Wegen möglichem Deal mit JSW: Volkswagen hält Investitionen in Indien zurück

Volkswagen hält weitere Investitionen in ein geplantes Elektroauto-Programm für Indien offenbar vorerst zurück. Der Konzern will wohl die Verhandlungen mit der indischen JSW Group über ein Joint Venture abwarten. Die grundlegenden Entwicklungsarbeiten für ein kostengünstiges E-Auto sind demnach aber bereits abgeschlossen.
Skoda-Händler in Bengaluru, Indien
Bild: Skoda
Volkswagen hat weitere Investitionen in sein geplantes Elektroauto-Programm für Indien offenbar vorerst auf Eis gelegt. Wie Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet, will der Konzern zunächst mehr Klarheit über die mögliche Partnerschaft mit der indischen JSW Group gewinnen, bevor er weiteres Geld in das Vorhaben steckt. Die Entwicklungsarbeiten seien demnach bereits so weit fortgeschritten, dass sich das Projekt nach einer Einigung mit dem potenziellen Partner zügig vorantreiben ließe.
Eine offizielle Bestätigung für den Investitionsstopp gibt es bislang nicht. Bereits vergangenes Jahr hieß es, Volkswagen bzw. die in Indien wichtigste VW-Marke Skoda könnten in die Plattform nicht soviel Geld selbst investieren wie ursprünglich geplant. Aktuell bieten weder Skoda noch VW Elektroautos auf dem indischen Markt an, sondern nur Verbrenner. Das soll sich 2028 ändern. Volkswagen und JSW wollten sich zu dem neuen Bericht von Bloomberg zunächst nicht äußern.
Lokaler Partner soll Kosten senken
Volkswagen und Skoda hatten Anfang September bekannt gegeben, eine strategische Partnerschaft mit JSW auszuloten. Die Unternehmen unterzeichneten dazu eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding). Ziel ist ein mögliches Gemeinschaftsunternehmen, das Pkw für den indischen Markt und den Export entwickeln, produzieren und vermarkten könnte. Neben Elektroautos soll die Zusammenarbeit auch Fahrzeuge mit anderen Antriebsarten umfassen.
Für Volkswagen ist die Suche nach einem lokalen Partner vor allem eine Kostenfrage. Der Konzern will seine Position in Indien ausbauen, verfügt dort bislang aber nur über einen vergleichsweise kleinen Marktanteil. Skoda trägt innerhalb des Konzerns die Hauptverantwortung für das Indien-Geschäft. Beide Marken zusammen steigerten ihren Absatz 2025 nach Angaben des scheidenden Skoda-Chefs Klaus Zellmer um 36 Prozent auf 117.000 Fahrzeuge. Um weiteres Wachstum zu ermöglichen, seien erhebliche Investitionen erforderlich, hatte Zellmer im September erklärt. Ein Partner könnte Kapital beisteuern und zugleich den Zugang zu lokalen Zulieferern, Produktionskapazitäten und Marktkenntnissen verbessern.
Volkswagens Gespräche mit JSW sind auch vor dem Hintergrund früherer Anläufe in Indien zu sehen: Nach gescheiterten Verhandlungen mit dem indischen Autobauer Mahindra sucht Volkswagen seit fast zwei Jahren nach einer Möglichkeit, die Kosten und Risiken seiner Expansion mit einem einheimischen Unternehmen zu teilen. Bloomberg zufolge hatte der Konzern bereits im vergangenen Jahr beschlossen, die Entwicklungskosten für Elektroautos in Indien um ein Drittel zu senken.
Kostengünstige E-Auto-Plattform aus China
Technisch plant Volkswagen schon seit längerem, seine chinesische Elektroauto-Architektur CMP 21 für Indien anzupassen, Arbeitstitel India Main Platform (IMP). Für einen wettbewerbsfähigen Einsatz in Indien dürfte Volkswagen dabei stark auf lokale Komponenten setzen und die Fahrzeuge vor Ort fertigen. Erst dadurch ließen sich die Kosten ausreichend senken, um mit den Angeboten einheimischer Hersteller konkurrieren zu können.
Wie Bloomberg berichtet, hat Volkswagen die Designarbeiten für das Vorhaben bereits abgeschlossen. Das könnte dafür sprechen, dass der Konzern das Projekt bei einer Einigung mit JSW vergleichsweise schnell wieder vorantreiben könnte.