Zurück zu den Nachrichten
Sonstiges

Ungarn prüft Vereinbarungen mit BYD und CATL. Subventionen und Genehmigungen werden erneut genauestens untersucht.

Ungarn prüft Vereinbarungen mit BYD und CATL. Subventionen und Genehmigungen werden erneut genauestens untersucht.

Die seit Mai 2026 von Péter Mágyar geführte neue ungarische Regierung prüft die zuvor mit chinesischen EV- und Batterieunternehmen abgeschlossenen Investitionsverträge. Es geht um BYD und CATL, aber auch um strengere Umwelt- und Arbeitsstandards, die das Ausbautempo der Fabriken beeinträchtigen könnten.

Für Fahrer aus Europa handelt es sich dabei nicht um eine politische Kuriosität. Dies könnte sich auf die Fertigstellungszeiten der Produktionskapazitäten auswirken und somit auf die Verfügbarkeit von Autos sowie Batteriezellen.

BYD hat in Ungarn viel zu verlieren

BYD hat sich in Ungarn eine wirklich starke Position aufgebaut. In Szeged entsteht die erste europäische Automobilfabrik der Marke, wobei die Probeproduktion Anfang 2026 begann und die angestrebte Kapazität schrittweise auf 200.000 Autos pro Jahr ansteigen soll. Hinzu kommen das 2025 nach Budapest verlegte europäische Hauptquartier und Forschungszentrum, eine Fabrik für Elektrobusse sowie ein Batteriemontagewerk.

Jetzt will die neue Regierung zu den Vereinbarungen aus der Zeit von Viktor Orbán zurückkehren. Laut Nikkei Asia umfassten die im Juli veröffentlichten Details staatliche Unterstützungsversprechen sowie die Möglichkeit, etwa 10.000 chinesische Arbeiter einzustellen. Das klingt bereits politisch, doch es gibt noch das Thema Arbeitsbedingungen.

China Labor Watch beschrieb nach Gesprächen mit chinesischen Arbeitern bei dem Bau einer neuen BYD-Fabrik Arbeitszeiten von bis zu 14 Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche. Schlecht. Die ungarische Regierung muss nun nicht nur die Subventionen selbst überprüfen, sondern auch die administrativen Genehmigungen sowie andere staatliche Verpflichtungen im Zusammenhang mit dem Zuzug von BYD ins Land.

Auch das Personalthema spielt eine Rolle. Der ehemalige Außen- und Handelsminister Péter Szijjártó, der unter Orbán die Ansiedlung von BYD in Ungarn verhandelt hat, wechselte im Juli 2026 zu BYD in die Position des Leiters für externe Beziehungen und Entwicklung neuer Geschäftsfelder. Eine solche Bewegung wirkt immer schlecht, wenn kurz darauf jemand anfängt, öffentliche Gelder zu verprassen.

CATL wurde bereits in die Schranken gewiesen, und die Kontrollen sollen strenger werden

Auch um die Batteriebranche wird intensiver gearbeitet. Ungarn bereitet neue Regeln vor, nach denen Fabriken, die Umweltvorschriften verletzen, künftig nicht mehr bevorzugt behandelt werden. Ebenfalls soll eine neue Behörde zur Überwachung der Umweltauflagen in Batteriefabriken eingerichtet werden. Mit Befugnis, das Fabrikgelände zu betreten und bei Verstößen die Produktion einzustellen. Das ist schon keine Public Relations mehr.

Dies betrifft vor allem CATL und seine Fabrik in Debreczin. Die Produktion der Module findet dort bereits statt, doch der Beginn der eigentlichen Zellproduktion ist verzögert worden. Die Zellfabrik war ursprünglich für eine Jahresproduktion von 40 GWh konzipiert und soll langfristig auf 100 GWh ausgebaut werden.

Ende August stoppte die ungarische Arbeitsschutzbehörde vorübergehend die Arbeiten in drei Bereichen des Zellproduktionsgebäudes. Zuvor wurden bei neun Arbeitnehmern eine erhöhte Nickelexposition festgestellt, und weitere Kontrollen zeigten auch Probleme mit den Schutzmaßnahmen. Gleichzeitig verzögerte sich die endgültige Genehmigung für den Betrieb der Zellproduktion. Die erste Erweiterungsphase erhielt Ende August die Genehmigung, doch der Antrag für die zweite Phase wurde vorerst aus formellen Gründen abgelehnt.

Es gab weitere Umweltverstöße. Im August wurde CATL unter anderem wegen Mängeln bei der Kennzeichnung und Lagerung gefährlicher Abfälle mit einer Geldstrafe belegt. Schon im Juni entzogen die Behörden dem chinesischen Hersteller von Trennvorrichtungen, Semcorp, die Betriebslizenz, nachdem erhöhte Metallkonzentrationen in den Grundwässern nahe dem Werk in Debreczin festgestellt wurden.

Die neue Regierung hat keine Beendigung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit China bekannt gegeben. Einfach ausgedrückt: Die Ära der Sonderbehandlung neigt sich dem Ende zu. Die Frage ist nur, ob es dabei bleibt oder wir tatsächliche Verzögerungen bei BYD und CATL in Europa sehen werden?

Newsletter LovEV

Möchten Sie mehr solcher Inhalte?

Tragen Sie sich ein – wir senden Ihnen einen Wochenüberblick, sobald der Newsletter startet.