Volkswagen ID. Polo Test: Das perfekte erste Elektroauto für VW-Fahrer?

In dieser Review zum Volkswagen ID. Polo erfahren wir, warum der neue elektrische Polo für treue Volkswagen-Fahrer so attraktiv ist. Er fährt angenehm, ist ausreichend geräumig, lässt sich einfach bedienen und wirkt sofort vertraut. Insbesondere für diejenigen, die zum ersten Mal ein Elektroauto fahren, scheint Volkswagen genau den richtigen Nerv zu treffen.
Volkswagen versteht seine Kunden wieder
Volkswagen hat eine besondere Beziehung zu seinen Kunden. Generationen von Autofahrern sind mit dem Polo und Golf aufgewachsen. Nicht weil diese Autos in jedem Bereich die besten waren, sondern weil sie fast alles gut machten. Sie waren zuverlässig, praktisch, angenehm in der Bedienung und im Allgemeinen einfach zu handhaben. Das führte zu einer riesigen Gruppe von treuen Kunden, die bei ihrem nächsten Auto oft wieder auf Volkswagen setzten.
Durch die Einführung des ID.3 änderte sich vieles erheblich. Natürlich war die elektrische Antriebsstrang neu, doch Volkswagen gab auch das bewährte Bedienkonzept auf. Physische Knöpfe verschwanden, anstelle davon kamen berührungsempfindliche Drehregler, und das Interieur erhielt einen Look, der stark von dem abwich, an den Volkswagen-Fahrer gewöhnt waren. Nicht alle waren davon besonders begeistert.
Wir hielten den ID.3 keineswegs für ein schlechtes Auto, verstanden aber die Kritik. Warum sollte man das Bedienkonzept eines Autos völlig ändern, wenn es jahrelang gut funktioniert hat? Bei der Entwicklung des neuen ID. Polo scheint Volkswagen sich ebenfalls diese Frage gestellt zu haben. Das Ergebnis ist ein Elektroauto, das deutlich weniger Eingewöhnungszeit erfordert.


Der ID. Polo sieht aus wie ein echter Volkswagen
Wer den neuen ID. Polo betrachtet, erkennt sofort, von welcher Marke er stammt. Die Proportionen, die Form der Türen, die Rückseite mit ihrem Dachspoiler sowie der breite Lichtstreifen – alles wirkt vertraut. Dennoch sieht das Auto modern und reif aus.
Unser Testfahrzeug verfügt über 19-Zoll-Leichtmetallräder mit Hankook-Reifen. Sie passen hervorragend dazu, obwohl wir wahrscheinlich 18 Zoll wählen würden – das bietet in der Regel etwas mehr Komfort. Außerdem verleiht Volkswagen dem Auto ein recht kraftvolles Erscheinungsbild, ohne dass das Design überladen wirkt.
Besonders interessant ist der Innenraum. Der ID. Polo gehört zum B-Segment, bietet aber mehr Platz als man aufgrund seiner Außenabmessungen erwarten würde. Mit einer Länge von 1,86 Metern haben wir hinter dem auf unsere Körpergröße abgestimmten Fahrersitz immer noch ausreichend Platz. Die Füße passen unter den Vordersitz, und trotz des Glasdachs bleibt genug Kopffreiheit.
Auch der Kofferraum ist geräumig. Volkswagen gibt ein Volumen von 441 Litern an. Unter dem Ladeboden befindet sich zudem zusätzlicher Stauraum. Ein Frunk fehlt, doch das ist bei diesem Frontantriebsauto nicht ungewöhnlich. Der Elektromotor sowie die dazugehörige Technik sind vorne platziert. Ein Mangel? Wir nutzen den vorderen Kofferraum bei Elektroautos eigentlich selten.
Normale Knöpfe machen den Volkswagen ID. Polo angenehmer
Draußen ist vielleicht am deutlichsten zu erkennen, dass Volkswagen seine Richtung geändert hat. Die Bedienung ist übersichtlich – mit physischen Knöpfen am Lenkrad, vier separaten Schaltern für die Seitenscheiben sowie einem normalen Lautstärkeregler in Reichweite. Auch die Beleuchtung lässt sich einfach bedienen.
Es klingt fast altmodisch, aber es funktioniert hervorragend. Man muss nicht ständig durch Menüs blättern, um einfache Funktionen zu nutzen. Nur die Anordnung der Fensterbedienung hätte etwas besser sein können. Die Schalter sind etwas zu weit nach hinten platziert, wodurch man nicht immer leicht darauf zugreifen kann.
Zusätzlich verfügt das digitale Dashboard über eine lustige Zusatzfunktion. Man kann sich für eine retroartige Anzeige entscheiden, bei der die Instrumente an frühere Volkswagen-Modelle erinnern. Sogar das Multimediascreen kann einen altmodischen Look erhalten. Es ist eine schöne Erfindung, ohne dass Volkswagen damit den modernen Charakter des Autos beeinträchtigt.
Auch die Verarbeitung überzeugt. Es wurden verschiedene Materialien verwendet, darunter eine textilartige Bespannung sowie Kunststoffe, die an manchen Stellen fast keramisch aussehen. Natürlich findet man auch harten Kunststoff, insbesondere an Stellen, wo das Material einem Stoß standhalten muss. Für ein kompaktes Auto wirkt das Interieur ziemlich reif.
Zusätzlich sind die Sitze außergewöhnlich gut. Auch größere Fahrer erhalten ausreichende Stütze – was in dieser Klasse keineswegs selbstverständlich ist. Übrigens ist unser Testfahrzeug reich ausgestattet, unter anderem mit elektrisch verstellbaren Sitzen. Diese sind nicht repräsentativ für die günstigste Ausstattungslinie.



Besprechung des Volkswagen ID. Polo: Fahren ohne Ärger
Ein Volkswagen sollte vor allem angenehm zu fahren sein. Das klingt einfach, doch gerade in diesem Punkt überzeugt der ID. Polo. Die elektrische Antriebsstrang reagiert besonders geschmeidig, das Lenken ist leicht, ohne unempfindlich zu werden, und das Auto lässt sich mühelos manövrieren. Auch die Sicht in alle Richtungen ist gut und die Sitzposition fühlt sich natürlich an.
Während unserer Tests fahren wir viele Elektroautos, darunter zahlreiche Modelle aus China. Einige bieten für denselben Preis mehr Leistung oder eine umfangreichere Ausstattung. Doch die Art und Weise, wie Volkswagen die verschiedenen Komponenten aufeinander abgestimmt hat, ist besonders angenehm.
Nehmen wir allein die Leistungsabgabe. Wenn man das Gaspedal betätigt, baut der Antrieb seine Kraft schön und schrittweise auf. Nichts wirkt nervös oder übermäßig heftig. Auch die Regeneration, mit der das Auto beim Abbremsen Energie zurückgewinnt, verläuft angenehm. Wechselt man mit dem Schalthebel in den B-Modus, nimmt die Verzögerung bereits beim Loslassen des Gaspedals allmählich zu.
Der ID. Polo verfügt außerdem über Scheinwerksbremsen an allen Seiten, während der ursprüngliche ID.3 noch Trommelbremsen nutzte. In unserem Test wirken die Bremsen gut dosierbar. Die Abstimmung zwischen Antrieb, Regeneration und Bremsen ist hervorragend.
Deshalb ist der ID. Polo auch für Menschen, die noch nie ein Elektroauto gefahren sind, besonders zugänglich. Man merkt zwar, dass der Antrieb elektrisch ist, doch ansonsten verhält sich das Auto genau wie man es von einem guten Volkswagen erwartet.
Welchen Volkswagen ID. Polo soll man wählen?
Volkswagen bietet den ID. Polo mit zwei Akkupaketen an. Die kleinere Version hat eine Kapazität von 37 kWh und bietet laut offiziellen Angaben einen WLTP-Reichweitenwert von bis zu 329 Kilometern. Für diejenigen, die hauptsächlich kurze Strecken fahren und zu Hause laden können, ist das eine praktische Kombination.
Die größere Ausführung verfügt über einen Akkupack mit 52 kWh und erreicht unter günstigen Bedingungen laut WLTP bis zu 454 Kilometer Reichweite. In der täglichen Praxis rechnen wir mit etwa 400 Kilometern, abhängig vom Fahrstil, der Geschwindigkeit und der Außentemperatur. Insbesondere diejenigen, die regelmäßig längere Strecken zurücklegen, werden diese Ausführung interessanter finden.
Wir fahren mit der 211 PS starken Version. Damit ist der ID. Polo besonders agil – obwohl man nicht unbedingt so viel Leistung benötigt, um angenehm elektrisch fahren zu können. Es gibt auch Ausführungen mit 116 und 135 PS. Für den sportlichen Fahrer folgt 2027 der ID. Polo GTI mit rund 226 PS. Den haben wir bereits gesehen und auch das verspricht ein attraktives Volkswagen-Modell zu werden.
Beim Schnellladen unterscheidet sich die Leistung je nach Ausführung. Das kleinere Akkupaket kann mit maximal 90 kW aufgeladen werden. Bei der größeren Ausführung sind je nach Konfiguration Ladeleistungen von bis zu 130 kW möglich. Das sind zwar keine Rekordwerte, aber ausreichend, um die Ladezeit unterwegs recht kurz zu halten. Laut Volkswagen dauert das Aufladen von 10 auf 80 Prozent etwa 23 bis 27 Minuten, abhängig vom Akkupaket. Weitere technische Daten und Informationen zu den verfügbaren Ausführungen findest du auf der offiziellen Website von Volkswagen.

Ab etwa 26.000 €, doch unser Testfahrzeug kostet mehr
Eine der wichtigsten Versprechen von Volkswagen war ein Elektroauto für weniger als 25.000 Euro. Mit einem Einführungspreis in den Niederlanden von 24.990 Euro hielt die Marke dieses Versprechen anfangs ein. Inzwischen wurde der Einstiegspreis jedoch um 1.000 Euro auf 25.990 Euro, also etwa 26.000 Euro, erhöht. Die übrigen regulären Ausstattungsvarianten sind, abgesehen von den vorübergehenden First Editions, sogar um 1.500 Euro teurer geworden.
Dadurch überschreitet der ID. Polo noch keine fünf Monate nach Öffnung der Bestelllisten die psychologisch wichtige Grenze von 25.000 Euro. Das ist bedauerlich, insbesondere für ein Modell, mit dem Volkswagen das Elektrofahren einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen will.
Der gut ausgestattete ID. Polo, mit dem wir fahren, kostet erheblich mehr als das Einstiegsmodell. Die 211 PS starke Version mit dem größeren Akkupaket beginnt bereits bei 33.490 Euro. Wer zusätzlich auf weitere Komfortausstattungen setzt, zahlt noch mehr.
Dagegen war Volkswagen traditionell nie das günstigste Markenmodell. Man zahlt auch für die Verarbeitung, die Fahrleistungen und das vertraute Charakteristikum. Ob der höhere Preis im Vergleich zu einem konkurrierenden Elektroauto lohnenswert ist, muss jeder Käufer selbst entscheiden.

Mögen Sie den ID. Polo lieber als den ID.3?
Eine interessante Frage ist, ob man lieber einen ID.3 oder einen ID. Polo kaufen sollte. Insbesondere wenn man sich die teureren Polo-Modelle ansieht, liegen beide Modelle preislich ziemlich dicht beieinander. Der ID.3 ist größer und bietet mehr Platz, aber wir würden dennoch den ID. Polo wählen.
Der Grund ist einfach: Er wirkt moderner und ist vor allem im täglichen Gebrauch angenehmer. Die Bedienung ist logischer, das Interieur strahlt mehr Ruhe aus und das Auto fährt außergewöhnlich geschmeidig. Volkswagen hat die Kritik an seinen ersten Generationen von Elektromodellen sorgfältig betrachtet und klare Verbesserungen vorgenommen. Wir haben bereits über das Interieur des Volkswagen ID. Polo sowie über das endgültige Design des ID. Polo berichtet. Nachdem wir nun ausführlich mit der Serienversion gefahren sind, können wir in dieser Volkswagen ID. Polo-Rezension feststellen, dass Volkswagen insbesondere im Bereich des Fahrkomforts und der Bedienung große Fortschritte gemacht hat.
Der Volkswagen ID. Polo macht das Elektrofahren vertraut
Für bestehende Volkswagen-Fahrer ist der ID. Polo ein besonders attraktives Auto. Wer jahrelang einen Polo oder Golf gefahren ist, muss nicht neu lernen, wie ein Auto funktioniert. Die wichtigsten Funktionen befinden sich an logischen Stellen, die Fahrleistungen sind vorhersehbar und der Komfort ist gut gewährleistet.
Natürlich gibt es günstigere Elektroautos, Konkurrenten mit mehr Leistung sowie Modelle, die schneller laden können. Doch der ID. Polo schneidet in fast jedem Bereich gut ab – nicht dadurch, dass er in irgendetwas extrem hervorsticht, sondern weil es kaum Kritikpunkte gibt.
Und genau das hat Volkswagen über Jahre hinweg groß gemacht. Ein Auto zu bauen, in das man ohne nachzudenken einsteigt, losfährt und sich wohl fühlt. Der ID. Polo besitzt diese Eigenschaft wieder in vollem Umfang. Für einen treuen Volkswagen-Kunden, der zum ersten Mal elektrisch fahren möchte, können wir uns kaum eine logischere Wahl vorstellen.
Text: Werner Budding