Doppeltest: Fiat Grande Panda gegen Renault 5 – Welches ist das beste Elektrosupermini Großbritanniens?

Nach Jahren, in denen die Welt der Elektrofahrzeuge von großen, teuren SUVs dominiert wurde, hat sich nun etwas geändert.
Überall, wohin man blickt, investieren die Hersteller Energie in die Entwicklung kleinerer, günstigerer und zugänglicherer Elektroautos.
Die herausragende Erfolgsgeschichte bislang ist zweifellos der Renault 5. Dieses retro-inspirierte Supermini hat fast alle möglichen Auszeichnungen gewonnen – und zu Recht.
Aber Renault kann nicht ewig seinen Willen durchsetzen, und der traditionelle Konkurrent Fiat hat in diesem Jahr mit dem Grande Panda zurückgeschlagen.
Ebenso wie der Renault 5 ist auch der Grande Panda ein kompaktes Fünftürer-Kombi, das von der Vergangenheit inspiriert ist, aber ein durch und durch modernes Aussehen, ein Gefühl beim Fahren sowie einen leistungsstarken Antrieb bietet. Mit Preisen ab etwas über 20.000 Pfund konkurriert er direkt mit dem Renault um die Herzen und Köpfe der Käufer.
Nun, in diesem Wettstreit der europäischen elektrischen Kleinwagen – wer kommt am Ende als Sieger hervor?
Design
Sowohl der Grande Panda als auch der Renault 5 stützen sich bei ihrem Design stark auf ihre Traditionen und schaffen es, Hommage zu zollen, ohne in Parodie abzurutschen.
Die französischen und italienischen Designteams haben die ursprünglichen Formen der 1970er und 80er Jahre übernommen und sie mit einem modernen Touch kombiniert. In beiden Fällen erkennt man sofort, um welches Modell es sich handelt, noch bevor man die Embleme sieht – außerdem verwenden beide kräftige, klare Linien, um ihre Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen.

Das buchstäbliche Prägen des Fiat-Logos in die Türen ist ein cleverer Touch, und im kantigen Design finden sich zahlreiche historische Anspielungen wie das Vierstangen-Logo im C-Pillar. Auch der Renault weist Elemente des ursprünglichen Designs auf, beispielsweise die Rücklichter sowie den im Kühlergrill angebrachten Ladeindikator – an dieser Stelle befand sich beim Originalfahrzeug ein Lufteinlass.
Aber keines der Fahrzeuge ist in seiner Anerkennung der Vergangenheit sklavisch, und beide verfügen über durchaus moderne Elemente – von ihren großen, diamantförmig geschnittenen Leichtmetallrädern bis hin zu den intelligenten LED-Scheinwerfern. Zudem sind beide deutlich größer als die Originale, tragen ihre Größe jedoch gut und wirken im Vergleich zu den meisten modernen Autos kompakt.

Für diese Augen sind beide ein Triumph des modernen Designs, und was besser ist, hängt vom persönlichen Geschmack ab.
Gewinner – Unentschieden

Innenausstattung
Auch im Innenraum zeigt sich der Fiat mit Anklängen an die Vergangenheit. Im Bildschirmrahmen ist eine Darstellung der berühmten Teststrecke Lingotto zu sehen, außerdem befindet sich ein Mini-Panda-Modell im durchsichtigen Kunststoff.
Dennoch ist der Innenraum insgesamt modern gestaltet, mit digitalen Instrumenten und einem 10-Zoll-Touchscreen sowie vielen nachhaltigen Materialien – von blau getönten Türschildern bis hin zu Aufbewahrungsboxen aus Bambus.

Auch der Renault verwendet im Innenraum nachhaltige Materialien, einschließlich eines lebhaften Sitzmaterials. Doch im Allgemeinen wirkt der Innenraum dunkler und weniger individuell als der des Fiat. Der Grande Panda wirkt etwas leichter und luftiger und ist dank einer besser angeordneten Mittelkonsole sowie des cleveren „Bambox“-Elements auf dem Armaturenbrett geringfügig praktischer.
Der Panda bietet außerdem 361 Liter Kofferraumvolumen, während der Renault nur 321 Liter hat. Im Panda ist vermutlich etwas mehr Beinfreiheit im Fond vorhanden – allerdings auf Kosten der Vordersitze, die weniger komfortabel sind als die des Renault. Letztendlich bieten beide Fahrzeuge typische Supermini-Raumverhältnisse, die für die meisten durchschnittlichen Paare oder jungen Familien ausreichen werden.
Fiat und Renault haben der Versuchung widerstanden, für ihre E-Autos der Einsteigerklasse ausschließlich auf Touchscreen-Steuerungen zu setzen. Beide Fahrzeuge verfügen über praktische physische Bedienelemente für wichtige Funktionen wie die Heizung und weisen ähnliche, logisch strukturierte Armaturenbrettabläufe auf. Zudem bieten beide einfache physische Methoden, um ihre ADAS-Systeme deaktivieren zu können – wobei Renaults einzelner „E-Perso“-Knopf einfacher und zugänglicher ist als Fiat’s zweiknöpfige Lösung.

Auch was das Infotainmentsystem angeht, liegt der Renault eindeutig vor dem Fiat. Das System des Fiat ist ziemlich einfach gestaltet. Es gibt ein Bord-Navi sowie die Möglichkeit, den Smartphone-Inhalt darzustellen, doch das System selbst bietet nur wenige Funktionen und reagiert träge. Im Gegensatz dazu ist die auf Google basierende Lösung des Renaults schnell reaktiv, übersichtlich und verfügt über zahlreiche nützliche Funktionen sowie Informationen. Zudem profitiert sie von Google Maps, das in die Fahrzeugsysteme integriert ist und auf der Grundlage der geplanten Routen Reichweitenprognosen sowie Ladeempfehlungen liefert.
Gewinner – Unentschieden

Antrieb & Leistung
Auf der Straße nimmt der Renault sowohl im übertragenen als auch im wörtlichen Sinne allmählich einen Vorsprung vor der Grande Panda ein.
Zunächst verfügt der Renault über zusätzliche 47 PS, was sich in einer schnelleren Beschleunigung, besserer Reaktionsfähigkeit sowie insgesamt einem lebendigeren Fahrgefühl zeigt. Dies äußert sich in einer 0-100-km/h-Zeit von unter 8 Sekunden beim R5 und mehr als 11 Sekunden beim Fiat. Insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten bietet der Renault mehr Flexibilität als der Fiat, der außerhalb der Stadt an Leistung verliert.
In der Stadt fühlt sich der Fiat komfortabel an und ist mehr als in der Lage, den städtischen Verkehrslärm und die abrupten Bewegungen mitzumachen. Doch dank der zusätzlichen Leistung des Renault sowie schärferer Drehzahl- und Lenkungseinstellungen wirkt er auch hier leistungsfähiger.
Der Fiat holt etwas auf, da seine komfortablere Fahrwerksabstimmung schlechtere Straßenbedingungen besser bewältigt, verliert jedoch wieder an Bodenkontrolle bei höheren Geschwindigkeiten.
Neben dem größeren Motor verfügt der Renault 5 auch über einen größeren Akku – 52 kWh im Vergleich zu 44 kWh beim Grande Panda. Offiziell gibt Renault eine Effizienz von 4 Millionen Kilometer pro kWh sowie eine Reichweite von 251 Meilen an, während der Fiat Werte von 3,7 Millionen Kilometer pro kWh und bis zu 199 Meilen erreicht.
Auf dem Papier hat der Renault somit einen klaren Vorteil, und in der Praxis scheint dieser noch größer zu sein. Während unser Renault R5 langfristig im Durchschnitt 4,5 Millionen Kilometer pro kWh erreicht und eine Sommerreichweite von 200 Meilen bietet, schaffte der getestete Fiat nur 3,2 Millionen Kilometer pro kWh sowie etwa 130 Meilen pro Ladung nach einer Woche Fahrzeit.
Neue Versionen des R5 verfügen außerdem über mehrstufige Bremsregeneration und ein Ein-Pedal-Fahren, während der Fiat mit zwei eher ähnlichen Ebenen auskommt und keine Option für das Ein-Pedal-Fahren bietet.
Was die Ladegeschwindigkeit angeht, gibt es keinen Unterschied – beide Modelle bieten maximale Gleichstrom-Ladeleistungen von 100 kW.
Es ist erwähnenswert, dass es auch eine Einstiegsversion des Renault 5 mit einem 118 PS starken Motor und einer 40 kWh großen Batterie gibt, die eine Reichweite von 192 Meilen sowie eine Beschleunigung von 0 auf 62 mph in 9 Sekunden bietet und etwa 21.500 Pfund kostet.
Gewinner – Renault 5
Preis und Ausstattung
Basierend auf dem einfachen Listenpreis hat der Fiat hier einen Vorteil. Der Preis beginnt bei 20.955 Pfund, während die höchst ausgestattete Version La Prima 24.035 Pfund kostet.
Doch bei den aktuellen Preisen liegt der topausgestattete Renault 5 Iconic 5 bei 25.945 Pfund. Für etwas mehr als 2.000 Pfund erhält man mehr Leistung, größere Reichweite sowie mehr Serienausstattung im Vergleich zur Spitzenversion Grande Panda.
Sowohl Fahrzeuge verfügen über LED-Lichter, Leichtmetallräder und beheizte Sitze sowie über die Möglichkeit zur drahtlosen Smartphone-Anzeige und -Ladung. Allerdings fehlt dem Fiat selbst in der höchsten Ausstattungsstufe die schlüssellose Zugangsfunktion – es benötigt einen physischen Schlüssel, um gestartet zu werden. Zudem sind beim Fiat der adaptive Tempomat, die zweizonen-Klimaanlage sowie die intelligente Google-Oberfläche der höheren Ausstattungslinie „Iconic“ beim Renault 5 Techno nicht vorhanden.
Als Alternative kann man für 90 Pfund weniger als den Fiat Grande Panda La Prima einen Renault 5 Techno in der Mittelausstattung erwerben. Dieser verzichtet zwar auf Funktionen wie beheizte Sitze und zweizonen-Klimaanlage, behält aber den 148 PS starken Motor sowie die 52 kWh große Batterie bei.
Sieger – Renault 5
Urteil
Ehrlich gesagt wird jeder, der sich für einen Renault 5 oder den Fiat Grande Panda entscheidet, mit seiner Wahl vollkommen zufrieden sein. Für uns hat jedoch der Renault leicht die Nase vorn.
Sowohl Autos verfügen über ein ähnlich brillantes Design, das Retro und Modern auf hervorragende Weise miteinander verbindet und ein bewundernswertes Maß an Sorgfalt und Aufmerksamkeit zeigt.
Sie eignen sich beide ebenfalls hervorragend als Alltagsfahrzeuge mit vergleichbarem Platzangebot. Während der Fiat etwas praktischer ist, sind die Bedienoberflächen sowie die Bordtechnologie des Renault intelligenter und benutzerfreundlicher.
Sowohl auf der Straße als auch im Ausstellungsrum übertrifft der Renault den Konkurrenten. Bei aktuellen Preisen bietet der Renault 5 mehr Reichweite und Leistung sowie ein besseres Fahrerlebnis – und das für fast denselben Preis, was bereits einen entscheidenden Unterschied ausmacht.
Gewinner – Renault 5
Faktenblatt
Renault 5 Iconic+ gegen Fiat Grande Panda La Prima
Preis
£25.945 (inkl. ECG)
Preis
£24.035
Antriebssystem
Einzelmotor, Vorderradantrieb
Antriebssystem
Einzelmotor, Vorderradantrieb
Batterie
52kWh
Batterie
44kWh
Leistung
148 PS
Leistung
111 PS
Drehmoment
181 lb ft
Drehmoment
89 lb ft
Höchstgeschwindigkeit
93 mph
Höchstgeschwindigkeit
83 mph
0–62 mph
7,9 Sekunden
0–62 mph
11,5 Sekunden
Autonomie
251 Meilen
Autonomie
199 Meilen
Verbrauch
4 m/kWh
Verbrauch
3,7 m/kWh
Ladung
bis zu 100 kW
Ladung
bis zu 100 kW