Volkswagen setzt auf China. Die in Hefei entwickelte Technologie wird zunächst nach Südamerika gelangen.

In diesem Artikel:
Volkswagen ändert seine bisherige Strategie „In China für China“
In China entwickelte Technologien sollen in Autos auf anderen Märkten eingesetzt werden
Elektromobilität, Software und Systeme für autonomen Fahren sind die neuen Grundpfeiler der Markenentwicklung
Nicht nur eine Fabrik, sondern auch ein Innovationszentrum
Volkswagen macht kehrt
Jahrelang betrachteten europäische Hersteller China vor allem als riesigen Absatzmarkt. Derzeit sieht die Situation völlig anders aus. Gerade dort entstehen Lösungen, die zunehmend den Entwicklungskurs der gesamten Automobilbranche bestimmen. Volkswagen hat beschlossen, dieses Potenzial auch außerhalb Chinas zu nutzen.
Laut Reuters plant das Unternehmen aus Wolfsburg, Technologien, die in China entwickelt wurden, auf Auslandsmärkten einzuführen – insbesondere in Südamerika und Südafrika. Eine zentrale Rolle spielt die in Hefei entwickelte Compact Main Platform sowie die gemeinsam mit chinesischen Partnern weiterentwickelte China Electronic Architecture. Die ersten Modelle, die diese Lösungen nutzen, sollen gegen Ende dieses Jahrzehnts in Südamerika erscheinen.
Achten wir darauf, dass es sich um eine klare Änderung des Ansatzes gegenüber der bisherigen Strategie des Unternehmens handelt, die als „In China, for China“ bezeichnet wurde – also „In China für China“. Ihr Ziel bestand darin, Produkte und Technologien zu entwickeln, die in erster Linie für lokale Kunden bestimmt waren. Nun soll das chinesische Know-how Teil des globalen Angebots von Volkswagen werden.
Oliver Blume: China ist Antriebskraft für Innovationen
Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen-Gruppe, Oliver Blume, lässt keinen Zweifel am Wert des chinesischen Marktes für die Zukunft des Konzerns. „China ist der entscheidende Antrieb für Innovationen bei der Volkswagen-Gruppe und zunehmend auch das Zentrum für Produkte und Technologien für unsere globalen Märkte“, sagte der Konzernchef in einer von Reuters zitierten Stellungnahme. „Wir nennen das: In China und darüber hinaus.“
Diese Worte spiegeln gut die Richtung der Veränderungen in der deutschen Gruppe wider. Volkswagen möchte nicht nur Autos in China verkaufen, sondern auch dort entwickelte Technologielösungen in andere Regionen der Welt exportieren.

Antwort auf die wachsende Macht chinesischer Hersteller
Die Entscheidung ist kein Zufall. Volkswagen kämpft seit mehreren Jahren mit einem schrumpfenden Marktanteil in China. Lokale Hersteller wie BYD oder Geely haben ihren Vorteil im Bereich Software, Elektromotoren sowie einer aggressiven Preispolitik effektiv genutzt.
Dadurch verloren ausländische Hersteller einen Teil ihrer bisherigen Wettbewerbsvorteile. Reuters weist außerdem darauf hin, dass Volkswagen derzeit die größte Umstrukturierung seit 89 Jahren durchführt. Ziel ist es, die chinesischen Betriebe von einer einstigen Quelle hoher Gewinne in ein kosteneffizientes Zentrum für die Entwicklung und den Export von Technologien umzuwandeln.
Gleichzeitig plant das Unternehmen, den Export von Volkswagen- und Jetta-Fahrzeugen, die in China hergestellt werden, in Länder Südamerikas und Afrikas zu erhöhen.
Die neue VEGA-Technologie kommt 2027 auf den Markt
Anlässlich der Präsentation der neuen Strategie kündigte Volkswagen außerdem das technologische Paket VEGA an. Laut Informationen von Reuters umfasst es eine 850 V-Architektur, die ein sehr schnelles Laden ermöglicht, sowie Voraussetzungen für das autonome Fahren der Stufe drei. Der Markteintritt dieser Lösung ist für das Jahr 2027 geplant.

Das ist ein weiteres Zeichen dafür, dass für Automobilhersteller heutzutage nicht nur die Fahrzeuge selbst, sondern auch Software und fortschrittliche elektronische Systeme immer wichtigere Bedeutung erlangen.
Europa muss noch warten
Auch wenn es Spekulationen darüber gibt, dass chinesische Technologien auch auf dem alten Kontinent eingesetzt werden könnten, weist Volkswagen derzeit offiziell auf andere Expansionsrichtungen hin. Laut Reuters hat das Unternehmen als Hauptmärkte für in China entwickelte Modelle Lateinamerika, Afrika sowie Südostasien genannt. Europa und Nordamerika bleiben vorerst außerhalb dieses Plans.

Laut Frank Han, Leiter von CARIAD China, ist die Wahl Südamerikas kein Zufall. Es handelt sich um einen Markt, der sehr kostensensitiv ist und gleichzeitig zunehmend von chinesischen Herstellern dominiert wird. Reuters betont, dass die Einführung dieser Technologien in Europa technisch möglich wäre, doch eine solche Entscheidung erforderte auch die Berücksichtigung geopolitischer Faktoren.
Oskar Włostowski