 Std. 45 Min.
Leergewicht
2.145 kg
2.155 kg
2.235 kg
Gesamtgewicht des Fahrzeugs
2.625 kg
2.635 kg
2.715 kg
Nutzlast
480 kg
480 kg
480 kg
Zugkraft
ungebremst/gebremst
750 / 1.500 kg
750 / 1.500 kg
750 / 2.000 kg
Startspeicher
410 bis 1.400 l
410 bis 1.400 l
410 bis 1.400 l
Frunk
107 l
107 l
107 l
Basiskosten (inkl. MwSt.)
48.599 €
54.978 €
58.107 €
In Zukunft wird Mercedes Anfang 2027 eine vierte Variante mit einer 71 kWh großen NMC-Batterie einführen, um die deutliche Lücke zwischen den Optionen mit 58 und 85 Kilowattstunden zu schließen.
Stabiler Konsum, aber hoch.
Mit etwa 15 kWh pro 100 Kilometern erreicht der 4,57 Meter lange SUV mit einem Gewicht von über zwei Tonnen eine hervorragende Effizienzwert. Dies liegt vor allem an seiner Aerodynamik: Mit einem Widerstandskoeffizienten (cW) von 0,27 ist der neue GLA deutlich aerodynamischer als sein Vorgänger. Bei Autobahnfahrzeugen ist der Luftwiderstand der größte Faktor, der den Verbrauch beeinflusst, und jeder Dezimalpunkt im Widerstandskoeffizienten wirkt sich direkt auf die Reichweite aus.
Allerdings ist das Gewicht weniger beeindruckend: 2.145 bis 2.235 Kilogramm sind für ein kompaktes SUV recht hoch, und die Nutzlast von 480 Kilogramm wird bei fünf Insassen schnell erreicht. Dennoch sollte dies für die meisten Nutzer ausreichen. Vier Erwachsene mit Gepäck würden das GLA theoretisch an seine Grenzen bringen. Praktisch gesehen profitieren diejenigen, die das Allradmodell als Anhängerkraftwagen nutzen möchten, von seiner Zwei-Tonnen-Anhängelast – was für ein batterieelektrisches Fahrzeug dieser Größe bemerkenswert ist. Die Hinterradantriebsmodelle bieten eine gebremste Anhängelast von 1,5 Tonnen.
Nicht jedem wird das beleuchtete Kühlergrill gefallen.
Die neue GLA ist 4,57 Meter lang, 1,87 Meter breit und 1,60 Meter hoch – das macht sie 20 Millimeter niedriger als ihren Vorgänger. Dank des elektrischen Antriebsystems ist die Radstandlänge um 61 Millimeter auf 2,79 Meter gewachsen, und die Spurweite hinten hat sich um 31 Millimeter auf 1,62 Meter vergrößert, was einen Wendekreis von 11,53 Metern ergibt. Diese Abmessungen zeigen sich in der Fahrposition des Autos: Es steht fester auf der Straße, die Kotflügel über den Hinterrädern sind deutlich ausgeprägt und die Räder liegen exakt in Linie mit der Karosserie. Der Seitenansicht ist die ansprechendste Perspektive: saubere Flächen, minimale Linien und ein sanft abfallendes Dach.
Allerdings ist die Vorderseite umstrittener: Das Kühlergrill mit 608 hinterleuchteten Polycarbonatpunkten, 158 Micro-LEDs sowie einem sehr großen, zentral platzierten Stern ist das erste Mal, dass Mercedes dieses Designelement in den Kompaktsegment einsetzt. Die helle Variante wirkt dominiert – sogar überwältigend –, da der Stern fast die Hälfte der Fläche einnimmt. In der Night Edition, die AMG Line und Night Package beinhaltet, fügt sie sich viel besser in das Gesamtdesign ein und verleiht dem Fahrzeug ein anspruchsvolleres Erscheinungsbild.
Die Rückseite hingegen wirkt harmonischer. Sternförmige Rücklichter, ein durchgehender Lichtstreifen, ein ordentlich integrierter Dachspoiler sowie eine untere Abteilung mit schwarzen Verzierungen verleihen dem Auto optische Breite, ohne aufdringlich zu wirken. In dieser Hinsicht ist das neue elektrische GLA das raffiniertere und reifere Fahrzeug.
Viel Anzeigefläche, wenige Tasten
Hinter einer durchgehenden Glasoberfläche verfügt das optionale MBUX Superscreen über ein 10,25-Zoll-Fahrerdisplay, ein 14-Zoll-Zentraldisplay sowie ein 14-Zoll-Passagierdisplay. Die kreisförmigen Lüftungsschlitze mit beleuchteten Ringen sowie die auffällig gestaltete Mittelkonsole stammen direkt vom CLA. Dies verleiht dieser Fahrzeugklasse ein Premium-Gefühl, führt jedoch zu einem Mangel an physischen Bedienelementen. Diejenigen, die regelmäßig lange Strecken fahren, werden das Lautstärkeregler am Lenkrad schätzen – eines der wenigen verbliebenen Drehregler.
Die längere Radstandverlängerung verbessert den Innenraum: Im Fond gibt es 38 Millimeter mehr Beinfreiheit, 24 Millimeter mehr Kopffreiheit sowie einen Kofferraumvolumen von 410 Litern – 70 Liter mehr als beim Vorgänger. Wenn die Rücksitze umgeklappt werden, vergrößert sich das Kofferraumvolumen auf 1.400 Liter. Zudem reicht der 107-Liter-Frunk aus, um Ladekabel sowie sogar einen Handgepäckkoffer unterzubringen. Ein serienmäßiges Panoramadach verstärkt das Raumgefühl im Innenraum weiter. Das umschaltbare SKY CONTROL Panoramadach mit 172 integrierten Sternen sowie die angekündigten Streaming-Dienste DAZN und die AirPlay-Videofunktion sind beim Markteintritt noch nicht verfügbar, werden aber später hinzugefügt.
Das Ambiente-Beleuchtungssystem bietet 64 Farben, zehn Farbwelten, 20 Helligkeitsstufen sowie drei Helligkeitszonen, wodurch die Atmosphäre der Innenbeleuchtung individuell angepasst werden kann. Als optionales Extra steht ein neues Burmester 3D-Surround-Sound-System mit Dolby Atmos zur Verfügung. Dieses System verfügt über vier zusätzliche Lautsprecher sowie mehr Leistung als zuvor – insgesamt 16 Lautsprecher und ein 850-Watt-Verstärker.
KI-Assistenten, Software und Kohlenstofffußabdruck
Acht Kameras, fünf Radarsensoren und zwölf Ultraschallsensoren versorgen eine wassergekühlte Steuereinheit mit einer Rechenleistung von 254 Teraflops pro Sekunde. Diese beeindruckende Rechenleistung dient den Fahrerassistenzfunktionen, die über Over-the-Air-Updates bereitgestellt werden. Der MB.DRIVE ASSIST arbeitet auf SAE-Niveau 2; die Plus-Version kann unter Einhaltung aller Bedingungen sogar auf Autobahnen autonom Spuren wechseln.
Der MBUX-Virtuelle Assistent, angetrieben von generativer KI, kann komplexe, mehrteilige Gespräche führen und Details behalten. Er kombiniert Modelle von ChatGPT, Microsoft Bing und Google Gemini, wodurch er während eines Gesprächs zwischen ihnen wechseln kann. Das Navigationssystem basiert auf Google Maps und wird durch den Automotive AI Agent von Google Cloud erweitert. Dieser kann beispielsweise in Dialog mit der Navigationsfunktion nach Ladepunkten mit einer bestimmten Ladeleistung, Parkplätzen oder Sehenswürdigkeiten suchen.
In der gesamten Wertschöpfungskette reduziert das elektrische GLA seinen CO₂-Fußabdruck im Vergleich zum aktuellen Verbrennungsmotormodell um etwa 40 Prozent. Die neue Batteriegeneration verursacht pro Zelle rund 30 Prozent weniger CO₂, und etwa 40 Prozent des Alümins stammen aus der Elektrolyse mit erneuerbarer Energie. Insgesamt entspricht das einer CO₂-Einsparung von rund 400 Kilogramm pro Fahrzeug. Der Anteil an recycelten Materialien ist viermal höher als beim Vorgängermodell, und die Teppiche bestehen vollständig aus recyceltem Econyl-Garn.
Preis und Positionierung
Mit einem Preis von 48.599 Euro ist der GLA 200 das „Einstiegsmodell“ in der Serie, bietet jedoch die kürzeste Reichweite – bis zu 447 Kilometern – sowie eine Ladeleistung von 200 kW. Die Prämie von 6.378 Euro für den GLA 250+ sichert zusätzliche 210 Kilometer Reichweite sowie eine volle Ladeleistung von 320 kW. Der GLA 350 4MATIC kostet weitere 3.130 Euro, verfügt über Allradantrieb, erreicht in 5,4 Sekunden eine Geschwindigkeit von 100 km/h und hat eine Ziehkraft von zwei Tonnen, verliert aber 14 Kilometer Reichweite. Die Variante mit einer 71 kWh großen Batterie, die voraussichtlich Anfang 2027 auf den Markt kommt, wird besonders interessant sein, da sie wahrscheinlich den idealen Kompromiss für die meisten Käufer darstellt.
Technisch gesehen sind der elektrische GLA und sein größeres Modell, der elektrische GLB, Zwillinge. Sie teilen sich die MMA-Plattform, die 800-Volt-Architektur, eine Ladeleistung von 320 kW sowie die 58 kWh großen LFP- oder 85 kWh großen NMC-Batterien. Der GLB 250+ bietet dieselbe Leistung von 200 kW wie der GLA 250+ und erreicht ebenfalls in etwa 7,4 Sekunden eine Geschwindigkeit von 100 km/h.
Die Unterschiede liegen im Fahrzeugkörper – und das hat seinen Preis. Mit 4,73 Metern ist der GLB 16 Zentimeter länger, die Radstandlänge beträgt 2,89 Meter, der Kofferraumvolumen steigt auf 540 Liter (von 410 Litern) und der Frunk fasst 127 Liter (gegenüber 107 Litern). Für zusätzliche 1.309 Euro ist eine dritte Sitzreihe verfügbar, die beim GLA nicht als Option vorhanden ist.
Der GLB 250+ beginnt bei 59.048 Euro, das sind etwa 4.070 Euro mehr als der GLA 250+. Für Mercedes macht das die Entscheidung außergewöhnlich klar: Wer Reichweite und Effizienz priorisiert, sollte den GLA wählen. Wer mehr Platz oder sieben Sitze benötigt, zahlt fast 4.000 Euro mehr für den GLB – erhält dafür jedoch 130 Liter mehr Kofferraumvolumen, verliert aber etwa 26 Kilometer an Reichweite. Im Vergleich zum CLA 250+ Shooting Brake ist der GLA 250+ etwa 2.110 Euro günstiger, während der 350 4MATIC 3.550 Euro weniger kostet als sein GLA-Äquivalent.
Quelle: Pressemitteilung von Mercedes
Quelle: electrive