Volkswagen hat den ID.3 GTI vorgestellt: 240 kW und Hinterradantrieb, doch im Inneren handelt es sich weiterhin um einen GTX.

Volkswagen hat offiziell den ID.3 GTI vorgestellt, also das zweite Elektrofahrzeug der legendären Marke nach dem ID. Polo GTI. Das Auto verfügt über 240 kW, 545 Nm Drehmoment, eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 5,6 Sekunden und wird im Frühjahr 2027 in Europa auf den Markt kommen.
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Wichtig ist jedoch etwas anderes: Es handelt sich nicht um eine völlig neue Konstruktion, sondern um eine weiterentwickelte Version des ID.3 GTX Performance. Genau hier beginnt der interessantere Teil dieser Präsentation.
GTI zum ersten Mal ohne Abgase und zum ersten Mal mit Hinterradantrieb
Volkswagen hat sportliche Elektrofahrzeuge lange unter der Marke GTX geführt. Jetzt geht man einen weiteren Schritt und bringt den GTI ohne jegliche Ausflüchte in die Welt der EVs. In der Praxis ist der ID.3 GTI das zweite solche Fahrzeug nach dem bereits vorgestellten ID. Polo GTI, doch für viele Markenfans wird genau dieses Modell wichtiger sein. Schließlich war der ID.3 von Anfang an die elektrische Entsprechung des Golf.
Das neue Modell verfügt über 240 kW, das entspricht 322 PS, sowie einen Drehmomentwert von 545 Nm. Die Antriebskraft wird ausschließlich auf die Hinterachse geleitet, wodurch es sich um den ersten heckgetriebenen GTI in der Geschichte handelt. Dies ist das Ergebnis der MEB+-Architektur, die beim ID.3 das für elektrische Volkswagen mit Motor im Heck typische Antriebskonzept beibehält.
Der Sprint auf 100 km/h dauert 5,6 Sekunden, und die Höchstgeschwindigkeit wurde auf 200 km/h begrenzt. Das klingt gut, doch man muss ehrlich sagen: Was die Leistung angeht, gibt es hier keinen klaren Vorteil. Zum Vergleich hat der Verbrennungsmotor-Golf GTI Edition 50 239 kW und erreicht laut Herstellerangaben in 5,3 Sekunden 0-100 km/h. Der Elektrofahrzeug ist somit formal der leistungsstärkste Serien-GTI in der Geschichte – aber nur um 1 kW.
Das klingt etwas nach einem Rekord auf dem Papier. Einem echten, aber minimalen.
Unten der alte Bekannte, oben der neue GTI
Der größte Haken bei dieser Premiere ist einfach: Der ID.3 GTI erhält kein neues Antriebssystem. Volkswagen greift auf den bereits bekannten APP550-Motor zurück, denselben, der zuvor im ID.3 GTX Performance zum Einsatz kam. Aus marketingtechnischer Sicht haben wir ein neues Kapitel – aus technischer Sicht eher eine Überarbeitung eines alten Kapitels in Rot und Schwarz.
Das bedeutet jedoch nicht, dass die Änderungen rein kosmetischer Natur sind. Das Auto basiert auf dem überarbeiteten ID.3 Neo und verfügt daher über ein neueres Interieur, eine verbesserte Bedienoberfläche sowie einige Funktionen, die in den älteren ID-Modellen einfach fehlten.
Volkswagen hat größere Displays, physische Tasten sowie neue Elemente hinzugefügt, die typisch für den GTI sind. Im Innenraum finden sich sportliche Sitze, rote Akzente, eine rote 12-Uhr-Marke am Lenkrad sowie ein in derselben Farbe gehaltener Streifen auf dem Armaturenbrett. Das zentrale Display hat eine Größe von 12,9 Zoll, das Instrumentenpaket ist je nach Markt und Material auf etwa 10–10,25 Zoll gewachsen, und unter dem Display kehren die klassischen Tasten zurück. Endlich.
Außen ist ein neuer vorderer Stoßfänger zu sehen, ein roter Detail, der vom ersten Golf GTI aus dem Jahr 1976 inspiriert ist, sowie 20-Zoll-Wörthersee-Räder. Die Serienreifen haben eine Breite von 225 mm, optional sind auch 235 mm verfügbar.
Der GTI muss sich mit der Federung verteidigen – nicht nur mit dem Aufkleber.
Volkswagen ist der Ansicht, dass es nicht ausreicht, einfach nur das GTI-Emblem am Elektroauto anzubringen. Deshalb betont das Unternehmen die Veränderungen im Chassis stärker als zuvor. Standard sind hier eine adaptive DCC-Federung, ein progressives Lenksystem sowie individuell abgestimmte Federn, Dämpfer und Stabilisatoren.
Der Hersteller spricht außerdem von Veränderungen in der Elastokinematik der Vorderachse sowie von speziell entwickelten Reifen. Das Ziel ist klar: Der ID.3 GTI soll sich deutlich sportlicher fahren lassen als die normalen Versionen und etwas anders als der eng verwandte GTX Performance.
Dazu kommt ein neuer GTI-Modus, der über einen beleuchteten Knopf am Lenkrad aktiviert wird. Nach seiner Aktivierung schaltet das Auto Antrieb, Lenksystem und Federung in die sportlichsten Einstellungen um. Zudem wird der Launch Control eingeschaltet.
Volkswagen fügt noch einen digitalen Sound hinzu, der nach einem Verbrennungsmotor-GTI klingt. Einigen wird er gefallen, andere werden die Augen verdrehen. Hyundai hat etwas Ähnliches im Ioniqu 5 N getan und damit Kunden gefunden, weshalb die Deutschen offensichtlich auch entschieden haben, es auszuprobieren.
Die Reichweite ist gut, die Ladezeit weniger beeindruckend
Der ID.3 GTI verfügt über einen Akku mit einer Nettokapazität von 79 kWh. Die deklarierte Reichweite beträgt maximal 601 km nach WLTP, also etwa 10 km mehr als beim bereits verfügbaren GTX. Auf dem Papier sieht das gut aus, besonders für einen kompakten Hot Hatch.
Die schnelle Ladezeit wirkt weniger beeindruckend. Die maximale Leistung liegt bei 183 kW, also nur etwas mehr als zuvor. Noch schlimmer ist, dass die Ladezeit von 10 auf 80 Prozent etwa 29 Minuten betragen soll, während frühere Informationen zum GTX von 26–27 Minuten je nach Version und Angaben sprachen.
Dies ist der Moment, in dem es sinnvoll ist, Marketing von der Realität zu trennen. 601 km WLTP bedeutet nicht 601 km bei schnellerer Fahrweise, und 183 kW sagen nichts über die gesamte Ladekurve aus. Wenn Volkswagen keine bessere Leistungsstabilität zeigt, wird der ID.3 GTI auf der Straße nicht denselben Eindruck machen wie im Prospekt.
Spezifikationen Volkswagen ID.3 GTI
Parameter
Volkswagen ID.3 GTI
Leistung
240 kW
Drehmoment
545 Nm
Antrieb
Hinterradantrieb
0-100 km/h
5,6 s
Höchstgeschwindigkeit
200 km/h
Nettokapazität der Batterie
79 kWh
WLTP-Reichweite
bis zu 601 km
Schnelles DC-Laden
bis zu 183 kW
Laden von 10 auf 80 %
ca. 29 Minuten
Räder
20 Zoll
Verkauf in Europa
Frühjahr 2027
Wie viel kann er kosten und lohnt er sich im Vergleich zur Konkurrenz?
Volkswagen hat den Preis noch nicht bekannt gegeben. Der Vorverkauf soll Anfang 2027 beginnen, der Markteintritt ist für den Frühling 2027 geplant. Ein Vergleichspunkt gibt es bereits: Der ID. Polo GTI startet in Deutschland bei 39.000 Euro.
Daher sollte der ID.3 GTI deutlich teurer sein. Ein realistischer Preisbereich wären die höheren Ausstattungsvarianten des aktuellen ID.3 sowie ein Niveau, bei dem das Auto in Konkurrenz zu leistungsstärkeren Modellen tritt. Wenn Volkswagen übertrieben handelt, entstehen Probleme – dann wird der Kunde nicht nur zum Golf GTI, sondern auch zum Hyundai Ioniq 5 N, zu leistungsstärkeren Versionen des Tesla Model 3 oder zu gebrauchten Hot Hatches aus höheren Segmenten schauen.
In Polen wird dieses Modell wohl kein Massenhit werden. Es könnte jedoch imagefördernd wichtig sein, denn GTI ist für Volkswagen ein viel bedeutenderes Zeichen als GTX. Die Frage ist nur, ob die Fahrer dieses Konzept kaufen werden, wenn sie sehen, dass hinter dem Namen größtenteils bereits bekannte Technik steckt.
Der ID.3 GTI wirkt wie ein Versuch, zwei Welten miteinander zu verbinden: die Emotionen der Golf GTI-Ära und eine Plattform, die von Anfang an als Elektrofahrzeug konzipiert wurde. Reicht das aus, damit die Leute aufhören, ihn als überarbeiteten GTX zu betrachten?