Volkswagen Mission Efficiency lässt selbst das sparsamste Tesla Model 3 erheblich zurück.

Die Volkswagen Mission Efficiency erreicht eine bemerkenswerte Wertangabe: lediglich 8,4 kWh/100 km nach WLTP. Damit bleibt selbst der sparsamste Tesla weit zurück. Dennoch handelt es sich bei diesem Rekordfahrzeug nicht um ein reines Experiment. Es verfügt über vier Sitzplätze, 481 Liter Kofferraumvolumen sowie eine beeindruckende Menge an Technik aus dem neuen ID. Polo.
Volkswagen Mission Efficiency ist kein Serienfahrzeug
Um gleich mit der wichtigsten Nuance zu beginnen: Den Volkswagen Mission Efficiency kann man nicht bestellen. Volkswagen bezeichnet ihn selbst als ein fast serienreifes Konzeptfahrzeug. Er wurde entwickelt, um zu zeigen, wie stark der Energieverbrauch eines Elektroautos gesenkt werden kann, wenn Aerodynamik, Gewicht und Antriebstechnologie vollständig der Effizienz dienen. Das macht ihn deutlich anders als viele Rekordfahrzeuge. Der Mission Efficiency ist nicht als winziges Einzelauto konzipiert, das nur auf einer Teststrecke etwas Besonderes leisten soll. Er verfügt über eine europäische Zulassung für die Straße, vier Sitzplätze sowie einen Kofferraum von 481 Litern. Vorne können normalerweise zwei Erwachsene sitzen. Die beiden hinteren Plätze sind laut Volkswagen vor allem für Passagiere mit einer Körpergröße von bis zu etwa 1,60 Metern gedacht. Tatsächlich handelt es sich also um ein 2+2-Sitzer-Fahrzeug.
Auch die Technik macht ihn interessant. Volkswagen hat nicht von Grund auf eine exotische Elektroantriebsstrang entwickelt, sondern verwendet viele Komponenten aus dem neuen ID. Polo sowie der MEB+-Plattform. Die Mission Efficiency soll damit vor allem zeigen, wie viel Einsparpotenzial noch vorhanden ist, ohne einfach ein immer größeres Akkupaket unter ein Elektroauto zu montieren. Genau da fällt eine Zahl sofort ins Auge: 8,4 kWh/100 km nach WLTP.

Sogar Lightyear und der sparsamste Tesla bleiben weit zurück
Wie extrem niedrig dieser Verbrauch ist, wird deutlich, wenn wir den Volkswagen Mission Efficiency neben zwei der effizientesten elektrischen Serienfahrzeuge stellen. Dabei vergleichen wir bewusst nur offizielle WLTP-Werte, damit wir keinen Praxisverbrauch mit einem Laborwert vergleichen.
Der niederländische Lightyear 0 ist wohl der interessanteste Vergleich. Dieses Auto wurde genauso wie der Volkswagen nahezu vollständig unter Berücksichtigung minimaler Luftwiderstand und möglichst geringen Energieverbrauchs konzipiert. Die endgültige Serienversion wies einen offiziellen WLTP-Energieverbrauch von 10,5 kWh/100 km auf. Das war außergewöhnlich niedrig, doch der Volkswagen lag mit 8,4 kWh/100 km noch genau 20 Prozent darunter. Der Lightyear 0 ging tatsächlich in kleine Serienproduktion, auch wenn dieses Abenteuer besonders kurz andauerte. Das Auto war von November 2022 bis Januar 2023 lieferbar, danach wurde die Produktion eingestellt. Das niederländische Effizienzwunder blieb dadurch vor allem ein faszinierendes Kapitel in der kurzen Geschichte des Elektroautos.
Wenn wir uns ein Elektroauto ansehen, das man heutzutage problemlos bestellen kann, kommen wir auf den Tesla Model 3 Standard RWD. In dieser Ausführung gehört er zu den sparsamsten Serien-Elektrofahrzeugen derzeit mit einem offiziellen WLTP-Verbrauch von 13,0 kWh/100 km. Vergleichen wir diesen Wert mit den 8,4 kWh/100 km des Mission Efficiency, verbraucht das Volkswagen-Fahrzeug nach derselben WLTP-Messmethode mehr als 35 Prozent weniger Energie.
Das ist ein enormer Unterschied. Natürlich gibt es erneut eine Einschränkung: Der Tesla ist ein vollwertiges Fünfsitzer-Fahrzeug, das man einfach kaufen kann. Der Volkswagen hingegen ist ein Konzeptfahrzeug, bei dem fast jede technische Entscheidung der Effizienz untergeordnet wurde. Doch gerade weil das Mission Efficiency noch vier Sitzplätze, einen großen Kofferraum sowie viele Serienfahrzeugtechnologien aufweist, bleibt der Unterschied interessant.

Rekordfahrt erzielt sogar 6,89 kWh/100 km
Mit 8,4 kWh/100 km war Volkswagen noch nicht zufrieden. Die Mission Efficiency wurde auch für eine lange Rekordfahrt von Wolfsburg über Posen in Polen und Olmütz in Tschechien nach Wien eingesetzt. Nach genau 1.278,36 Kilometern lag der durchschnittliche Verbrauch ohne Ladeverluste bei nur 6,89 kWh/100 km.
Einschließlich der Ladeverluste lag der Verbrauch bei 7,51 kWh/100 km. Die durchschnittliche Geschwindigkeit während der Fahrt betrug 67,72 km/h und die Höchstgeschwindigkeit lag bei 138 km/h. Der netto 54,9 kWh große Akkupack musste während der gesamten Strecke nur einmal nachgeladen werden. Bei Ankunft in Wien zeigte das Auto außerdem noch einen Restreichweiten von 164 Kilometern an.
Volkswagen behauptet mit der Mission Efficiency drei Rekorde in der Kategorie fast serienreiferer Elektrofahrzeuge für den täglichen Gebrauch aufgestellt zu haben. Diese Beschreibung ist wichtig – Volkswagen behauptet also nicht einfach nur, dass noch nie ein Fahrzeug weniger Strom verbraucht habe.
Auch der Rekordtest ist nicht direkt mit dem WLTP vergleichbar. Deshalb erscheint uns der offizielle Wert von 8,4 kWh/100 km letztendlich vielleicht noch interessanter. Damit können wir zumindest halbwegs mit Autos wie dem Tesla Model 3 und Lightyear 0 vergleichen.
Ein Cw-Wert von 0,158 macht den Unterschied
Das Geheimnis liegt zu einem großen Teil im Karosseriedesign. Die Mission Efficiency weist einen Cw-Wert von lediglich 0,158 sowie eine Frontfläche von 2,08 Quadratmetern auf – das ist äußerst niedrig.
Die Karosserie ist 4,775 Meter lang, aber nur 1,392 Meter hoch. In Richtung Heck wird das Auto sowohl niedriger als auch schmaler. Dadurch kann der Luftstrom so lange wie möglich entlang der Karosserie fließen, ohne große Turbulenzen hinter dem Auto zu verursachen.
Die Hinterräder sind vollständig abgedeckt und der Boden ist fast ganz geschlossen. An der Vorderseite befinden sich drei aktive Kühlklappen. Diese öffnen sich einzeln und nur so weit, wie es zum jeweiligen Kühlbedarf erforderlich ist. Je kleiner die Öffnung, desto geringer der Luftwiderstand.
Volkswagen entwickelte außerdem spezielle Luftleitbleche an der Innenseite der Räder. Diese sollen verhindern, dass Luft in die Felgen strömt und dort zusätzliche Turbulenzen verursacht. Auch die Reifen wurden speziell für dieses Projekt entwickelt und vereinen einen sehr niedrigen Rollwiderstand mit aerodynamisch optimierten Seitenwänden. Bemerkenswerterweise montierte Volkswagen herkömmliche Außenspiegel. Laut Berechnungen und Windkanaltests erwiesen sich Kameras als kaum effizienter. Zudem verbrauchen Kameras sowie die dazugehörigen Bildschirme Energie und machen das Auto teurer. Bei einem Projekt, bei dem jedes Watt zählt, erwies sich der altmodische Spiegel letztendlich gar nicht mehr als so altmodisch.

Der Großteil der Technik stammt vom ID. Polo
Unter der aerodynamischen Karosserie befindet sich Technik, die viel näher an der Serienproduktion ist. Der Volkswagen Mission Efficiency basiert auf dem MEB+-Plattformkonzept mit Frontantrieb und verwendet den APP290-Elektromotor aus dem neuen ID. Polo. Dieser leistet 99 kW, also 135 PS, und entwickelt ein maximales Drehmoment von 264 Nm. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h dauert 9,0 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit beträgt 160 km/h. Es handelt sich dabei nicht um Zahlen, mit denen Volkswagen versucht, ein Tesla an der Ampel zu übertreffen, doch die Leistung spielt hier eindeutig nur eine untergeordnete Rolle.
Das NMC-Akku-Paket hat eine Nennkapazität von 54,9 kWh. Auch diese basiert auf der Technologie des neuen ID. Polo. Für das Rekordfahrzeug hat Volkswagen mithilfe von Software 2,9 kWh zusätzliche nutzbare Energie bereitgestellt. In einem normalen Serienfahrzeug wird bewusst ein Sicherheitspuffer eingehalten, um unter anderem die Lebensdauer des Akku-Pakets zu schützen.
Schnellladen ist mit maximal 105 kW möglich. Heutzutage macht das niemand mehr groß in Werbung, doch genau das ist das Interessante an diesem Auto. Volkswagen versucht nicht, eine große Reichweite durch ein enormes Akku-Paket oder eine extreme Ladeleistung zu erreichen, sondern vor allem dadurch, so wenig Elektrizität wie möglich zu verschwenden.
Vor allem auf der Autobahn zahlt sich die Aerodynamik aus
Der Vorteil der Karosserie wird mit steigender Geschwindigkeit größer. Ab etwa 80 km/h verbraucht die Mission Efficiency laut Volkswagen mehr als 30 Prozent weniger Energie als die Serienversion des ID. Polo.
Volkswagen macht den Unterschied durch einen auffälligen Vergleich deutlich. Die Mission Efficiency würde bei 140 km/h etwa genauso viel Energie verbrauchen wie ein ID. Polo bei 100 km/h.
Das unterstreicht, warum die Aerodynamik bei Elektroautos so wichtig ist. Bei niedrigen Geschwindigkeiten spielen insbesondere das Gewicht und der Rollwiderstand eine große Rolle. Mit steigender Geschwindigkeit wird die Energie, die benötigt wird, um die Luft beiseitezudrücken, immer wichtiger. Die Lösung für eine größere Reichweite muss daher nicht unbedingt ein größeres Akkupaket sein. Ein Auto, das weniger Energie verbraucht, kann mit derselben Menge gespeicherter Elektrizität einfach weiter fahren.
Vier Sitzplätze und 481 Liter Kofferraum
Dass Volkswagen den Mission Efficiency nicht ausschließlich als Rekordfahrzeug konstruiert hat, zeigt sich insbesondere im Innenraum. Trotz der extremen Form verfügt das Auto über vier Sitzplätze sowie einen Kofferraum mit 481 Litern Fassungsvermögen.
Unter dem Rücksitz befinden sich außerdem zwei kleine Staufächer à vier Liter. Hinter den Karosserieteilen neben den Hinterrädern wurden weitere zwei Fächer mit jeweils sechzehn Litern Volumen geschaffen. Dort kann beispielsweise das Ladekabel aufbewahrt werden. Wenn der Rücksitz umgeklappt wird, ergibt sich eine Ladebreite von 1,80 Metern. Gleichzeitig wurde überall nach Wegen gesucht, das Gewicht und den Energieverbrauch zu verringern. Ein festes zentrales Infotainmentscreen fehlt. Stattdessen befestigt der Fahrer seinen eigenen Smartphone oder Tablet in einem Halter. Navigation und Medien laufen anschließend auf diesem Gerät. Auch feste Lautsprecher mussten weichen – Volkswagen verwendet einen separaten Bluetooth-Lautsprecher. Das ist fast das Gegenteil der aktuellen Trend, bei dem Hersteller immer größere Bildschirme und Audiosysteme mit Dutzenden von Lautsprechern einbauen.




Sogar Solarmodule tragen dazu bei
In der Glasdecke und der Heckklappe ist ein photovoltaisches System mit einer Leistung von 370 Watt integriert. Die Solarzellen versorgen die elektrischen Systeme im Auto, wodurch weniger Energie aus dem Hochvolt-Akku benötigt wird.
Abschließend spricht Volkswagen je nach Jahreszeit, Standort und Wetterbedingungen von bis zu 30 zusätzlichen Kilometern Reichweite pro Tag. Das ist ausdrücklich ein Wert unter günstigen Bedingungen, passt aber zum Konzept des Autos: Überall nach kleinen Energiequellen zu suchen, die nicht aus dem Akku stammen müssen.
Auch die Bremsen tragen dazu bei. Für die Vorderachse verwendet Volkswagen hydraulische Bremsen aus dem ID. Polo, während hinten ein neues elektromechanisches Bremsystem verbaut ist. Dadurch können die Reibungsverluste an der Hinterachse nahezu auf Null reduziert werden, und es sind keine konventionellen Bremsleitungen mit Bremsflüssigkeit mehr erforderlich.
8,4 kWh/100 km ist letztendlich das interessanteste Rekordwert
Die 6,89 kWh/100 km aus der Rekordfahrt ziehen zweifellos die meiste Aufmerksamkeit auf sich. Dennoch sagt der offizielle WLTP-Verbrauch von 8,4 kWh/100 km letztendlich mehr darüber aus, was Volkswagen mit der Mission Efficiency erreicht hat. Der Vergleich spricht für sich: Der ehemalige niederländische Effizienzmeister Lightyear 0 erreichte 10,5 kWh/100 km. Der aktuelle Tesla Model 3 Standard RWD liegt bei 13,0 kWh/100 km. Selbst im Vergleich zu diesem besonders sparsamen Tesla beträgt der Unterschied mehr als 35 Prozent.
Sicherlich bleibt der Volkswagen Mission Efficiency ein Konzeptfahrzeug und kein Modell, das bald zu einem attraktiven Einstiegspreis beim Händler erhältlich sein wird. Auch vollständig abgedeckte Hinterräder, ein separater Bluetooth-Lautsprecher sowie zwei enge Rücksitze werden für jeden zukünftigen Volkswagen nicht die Lösung sein. Doch darum geht es in diesem Projekt auch nicht. Der Elektromotor, die Leistungssteuerung, die Akkutechnik sowie Teile der Fahrwerkshydraulik stammen aus Technologien, die Volkswagen tatsächlich in großen Stückzahlen produzieren möchte. Wenn man dazu noch Erkenntnisse aus dem Bereich der Aerodynamik und Gewichtseinsparung hinzufügt, wird aus dem Mission Efficiency plötzlich weit mehr als nur ein Rekordfahrzeug.
Denn ein Elektroauto weiter fahren zu lassen, indem man unter ihm immer größere und schwerere Akkupakete anbringt, ist relativ einfach. Mit weniger Strom mehr Kilometer zurückzulegen, ist hingegen weitaus interessanter.
Text: Marc Verweij