← Zurück zu den Nachrichten
Markt

Vulcan konkretisiert Lithiumprojekt bei Ludwigshafen

Vulcan konkretisiert Lithiumprojekt bei Ludwigshafen

Vulcan Energy hat eine Vormachbarkeitsstudie für sein zweites Lithiumprojekt im Oberrheingraben vorgelegt. In der Region Ludwigshafen sollen jährlich 21.100 Tonnen Lithiumcarbonat produziert werden. Bis zu einer Investitionsentscheidung sind allerdings noch mehrere Entwicklungsschritte nötig.

Vulcan Energy treibt seine Pläne für ein zweites Lithium- und Geothermieprojekt im Oberrheingraben voran. Das Projekt mit dem Namen Ludwig soll in der Region Ludwigshafen entstehen und auf den Erfahrungen aus dem weiter fortgeschrittenen Lionheart-Projekt rund um Landau aufbauen. Nun hat das deutsch-australische Unternehmen eine Vormachbarkeitsstudie (Pre-Feasibility Study, PFS) für Ludwig veröffentlicht.

Wie bei Lionheart will Vulcan lithiumhaltige Thermalsole aus dem Untergrund fördern und gleichzeitig deren geothermische Energie nutzen. Bei Ludwig soll die Sole zu einer zentralen Verarbeitungsanlage transportiert werden. Dort will Vulcan zunächst mit seiner selbst entwickelten Technologie zur Direkten Lithiumextraktion (DLE) Lithiumchlorid gewinnen und dieses anschließend am selben Standort zu Lithiumcarbonat in Batteriequalität weiterverarbeiten. Bei Lionheart sind Lithiumgewinnung und Weiterverarbeitung dagegen auf Landau und Frankfurt-Höchst verteilt.

Für Ludwig geht Vulcan in der Vormachbarkeitsstudie von einer jährlichen Produktion von 21.100 Tonnen Lithiumcarbonat aus. Daneben sollen bis zu 3.125 GWh erneuerbare Wärme pro Jahr gewonnen werden, die sowohl für die eigenen Produktionsprozesse als auch für regionale Abnehmer vorgesehen ist. Zusammen mit den geplanten 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid-Monohydrat (LHM) aus Lionheart würde Vulcan nach eigener Rechnung genügend Lithium für die Batterien von rund einer Million Elektroautos pro Jahr produzieren. Bei diesen Mengen handelt es sich allerdings noch um reine Planwerte aus der Studie.

Vulcan veranschlagt 1,26 Milliarden Euro

Die Investitionen für Ludwig beziffert Vulcan derzeit auf 1,26 Milliarden Euro und damit rund 15 Prozent niedriger als bei Lionheart. Die geringeren Investitionen führt das Unternehmen unter anderem auf Erfahrungen aus dem ersten Projekt und die Integration von Lithiumextraktion und -verarbeitung an einem Standort zurück. Die Betriebskosten sollen bei 4.101 Euro je Tonne Lithiumcarbonat-Äquivalent (LCE) liegen. Vulcan ordnet Ludwig damit im untersten Quartil der weltweiten Kostenkurve ein. Auch diese Angaben beruhen allerdings auf Annahmen der eigenen Vormachbarkeitsstudie und sind noch nicht durch einen kommerziellen Betrieb bestätigt.

Deutlich weiter ist Vulcan bereits mit Lionheart. Für das erste Projekt hat das Unternehmen eine Finanzierung über 2,2 Milliarden Euro aufgestellt und Baugenehmigungen für die Anlagen in Landau und Frankfurt-Höchst erhalten. Der kommerzielle Produktionsstart ist für 2028 vorgesehen. Abnahmeverträge bestehen unter anderem mit LG Energy Solution, Umicore, Stellantis und Glencore. Im April holte Vulcan zudem Siemens als strategischen Investor und Technologiepartner an Bord. Die Vereinbarung soll sich nach Angaben der Unternehmen auch auf spätere Entwicklungsphasen erstrecken.

Ludwig befindet sich dagegen noch in einer deutlich früheren Phase. Als nächste Schritte nennt Vulcan eine 3D-Seismik, Explorationsbohrungen und die weitere technische Ausarbeitung des Projekts. Eine finale Investitionsentscheidung (FID) soll erst nach dem erfolgreichen Produktionsstart von Lionheart getroffen werden. Einen möglichen Termin für den Produktionsbeginn von Ludwig nennt das Unternehmen bislang nicht.

Das Vorhaben ist auch vor dem Hintergrund der europäischen Abhängigkeit bei Batterierohstoffen relevant. Laut einer im August veröffentlichten Deloitte-Studie entstehen 50 bis 60 Prozent der Wertschöpfung einer Batterie bei der Materialgewinnung und -aufbereitung. Gerade in diesen Bereichen sind europäische Unternehmen bislang vergleichsweise schwach aufgestellt. Projekte wie die geplante Lithiumgewinnung von Vulcan sollen einen größeren Teil dieser Wertschöpfung nach Europa holen.

Vulcan selbst verfolgt dabei eine langfristige Expansionsstrategie im Oberrheingraben. Nach dem Produktionsstart von Lionheart will das Unternehmen im Abstand von zwei bis drei Jahren weitere Projekte entwickeln. Ludwig wäre die zweite Phase dieses Plans. Ob das Projekt tatsächlich in der nun skizzierten Form umgesetzt wird und die angenommenen Fördermengen sowie Investitions- und Betriebskosten erreicht werden, dürfte sich jedoch erst mit den weiteren geologischen Untersuchungen und der detaillierteren Projektplanung zeigen.