Vaeridion sichert sich 124,5 Millionen Euro für E-Microliner

Vaeridion hat 30 Millionen Euro frisches Eigenkapital eingesammelt und wurde zusätzlich für eine EU-Förderung über 94,5 Millionen Euro ausgewählt. Das Münchner Startup will damit seinen elektrischen Microliner zur Zulassung bringen und die Serienfertigung in Oberpfaffenhofen vorbereiten.

Der Microliner soll neun Passagiere bis zu 400 Kilometer weit elektrisch transportieren.
Bild: Vaeridion
Die neuen Mittel sollen vor allem in den ersten zulassungskonformen Prototypen des Microliners sowie in integrierte Batterie- und Antriebstests fließen. Parallel dazu hat die Europäische Kommission das Projekt CAROLUS für eine Förderung aus dem EU-Innovationsfonds ausgewählt. Die 94,5 Millionen Euro sollen den Aufbau einer Endmontage am Flughafen Oberpfaffenhofen und den Hochlauf der Produktion unterstützen.
Die neue Series-A2-Runde über 30 Millionen Euro wird von SHIFT Invest und Invest-NL angeführt. Beteiligt sind außerdem unter anderem die bisherigen Investoren World Fund, Project A und Vsquared Ventures sowie Deep-Tech-Investor Alexander Rittweger. Zusammen mit früheren öffentlichen Fördermitteln hat Vaeridion nach eigenen Angaben bislang rund 60 Millionen Euro eingeworben.
Die Förderung ist allerdings noch nicht endgültig zugesagt. Vaeridion wurde aus 358 Bewerbungen als eines von zwölf Großprojekten ausgewählt. Die Fördervereinbarung soll voraussichtlich 2027 unterzeichnet werden.
Microliner soll bis zu 400 Kilometer elektrisch fliegen
Der Microliner ist als vollelektrisches Regionalflugzeug für bis zu neun Passagiere ausgelegt. Unter Instrumentenflugregeln peilt Vaeridion eine Reichweite von 400 Kilometern an, mit vier Passagieren unter Sichtflugbedingungen bis zu 550 Kilometer. Neben der Passagierversion ist auch eine Frachtvariante vorgesehen. Entwickelt wird das Flugzeug nach den EASA-Anforderungen der CS-23-Kategorie.
Technisch setzt Vaeridion auf einen vom Segelflug inspirierten Flügel, ein integriertes modulares Batteriesystem und mehrere Elektromotoren, die auf einen gemeinsamen Propeller wirken. In Oberpfaffenhofen betreibt das Unternehmen seit März 2026 eine Produktions- und Testanlage. Dort wurde zuletzt der Elektromotor erstmals in Betrieb genommen. Als Nächstes sollen Batteriepakete und Antriebssystem in einem Bodenprüfstand, dem sogenannten „Copper Bird“, integriert werden.
Auch im Zulassungsprozess ist Vaeridion bereits einige Schritte gegangen. Nach Unternehmensangaben wurden in den vergangenen zwölf Monaten das Preliminary Design Review und ein zweiter Pre-Application Contract mit der EASA abgeschlossen.
In Oberpfaffenhofen hatte das Startup bereits 2025 ein zuvor von Lilium genutztes Spezialgebäude für Batterieentwicklung und -fertigung übernommen. Mit der nun geplanten CAROLUS-Förderung soll der Standort weiter industrialisiert und um die Endmontage des Microliners ergänzt werden.
Vaeridion verweist zudem auf Kaufzusagen für mehr als 130 Flugzeuge im Gesamtwert von über 730 Millionen Euro. Als Erstkunde nennt das Unternehmen die ASL Group. Daneben unterstützen unter anderem KLM, BayernLB und TrueNoord das Unternehmen über ein Market Advisory Committee.
Der Microliner soll in München und Delft entwickelt und in Bayern gebaut werden. Vaeridion will sein Team in Europa weiter ausbauen und die kommenden Jahre vor allem auf Industrialisierung und Zulassung konzentrieren.