VWs Batterie-Rückruf betrifft 72.700 E-Autos – darunter 10.000 in Deutschland

Schon vor einigen Tagen ist durchgesickert, dass VW einen Batterie-Rückruf für mehrere ID.-Modelle vorbereitet. Jetzt ist es soweit: Wegen fehlerhafter E-Auto-Akkus rufen die Wolfsburger weltweit fast 72.700 E-Autos in die Werkstätten. In Deutschland sollen 10.000 Fahrzeuge betroffen sein.

Bild: Volkswagen
Der Fehler tritt laut den nun offiziellen Angaben in bestimmten Chargen der Modelle ID.3, ID.4, ID.7 und ID. Buzz sowie Cupra Born auf. E-Autos von Volkswagen-Tochter Skoda sind demnach nicht betroffen. Insgesamt unterteilt sich die Initiative in drei Rückrufe. Zwei davon betreffen die genannten VW-Fahrzeuge, die zwischen 2022 und 2025 gebaut wurden. Beim dritten Rückruf geht es um Cupra-Born-Fahrzeuge, die aus den Jahren 2022 bis 2024 stammen. Die Halter der entsprechenden Wagen werden per Brief informiert.
Bei dem Rückruf handelt es sich um eine Vorsichtsmaßnahme. Vorfälle mit Sach- oder Personenschäden sind laut KBA nicht bekannt. Bereits vergangene Woche hatte das „Handelsblatt“ berichtet, dass Volkswagen solch einen Rückruf vorbereitet. Hintergrund sind mögliche Produktionsfehler einzelner Hochvolt-Batteriezellen. Interne Qualitätsprüfungen hätten ergeben, dass Zellen in bestimmten Fahrzeugen der ID.-Familie aufgrund von Fertigungsfehlern bei Zulieferern nicht den Qualitätsanforderungen entsprechen, erklärte ein VW-Sprecher gegenüber dem Wirtschaftsmagazin. In seltenen Fällen könnten betroffene Zellen überhitzen, im Extremfall bestehe Brandgefahr.
Als unmittelbare Sicherheitsmaßnahme will Volkswagen den maximalen Ladestand betroffener Fahrzeuge per Over-the-Air-Update auf 80 Prozent begrenzen. In Großbritannien ist ein analoger Rückruf übrigens bereits angelaufen – mit Blick auf den VW ID.3, ID.4, ID.7, ID. Buzz und ID. Buzz Cargo. Dort bezieht sich die Aktion auf Hochvoltbatterien eines bestimmten Zulieferers aus den Jahren 2022 bis 2025. Auch hier wird der Ladestand zunächst auf 80 Prozent begrenzt.
Wie die dauerhafte Reparatur aussehen wird, ist noch offen. Werkstätten sollen laut Informationen des „Handelsblatt“ bei auffälligen Fahrzeugen die Hochvoltbatterie beziehungsweise einzelne Module prüfen. Grundsätzlich sprach das „Handelsblatt“ davon, dass der Rückruf vor allem Europa betrifft. Beim KBA ist hingegen von einem weltweiten Rückruf die Rede. Allein die hohe Zahl betroffener Autos in Deutschland legt aber nahe, dass es sich zumindest schwerpunktmäßig um einen Fokus auf Europa handelt.
In den USA läuft unterdessen bereits eine weitereBatterie-Rückrufaktionfür 22.524 ID.4 der Modelljahre 2023 bis 2026. Auch dort empfiehlt Volkswagen, die Fahrzeuge bis zu einer endgültigen Lösung nur bis maximal 80 Prozent zu laden. Als Lieferant der betroffenen Batteriezellen nennt der Hersteller SK Battery America. Die genaue Ursache ist bislang allerdings nicht geklärt; Volkswagen zufolge können bestimmte Ladeprofile oberhalb von 80 Prozent ein Thermal Runaway innerhalb der Batterie begünstigen.
Davon zu unterscheiden sindzwei frühere US-Rückrufe von Anfang 2026für zusammen 44.551 ID.4. Diese betrafen ausschließlich Fahrzeuge aus dem Werk Chattanooga mit Batteriezellen von SK Battery America aus Georgia. Ursache waren unter anderem falsch ausgerichtete Elektroden in einzelnen Zellen. Die europäischen ID.4 aus Zwickau und Emden verwendeten andere Batteriezellen und waren von diesen Aktionen ausdrücklich nicht betroffen.
heise.de, kba-online.de (die drei KBA-Referenznummern lauten 17137R, 17101R und 17103R)