VW könnte chinesische Technologie nach Europa bringen, angesichts von Kostendruck.

Die Volkswagen Group könnte bis zu fünf Milliarden Euro sparen, wenn sie die in China entwickelte CEA-Elektronikarchitektur in ihren europäischen Serienmodellen einsetzen würde. Für Modelle außerhalb Chinas ist jedoch geplant, ein Softwarebündnis mit Rivian einzugehen. Dies hat im Vorstand zu Debatten geführt.
Bild: VW
Die Volkswagen Core-Markengruppe, zu der VW, Škoda und Cupra gehören, muss ihre finanziellen Ergebnisse bis 2030 um etwa 12 Milliarden Euro verbessern und die geplanten Investitionen um fast 15 Milliarden Euro reduzieren. Vor diesem Hintergrund haben Markenchef Thomas Schäfer sowie Vorstandsmitglied für China, Ralf Brandstätter, vorgeschlagen, die für den chinesischen Markt entwickelte CEA-Elektronikarchitektur in zukünftigen europäischen Fahrzeugen wie dem ID.Golf, ID.Passat oder Škoda Enyaq einzusetzen. Laut _Manager Magazin_ gehen Insider davon aus, dass der Fokus auf Segmenten mit hohem Absatzvolumen auf der neuen SSP-Plattform liegt – von Modellen der Größe eines ID.Polo bis hin zu solchen der Größe eines Tiguan. Schätzungen zufolge umfassen diese drei Viertel aller künftigen Elektrofahrzeuge der Gruppe.
Chinesische Technologie günstiger als Rivian-Architektur
Die CEA-Architektur wurde bei der Volkswagen China Technology Company (VCTC) in Hefei in Zusammenarbeit mit Xpeng entwickelt. Mit VCTC-CEO Thomas Ulbrich – der die Partnerschaft mit Xpeng initiierte und das CEA-System für die Produktion im VW-Konzern bereit machte – hat Schäfer einen weiteren Befürworter. Das System wurde bereits erfolgreich in China in Modellen wie dem ID. Aura und ID. Era eingesetzt, während europäische Softwareplattformen bei Audi und Porsche wiederholt zu Verzögerungen führten.
Die für zukünftige Nutzung geplante Architektur von Rivian ist außerdem erheblich teurer als die Lösung aus China. Laut _Manager Magazin_ kostet eine Entwicklungsstunde in dem kalifornischen Joint Venture RVT von Rivian etwa 174 Euro. In China liegt dieser Wert bei rund 60 Euro. Zum Vergleich beträgt die Stundensatz in Deutschland 120 Euro. Befürworter eines Umstiegs auf chinesische Entwicklung argumentieren, dass ein Elektrofahrzeug wie der kommende neue Tiguan mit Rivian-Software etwa 8.000 Euro teurer wäre. Der Umstieg der Serienmodelle auf die CEA-Architektur könnte vier bis fünf Milliarden Euro einsparen.
Der Wettbewerb beschleunigt bereits sein Tempo. Opel-CEO Florian Hüttl hat einen voll elektrischen SUV im C-Segment für 2028 angekündigt, der auf der elektrischen Architektur des Leapmotor B10 basiert. Innerhalb der VW-Gruppe gibt es Bedenken, dass Stellantis nach dem ersten Opel-Projekt schrittweise sein gesamtes Portfolio an Massenmarken auf die kostengünstigere Leapmotor-Technologie umstellen könnte.
Ein solcher Wechsel könnte für Rivian hohe Kosten verursachen
Im Vorstand gibt es Widerstand gegen Schäfers Plan. Audi-CEO Gernot Döllner trug zur Gründung der Rivian-Allianz bei und setzt auf US-Software außerhalb Chinas. Sollten die Massenmarken auf chinesische Technologie wechseln, würde das Rivian-Projekt erhebliche Produktionsmengen verlieren. Dies droht, die Fixkosten pro Fahrzeug für verbleibende Marken wie Audi oder Porsche in die Höhe zu treiben. Laut Schäfers Strategen würde die Kernmarkegruppe dennoch insgesamt drei Milliarden Euro sparen, selbst wenn sie weiterhin an der Finanzierung des Rivian-Gemeinschaftsunternehmens beteiligt wäre.
Ein weiteres Hindernis ist die Anpassung der chinesischen Software an europäische Cybersicherheits- und Zulassungsstandards, da dies zusätzliche Entwicklungsarbeiten erfordert und Kosten verursacht. Zudem ist es aufgrund allein politischer Gründe unwahrscheinlich, dass chinesische Software in den USA Anklang findet. Darüber hinaus könnten Arbeitsplätze im europäischen Softwareentwicklungsbereich aufgrund systematischer Verlagerung der Entwicklungsaktivitäten nach Hefei noch stärker unter Druck geraten.
Die endgültige Entscheidung liegt beim Vorstand von Volkswagen AG unter der Leitung des Konzernchefs Oliver Blume. Als entscheidender Faktor gilt voraussichtlich der CFO Arno Antlitz, dessen Meinung angesichts der enormen Kostensenkungsanforderungen besondere Gewichtung hat.