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VW bündelt offenbar ADAS-Entwicklung unter Audis Führung

VW bündelt offenbar ADAS-Entwicklung unter Audis Führung

Volkswagen gründet offenbar eine Einheit namens "OneTeam", um Fahrerassistenzsysteme (ADAS) und autonomes Fahren schneller voranzubringen. Cariad-Manager Manuel Birke übernimmt demnach die Leitung und berichtet künftig an Audi-Entwicklungsvorstand Rouven Mohr.

Image 1: Bosch cariad adas id buzz bev

Versuchswagen von Cariad und Ex-Partner Bosch (Archiv)

Bild: CARIAD

Volkswagen will die Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen und automatisierten Fahrfunktionen in Europa offenbar neu ordnen. In der künftigen Organisationseinheit „OneTeam“ sollen die ADAS-Spezialisten der Softwaretochter Cariad und der Konzernmarken enger zusammenarbeiten. Die Einheit soll im November ihre Arbeit aufnehmen und wird von Manuel Birke geleitet, dem bisherigen Technikchef für Fahrerassistenzsysteme bei Cariad. Das geht aus Berichten der Nachrichtenagentur dpa und der „Automobilwoche“ vor, die auf einer Mitteilung an die Belegschaft im Intranet von Volkswagen basieren.

Bemerkenswert ist vor allem die neue Hierarchie: Birke soll in seiner Funktion an Audi-Entwicklungsvorstand Rouven Mohr berichten. Damit geht Audi in den Lead und übernimmt die Führung bei der konzernweiten ADAS-Entwicklung. „Wir schaffen eine klare Verantwortlichkeit durch Führung der Leadmarke Audi und nutzen unsere technologischen Kompetenzen gemeinsam und für alle“, schreibt Volkswagens Konzernentwicklungschef Werner Tietz laut „Automobilwoche“ im Intranet. Die neue Struktur soll die Entwicklung beschleunigen und eine konzernweit nutzbare Technologieplattform ermöglichen.

Neuer Anlauf für die Zusammenarbeit

Mit OneTeam versucht Volkswagen zugleich, einen Konflikt zwischen Audi und Cariad zu entschärfen. Audi-Chef Gernot Döllner gilt als Kritiker der Softwaretochter. In der Vergangenheit hatten Probleme bei der Softwareentwicklung die Einführung wichtiger Modelle verzögert. So kam der Audi Q6 e-tron später als ursprünglich geplant auf den Markt. Die Neuordnung lässt sich deshalb auch als Versuch verstehen, die Verantwortung für Fortschritte und Verzögerungen klarer zuzuweisen.

Ob Audi damit vor allem die Entwicklung innerhalb des Konzerns stärker kontrolliert oder selbst stärker in die Pflicht genommen wird, bleibt offen. Die neue Einheit soll Kompetenzen zusammenführen, ohne dass jede Marke ihre Fahrerassistenzsysteme unabhängig voneinander entwickeln muss. Wie viele Beschäftigte zu OneTeam gehören werden und wie sich die Zuständigkeiten gegenüber Cariad im Detail verändern, ist bislang nicht bekannt. Auch eine eigenständige Gesellschaft ist zunächst offenbar nicht vorgesehen.

Cariad sucht nach einem neuen Technologiepartner

Der Umbau erfolgt in einer schwierigen Phase für Cariad. Volkswagen hatte die Softwaretochter ursprünglich gegründet, um konzernweit Software zu entwickeln und die Abhängigkeit von externen Anbietern zu reduzieren. Inzwischen setzt der Konzern stärker auf Kooperationen. Die Zusammenarbeit von Cariad und Bosch bei automatisierten Fahrfunktionen wurde im Juli vorzeitig beendet. Zugleich baut Cariad rund 1.000 Stellen in Deutschland ab.

Für Fahrerassistenzsysteme bis zum SAE-Level 2+ hatten Cariad und Bosch gemeinsam einen Technologie-Stack entwickelt, der erstmals im geplanten Elektro-Kleinwagen ID. Every1 zum Einsatz kommen soll. Für höhere Automatisierungsstufen bis hin zu SAE-Level 4 benötigt Volkswagen jedoch weitere technologische Fortschritte. Nach einem Bericht des „Spiegel“ soll sich der Konzern in einem internen Vergleich für das britische KI-Start-up Wayve entschieden haben. Ein endgültiger Vertrag war zuletzt noch nicht bestätigt.

Nvidia ebenfalls Teil des Technologieumfelds

Wie breit Volkswagen seine Technologiepartnerschaften inzwischen aufstellt, zeigte auch die Nvidia-Konferenz GTC in Berlin am 21. und 22. Oktober. Der US-Konzern stellte dort neue Kooperationen rund um automatisiertes Fahren vor. Volkswagen Nutzfahrzeuge präsentierte den autonomen ID. Buzz AD auf Basis von Nvidias Hyperion-Plattform. Diese verbindet Rechenhardware mit einer standardisierten Sensorarchitektur und soll die Integration unterschiedlicher Fahrsoftware erleichtern.

Daraus folgt allerdings nicht, dass Volkswagen bei seinen Serien-Pkw nun auf Nvidia statt auf Wayve setzt. Die beiden Ansätze sind zu unterscheiden: Wayve soll nach bisherigen Medienberichten vor allem Fahrsoftware liefern, während Nvidia neben eigener Software auch eine technische Plattform und Werkzeuge für Entwicklung und Simulation anbietet. Nvidia ist zudem an Wayve beteiligt und liefert Rechenhardware für autonome Fahrprojekte des Start-ups. Eine konkrete Kombination von Wayve-Software und Nvidia-Hardware für Volkswagen ist bislang nicht bestätigt.

Darüber hinaus treiben Volkswagen, Porsche und Cariad gemeinsam mit Nvidia, Microsoft Azure und dem Datenplattformanbieter Voxel51 eine Plattform voran, mit der reale Fahrdaten für das Training und die Validierung automatisierter Fahrsysteme genutzt werden sollen. Nvidia steuert unter anderem Werkzeuge zur Aufbereitung von Trainingsdaten und zur virtuellen Rekonstruktion realer Fahrsituationen bei. Solche Verfahren sollen Entwicklungszyklen verkürzen und den Bedarf an wiederholten Testfahrten reduzieren.