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Volkswagen prüft Fahrzeugproduktion in der Türkei

Volkswagen prüft Fahrzeugproduktion in der Türkei

Volkswagen erwägt erneut die Produktion von Pkw in der Türkei. Dazu hat der Konzern eine Absichtserklärung mit seinem langjährigen Vertriebspartner Doğuş Otomotiv unterzeichnet. Im Gespräch ist offenbar auch die Montage von Fahrzeugen aus chinesischer Entwicklung.

Volkswagen erwägt, zukünftig auch chinesische Modelle in der Türkei zu montieren.

Bild: VW

Der türkische Automobilvertrieb Dogus Otomotiv und Volkswagen prüfen Möglichkeiten für eine Fertigung von Pkw der Marke Volkswagen in der Türkei. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eine Mitteilung von Doğuş Otomotiv berichtet, haben beide Unternehmen dazu eine Absichtserklärung unterzeichnet. Die Vereinbarung wurde am 30. Oktober über die türkische Kapitalmarktplattform KAP bekannt gegeben.

Ziel der möglichen Zusammenarbeit sei es, dem türkischen Markt höherwertige und auf neue Technologien ausgerichtete Produkte anzubieten sowie die Entwicklung der heimischen Automobilindustrie zu unterstützen. Konkrete Angaben zu Fahrzeugmodellen, Investitionsvolumen, Produktionskapazitäten oder einem möglichen Zeitplan machten die Unternehmen bislang nicht.

Nach Informationen von auto motor und sport könnte Volkswagen dabei auf Fahrzeuge zurückgreifen, die ursprünglich für den chinesischen Markt entwickelt wurden. Demnach wird eine Fertigung im sogenannten CKD-Verfahren (Completely Knocked Down) diskutiert. Dabei werden Fahrzeugbausätze aus bestehenden Produktionsstätten importiert und erst am Zielstandort montiert.

Im Gespräch sind dem Bericht zufolge Modelle des chinesischen Gemeinschaftsunternehmens FAW-Volkswagen, darunter die dort angebotene Passat-Variante Magotan sowie Fahrzeuge der Marken Jetta und Audi. Volkswagen bestätigte gegenüber dem türkischen Onlineportal Automobil Produktion, gemeinsam mit Dogus Otomotiv den Export teilmontierter Fahrzeuge von außereuropäischen Produktionsstandorten in die Türkei für den dortigen Markt zu prüfen. Ob darunter künftig auch Elektroautos sein könnten, ist bislang nicht bekannt.

Volkswagen will China-Entwicklungen weltweit nutzen

Die Überlegungen passen zu Volkswagens neuer Strategie, in China entwickelte Fahrzeuge und Technologien verstärkt auf internationalen Märkten einzusetzen. Erst Ende Oktober hatte der Konzern auf einem Technologietag in Hefei seine Ausrichtung unter dem Motto In China, Beyond China vorgestellt. Damit soll der chinesische Standort künftig nicht nur den heimischen Markt bedienen, sondern auch als Entwicklungs- und Exportstandort für weitere Weltregionen dienen.

Bereits heute exportiert Volkswagen in China produzierte Fahrzeuge unter anderem in den Nahen Osten, nach Usbekistan und Kasachstan sowie in Teile Subsahara-Afrikas. Bis Ende 2026 sollen weitere Märkte wie Mexiko, Ägypten und Vietnam hinzukommen. Langfristig ist zudem vorgesehen, chinesische Fahrzeugplattformen und Elektronikarchitekturen auch für Modelle außerhalb Chinas zu nutzen. So sollen die China Main Platform (CMP) und die China Electronic Architecture (CEA) ab 2030 zunächst in Südamerika als technische Grundlage für lokale Modellreihen dienen.

Ob die mögliche Montage in der Türkei Teil dieser Internationalisierungsstrategie werden könnte, ist bislang offen. Eine Endmontage importierter Fahrzeugbausätze würde es Volkswagen allerdings ermöglichen, bestehende Produktionsstrukturen außerhalb der Türkei zu nutzen.

Kostendruck zwingt Volkswagen zu Einsparungen

Die erneuten Produktionsüberlegungen fallen in eine Phase, in der Volkswagen seine Investitionen stärker begrenzt. Erst Ende Oktober hatte der Konzern angekündigt, die Entwicklungsvorleistungen für den elektrischen ID.Golf aufgrund des hohen Kostendrucks vorübergehend auszusetzen. Der Netto-Cashflow der Brand Group Core war in den ersten neun Monaten 2026 von 4,34 auf 1,43 Milliarden Euro zurückgegangen.

Volkswagen will deshalb seine Investitionsdisziplin erhöhen und Entwicklungsausgaben reduzieren. Ob die Überlegungen zur Fahrzeugmontage in der Türkei mit diesen Sparmaßnahmen zusammenhängen, ist nicht bekannt.

Volkswagen hatte Türkei-Werk bereits 2020 aufgegeben

Für Volkswagen ist die Türkei als möglicher Produktionsstandort allerdings kein Neuland. Bereits 2019 hatte der Konzern den Bau eines Werks in Manisa geplant. Dort sollten unter anderem der VW Passat und der Skoda Superb gefertigt werden. Die damals vorgesehene Investition von rund 1,3 Milliarden Euro sollte Produktionskapazitäten für bis zu 300.000 Fahrzeuge jährlich schaffen.

Im Jahr 2020 gab Volkswagen das Vorhaben jedoch auf. Als Gründe nannte der Konzern die Corona-Pandemie und veränderte weltwirtschaftliche Rahmenbedingungen. Stattdessen investierte Volkswagen zusätzlich in bestehende europäische Standorte, darunter die Slowakei.

Dogus Otomotiv ist seit mehr als 30 Jahren Vertriebspartner von Volkswagen in der Türkei. Zuletzt wurde die Zusammenarbeit auf weitere Märkte ausgeweitet, darunter Irak, Aserbaidschan und Syrien. Eine endgültige Entscheidung über die Aufnahme einer Fahrzeugproduktion in der Türkei ist bislang nicht gefallen. Offen bleibt auch, ob die mögliche Montage ausschließlich den türkischen Markt bedienen oder perspektivisch weitere Absatzmärkte erschließen könnte.