VW-Neustart in China mit Xpeng-Unterstützung läuft offenbar schwach

Volkswagens Neustart in China mit Technologie seines lokalen Partners Xpeng läuft laut einem Agenturbericht sehr holprig. Vom ersten gemeinsam entwickelten Modell VW ID.UNYX 08 konnte Volkswagen demnach nicht mal 10 Prozent soviel verkaufen wie angepeilt. Außerdem soll VW einst den Schulterschluss mit BYD oder Leapmotor gesucht haben, bevor der Xpeng-Deal eingetütet wurde.
VW ID. UNYX 08
Bild: VW
Bereits im Juli 2023 sind VW und Xpeng eine Zusammenarbeit eingegangen, bei der auch eine Beteiligung der Wolfsburger an dem chinesischen Autohersteller in Höhe von rund 5 Prozent besiegelt wurde. Im April diesen Jahres kam dann mit dem Elektro-SUV VW ID. UNYX 08 Volkswagens erstes Modell auf den chinesischen Markt, das auf Technologie von Xpeng basiert, und zwar dessen Edward-Plattform plus Cockpitsysteme, Smart-Driving-Technologien und KI-Chips. Im September folgte dann auch die E-Limousine VW ID. UNYX 09, die technisch verwandt ist. Bald soll zudem die ersten E-Autos von VW in China folgen, die auf der gemeinsam mit Xpeng neu entwickeltenChina Electronic Architecture (CEA)stehen.
Ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zeigt nun aber: Der als Hoffnungsträger für einen Neustart in China lancierte VW ID. UNYX 08 entpuppt sich bislang als Rohrkrepierer. Denn Daten des Beratungsunternehmens ThinkerCar zeigen: Vom VW ID. UNYX 08 wurden zwischen April und August durchschnittlich 267 Fahrzeuge pro Monat verkauft. Dabei soll Volkswagen laut dem Bericht ursprünglich mit einem Absatz von 3.622 Einheiten pro Monat für dieses Jahr geplant haben. Sprich: Zumindest in den ersten fünf Monaten seit Verkaufsstart lag der E-SUV sage und schreibe 92,6 Prozent unter dem Zielwert bzw. erfüllte diesen gerade einmal zu 7,4 Prozent.
Eine Ursache der Absatzschwäche ist laut den von Reuters befragten Insidern das lückenhafte Vertriebsnetz. Das Auto sei deshalb zu wenig bekannt. Denn der VW ID. UNYX 08 wird vor allem über ein neues Händlernetz von Volkswagen Anhui verkauft, und nicht über die mehr als 3.000 Händler, die VW mit seinen Partnern FAW und SAIC bedient. Laut Volkswagen hat das Anhui-Händlernetz bislang erst 166 Niederlassungen. Mit dem langjährigen Partner FAW soll das Auto nun künftig über mehr Anlaufstellen angeboten werden.
ID. UNYX 08 zuletzt mit 17 Prozent Rabatt angeboten
Weitere Probleme des Modells liegen offenbar in der Ausstattung und der Preisgestaltung. Zum Start im April wurde der VW ID. UNYX 08 zu Preisen ab 229.900 Yuan angeboten, also umgerechnet weniger als 29.000 Euro. Doch das war offenbar nicht wettbewerbsfähig, denn seit Wochen bietet VW das Modell mit 17 Prozent Rabatt an, so die Nachrichtenagentur.
Chinesische Konkurrenten in derselben Preisklasse bieten hingegen eine deutlich fortschrittlichere Ausstattung: Der Xiaomi YU7 verfügt etwa über ein hochentwickeltes Sensorpaket, der 7X von Zeekr bietet deutlich bessere Schnellladefunktionen. Laut ThinkerCar verkaufte Xiaomi zwischen April und August fast 57.000 Einheiten des YU7, Zeekr setzte mehr als 21.000 Exemplare des 7X ab – demgegenüber stehen etwa 1.300 verkaufte Einheiten des VW ID. UNYX 08. „Chinesische Kunden fragen sich: Warum ein teures deutsches Auto kaufen, wenn man die entsprechende Technologie deutlich günstiger bekommen kann?“, sagt Pedro Pacheco, Vice President of Research bei Gartner.
VW hat Partnerschaft mit BYD und Leapmotor erwogen
Neben dem Blick auf den VW ID. UNYX 08 wirft der Reuters-Bericht zudem auch ein größeres Bild auf die China-Strategie von Volkswagen und fördert bislang Unbekanntes zu Tage: Demnach soll VW, noch bevor es 2023 die Partnerschaft mit Xpeng einging, bereits 2022 zunächst versucht haben, eine Kooperation mit Chinas größtem E-Auto-Hersteller BYD einzufädeln, um dessen Dolphin-Plattform für Fahrzeuge der chinesischen VW-Submarke Jetta zu nutzen. Warum der Deal letztlich scheiterte, konnte Reuters nicht in Erfahrung bringen. Zudem soll VW vor dem Xpeng-Deal auch mit dem chinesischen Hersteller Leapmotor verhandelt haben, der sich aber für eine Partnerschaft mit Stellantis entschied.
Das China-Geschäft von Volkswagen ist in den vergangenen Jahren massiv eingebrochen. Allein im ersten Halbjahr 2026 ging der Absatz in China um 25,9 Prozent auf 973.000 Fahrzeuge über alle Antriebsarten hinweg zurück. Bei den in China besonders wichtigen E-Autos ging der Absatz sogar um 47,9 Prozent auf 30.900 Einheiten zurück. Gerade erst hat VW als Gegenmaßnahme bei seinen älteren E-Auto-Modellen ID. UNYX 06 und 07, die noch nicht auf Xpeng-Plattformen stehen, Updates und drastische Preissenkungendurchgeführt.