VW-Technik aus China: Globaler Einsatz geplant

Auf dem Technologietag in Hefei hat die Volkswagen Group China unter anderem ein neues Technologiepaket und die Pläne für Märkte außerhalb Chinas vorgestellt. Der Konzern möchte seine lokalen Entwicklungen künftig auch für weltweite Märkte nutzen und den Standort China zum zentralen Innovations- und Exportknotenpunkt ausbauen.
Bild: Volkswagen-Group China
Die Volkswagen Group China hat auf ihrem Technologietag in Hefei das neue Technologiepaket aus Software, Elektronik und Plattform unter der Bezeichnung VEGA vorgestellt. Damit ist VW derzeit der einzige nicht-chinesische Autobauer, der mit einer eigenständig vor Ort entwickelten Technologiebasis auf dem chinesischen Markt vertreten ist.
CMP und CSP als Basis künftiger VW-Modelle in China
Als Fahrzeugplattformen künftiger VW-Modelle in China stehen zwei verschiedene Varianten zur Verfügung. Die China Main Platform (CMP) ist für Elektromodelle und Plug-in-Hybride des A-Segments vorgesehen. Sie soll bei einem sparsamen Verbrauch von etwa 11 kWh pro 100 Kilometer eine CLTC-Reichweite von über 600 Kilometern ermöglichen. Die Ladezeit von 30 auf 80 Prozent liegt bei 25 Minuten. Für das Oberklasse-Segment ist die China Scalable Platform (CSP) mit einer 850-Volt-Architektur konzipiert, die ein Nachladen von 10 auf 80 Prozent in 13 Minuten ermöglicht. Damit kommt ein Ladestopp der Zeit eines Tankstopps erneut einen erheblichen Schritt näher. Rein elektrische CSP-Modelle sollen Reichweiten von mehr als 800 Kilometern bei unter 13 kWh pro 100 Kilometer erreichen.
Hochentwickelte Assistenzsysteme in China essenziell
Einen besonders hohen Stellenwert nehmen die Fahrerassistenzsysteme ein, da hochentwickelte ADAS-Funktionen in China mittlerweile zu den wichtigsten Kaufkriterien zählen. Für das assistierte Fahren hat die Software-Tochter Carizon die erste selbstentwickelte L2++-Komplettlösung HyperSense 8 (HS 8) realisiert. Das System geht 2026 in sieben neuen elektrifizierten Modellen der chinesischen Joint Ventures FAW-Volkswagen, SAIC Volkswagen und VW Anhui in Serie.
Mit HS 8 wird ein leistungsfähiger Bordcomputer mit VW-Fahrzeugsteuerung eingesetzt, der navigationsgestütztes Fahren (NOA) sowohl auf Autobahnen als auch im innerstädtischen Verkehr abdeckt. Zudem sind automatisierte Parkassistenten für sämtliche Alltags- und Parksituationen integriert.
Um diese Fahrassistenten und künftige autonome Fahrfunktionen auf die Straßenverhältnisse Chinas vorzubereiten, nutzt Volkswagen ein virtuelles Testgelände des konzerneigenen KI-Weltmodells GAIA 2.0. Die Software absolviert täglich rund fünf Millionen Simulationskilometer auf Basis von 30 Millionen realen Szenensegmenten und soll künftig auf bis zu zehn Millionen Trainingskilometer pro Tag skaliert werden. Durch diesen enormen Datensatz soll das System lernen, selbst seltene und unerwartete Extremsituationen im chinesischen Straßenverkehr sicher zu beherrschen.
Level-4-Autonomie ab 2029 geplant
Für 2027 ist die Serienreife von Level-3-Systemen geplant, bei denen der Fahrer die Hände unter bestimmten Bedingungen dauerhaft vom Lenkrad nehmen kann. In Hefei erhielt Volkswagen kürzlich bereits die offizielle Lizenz für Straßentests unter realen Bedingungen. Langfristig peilt der Konzern bis 2029 Level 4 an, bei dem das Fahrzeug Fahrten komplett eigenständig übernimmt. Die technische Grundlage dafür sollen die dritte Generation der CEA-Elektronikarchitektur (CEA 3.0) sowie ein eigens von Volkswagen entwickelter Steuerungschip namens C7H bilden.
China-Entwicklungen sollen global genutzt werden
Die massiven Investitionen in Chinas Technologie-Ökosystem sind längst kein reines Lokalprojekt mehr für den fernöstlichen Markt. Vor vier Jahren startete der Konzern seine strategische Transformation unter dem Motto „In China, für China“, um die Wettbewerbsfähigkeit vor Ort durch maßgeschneiderte Entwicklungen zu sichern. Nun vollzieht Volkswagen einen strategischen Schwenk: Aus dem bisherigen Leitmotiv wird die globale Ausrichtung „In China, Beyond China“. Der chinesische Standort wandelt sich damit vom reinen Absatzmarkt zum zentralen Forschungszentrum und Exportknotenpunkt für weltweite Konzernaktivitäten.
Neben dem Export von Fahrzeugen und der Nutzung der in China entwickelten Technologien in Schwellenländern könnte womöglich auch bald der Einsatz von China-Elektronik in Europabevorstehen. Bereits heute werden in China produzierte Modelle der Marken Volkswagen und Jetta in den Nahen Osten, nach Usbekistan, Kasachstan sowie in Teile Subsahara-Afrikas geliefert.
Bis Ende 2026 soll der Export auf Märkte wie Mexiko, Ägypten und Vietnam ausgeweitet werden, bevor schrittweise weitere Länder in der ASEAN-Region und in Südamerika folgen. Über den reinen Fahrzeugexport hinaus dient die Kombination aus CMP-Plattform und CEA-Elektronikarchitektur als technische Basis für kommende Modellreihen im Globalen Süden. Südamerika soll ab 2030 als erste internationale Region diese Entwicklungsergebnisse in das lokale Produktportfolio integrieren, gefolgt von Südafrika.