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Test Volkswagen ID. Polo: voller intelligenter Technik, auffällig menschlich

Test Volkswagen ID. Polo: voller intelligenter Technik, auffällig menschlich

Nach unserer ersten Fahrt mit dem Volkswagen ID. Polo waren wir bereits beeindruckt von dem, was Volkswagen mit diesem kompakten Elektroauto geschaffen hat. Während eines zweiten, längeren Kennenlernens in Wien fiel besonders auf, wie viel Technik Volkswagen in dieses kompakte Elektroauto gesteckt hat – und wie natürlich diese Fahrhilfssysteme unterwegs wirken.

Dieses Mal geht es um etwas anderes

Wir haben inzwischen schon ziemlich viele Worte und Kilometer mit dem neuen Volkswagen ID. Polo verbracht. Zuerst fuhren wir mit einem getarnten Prototypen des ID. Polo, danach betrachteten wir ausführlich das Interieur des Volkswagen ID. Polo, es folgte der ID. Polo GTI und mittlerweile haben wir uns auch mit dem endgültigen ID. Polo ohne Tarnung vertraut gemacht. Unsere Schlussfolgerung nach diesem ersten Fahr-Eindruck war ziemlich eindeutig: Der beste Polo aller Zeiten ist ein Elektroauto.

Daher musste eine neue Tour durch und um Wien nicht erneut der Frage gewidmet werden, wie der ID. Polo gesteuert wird, wie viel Platz er bietet oder welche Akkupakete Volkswagen liefert. Während dieser ausführlicheren Einführung kam vielmehr etwas anderes deutlich zum Vorschein: die enorme Menge an Assistenztechnologien, die Volkswagen in diese Fahrzeugklasse einbringt, und insbesondere die Art und Weise, wie sich diese Systeme verhalten.

Volkswagen selbst gibt an, dass bestimmte Ausstattungen des ID. Polo bis vor Kurzem nur höheren Fahrzeugklassen vorbehalten waren. Connected Travel Assist ist eines der deutlichsten Beispiele dafür. Doch allein die Anzahl der Funktionen erzählt nur einen Teil der Geschichte. Weitaus interessanter ist, dass all diese Elektronik am Steuer überraschend wenig wie Elektronik wirkt.

Volkswagen ID. Polo mit intelligenten Fahrassistentensystemen
Vorderansicht des Volkswagen ID. Polo 2026
Rückansicht des Volkswagen ID. Polo 2026

Lane Assist – ohne Kampf am Lenkrad

Die Spurhalteassistentie gehört heutzutage fast zum Standardausstattungsumfang eines neuen Autos. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ein solches System angenehm funktioniert. Es gibt zahlreiche Autos, bei denen die Lane Assist-Technologie erst spät reagiert und anschließend ziemlich stark am Lenkrad zieht. Man hat dann schnell das Gefühl, als würden Fahrer und Auto sich ständig gegenseitig korrigieren.

Der ID. Polo verhält sich anders. Die Lenkkorrekturen sind klein, sanft und dezent. Anstatt das Auto ständig zurückzuziehen, wenn man einer Linie nahekommt, scheint das System es kontinuierlich sehr leicht an der richtigen Stelle innerhalb der Spur zu halten. Dadurch entsteht kein Ping-Pong-Effekt zwischen den Straßenmarkierungen.

Ausgerechnet Software als „menschlich“ zu bezeichnen mag seltsam klingen, aber genau diesen Eindruck hinterlässt sie. Schließlich korrigiert auch ein guter Menschlenker nicht ständig mit einer abrupten Lenkbewegung – er lenkt fast unbemerkt. Genau so wirkt auch das Lane Assist im ID. Polo.

Zusätzlich kommunizierte der ID. Polo während unserer Fahrt auffallend ruhig. Es gab kein ständiges Piepen oder dringende Warnungen, sobald man kurz nicht aktiv am Lenkrad korrigiert. Natürlich muss der Fahrer weiterhin involviert bleiben und bei Verwendung des Connected Travel Assist die Hände am Lenkrad halten, doch die Art und Weise, wie das System darauf achtet, wirkt weitaus weniger beunruhigend als bei vielen anderen Autos.

Test der Fahrassistentensysteme im Volkswagen ID. Polo 2026
Test der Fahrassistentensysteme beim Volkswagen ID. Polo 2026
Test der Fahrassistentensysteme beim Volkswagen ID. Polo 2026

Connected Travel Assist fährt durch Wien

Connected Travel Assist geht deutlich über Lane Assist hinaus. Das System kombiniert die seitliche Unterstützung mit der automatischen Geschwindigkeitsregelung. Der ID. Polo kann innerhalb der Grenzen des Systems selbst steuern, beschleunigen und bremsen. Dabei nutzt er nicht nur den Fahrzeug vor ihm, sondern auch die Erkennung von Verkehrszeichen, Navigationsdaten sowie Informationen über den weiteren Verlauf der Strecke.

In Wien konnten wir erleben, wie viel Arbeit das abnimmt. Im dichten Verkehr mussten wir über längere Strecken weder das Gas- noch das Bremsepedal benutzen oder selbst bremsen. Auch die ständigen kleinen Lenkkorrekturen übernahm das Auto für uns. Der Volkswagen folgte dem Verkehr, hielt Abstand und positionierte sich ruhig innerhalb der Fahrspur.

Connected Travel Assist blickt dabei weiter als nur auf den Stoßfänger des Fahrzeugs vor ihm. Kurven, Kreuzungen und Rundplätze können bei der Geschwindigkeitsbestimmung berücksichtigt werden. Wenn ausreichend Informationen verfügbar sind, kann das System außerdem Daten anderer Fahrzeuge und der Infrastruktur über V2X-Daten nutzen. Selbst ein vorausfahrendes Fahrzeug kann als zusätzliche Referenz für die Position auf der Straße dienen. In bestimmten Situationen reicht dem ID. Polo daher bereits eine erkannte Fahrspurmarkierung aus, um das Auto zu begleiten. Das sind ziemlich fortschrittliche Funktionen für ein Auto, das mit einer Länge von 4,05 Metern eindeutig zum Kompaktsegment gehört.

zweiter Test des Volkswagen ID. Polo 2026

Sogar die Verkehrsampel spielt mit

Noch bemerkenswerter ist die Verkehrserkennung. Connected Travel Assist kann ein rotes Verkehrssignal erkennen und den ID. Polo anschließend automatisch zum Anhalten bringen. Volkswagen bezeichnet diese Anwendung von Travel Assist sogar als Pionierleistung in dieser Klasse.

Während unserer Fahrt durch Wien funktionierte das mehrfach äußerst überzeugend. Annähern, langsam abbremsen und anhalten – ohne dass wir dazu das Bremsepedal selbst betätigen mussten. Danach konnte der ID. Polo seinen Weg wieder fortsetzen, sobald die Verkehrssituation es zuließ.

Einmal war der Assistent vielleicht etwas zu menschlich. Der ID. Polo entschied sich bei grünem Licht dennoch anzuhalten. Es blieb bei diesem einen Fehler; während des Rests der Fahrt funktionierte die Erkennung einwandfrei. Der Vorfall unterstreicht vor allem, warum Volkswagen zu Recht weiterhin von einem Fahrassistentensystem und nicht von autonomem Fahren spricht. Der Fahrer bleibt verantwortlich und muss in der Lage sein, einzugreifen. Für unseren allgemeinen Eindruck machte dieser eine Fehler kaum einen Unterschied. Gerade weil das System während des Rests der Fahrt so unauffällig seine Arbeit verrichtete, machte der Connected Travel Assist Eindruck.

Bis zu neunzehn Fahrassistentensysteme im Polo

Wer anschließend betrachtet, was Volkswagen alles anbietet, erkennt, wie weit das kompakte Auto bereits gekommen ist. Je nach Ausstattung und Optionen verfügt der ID. Polo über bis zu neunzehn Assistenzsysteme.

Lane Assist, Front Assist, Side Assist, Verkehrszeichenerkennung sowie verschiedene Sicherheitsfunktionen sind bereits serienmäßig vorhanden. Die Life- und Style-Ausstattungen fügen unter anderem den adaptiven Tempomaten hinzu. Darüber hinaus gibt es Systeme wie Connected Travel Assist, V2X, proaktive Insassenschutzfunktionen, Area View sowie umfangreiche Parkassistenten.

Auch das Wechseln der Fahrspur wird unterstützt. Auf einer mehrspurigen Autobahn reicht ein kurzer Druck auf den Blinker aus, damit der ID. Polo überprüft, ob genügend Platz vorhanden ist. Wenn dem so ist, unterstützt das Auto anschließend die Lenkbewegung in die andere Fahrspur. Der Fahrer bleibt auch hier verantwortlich und muss das Lenkrad weiterhin bedienen.

Park Assist Pro merkt sich, wie man parkt

Park Assist Pro verdient besondere Aufmerksamkeit, denn auch hier leistet der ID. Polo Dinge, die man nicht unbedingt mit einem kleinen Auto in Verbindung bringt. Das System kann bei der Style-Version die letzten 50 Meter einer Parkmanöver-Überwachung aufzeichnen. Anschließend kann dieses Manöver gespeichert werden.

Kommt man später an denselben Ort zurück, kann das Auto vorschlagen, das Parken erneut zu übernehmen. Bis zu fünf Parkmanöver können gespeichert werden. Das kann beispielsweise nützlich sein, wenn man täglich denselben engen Einfahrtsweg oder die Garage nutzen muss.

Doch das ist noch nicht alles. Mit Park Assist Pro kann der ID. Polo auch über ein Smartphone von außerhalb des Autos auf einen Parkplatz fahren und wieder verlassen. Der Fahrer muss daher nicht am Steuer sitzen – das ist besonders praktisch, wenn ein Parkplatz so schmal ist, dass das Aussteigen nach dem Parken schwierig wird. Area View nutzt in der Zwischenzeit Kameras an der Vorder-, Rück- und Seitenseite, um ein 360-Grad-Bild zu erstellen. Laut Volkswagen kann das System innerhalb seiner technischen Möglichkeiten sogar eine Sicht um Ecken ermöglichen. Vor ein paar Jahren hätte man diese Art von Technologie eher in einem viel größeren und teureren Volkswagen erwartet als im Polo.

Emergency Assist greift erst wirklich ein, wenn es nötig ist

Die Besitzer hoffen vermutlich nie, ein anderes System benötigen zu müssen. Emergency Assist überprüft, ob der Fahrer noch aktiv ist. Wenn Lenken, Beschleunigen und Bremsen ausbleiben, versucht das Auto zunächst, den Fahrer durch verschiedene Warnungen zur Reaktion zu bewegen.

Falls keine Reaktion erfolgt, kann der ID. Polo schließlich eine Notbremsung durchführen. Auf einer mehrspurigen Straße kann das Auto dabei innerhalb der Systemgrenzen in die innere Fahrspur und gegebenenfalls in Richtung Ausfallstraße fahren. Die Warnlichter werden eingeschaltet, die Hupe kann genutzt werden, um andere Verkehrsteilnehmer zu warnen, und nach dem Anhalten kann automatisch ein Notruf abgesetzt werden. Es handelt sich dabei um eine Technologie, die hauptsächlich im Hintergrund aktiv ist – genau so, wie man es sich wünscht.

Die klügste Technologie erfordert die wenigste Aufmerksamkeit

Auch in dem Bremsystem spiegelt sich diese Philosophie wider. Volkswagen verwendet im ID. Polo ein neues One-Box-Bremsystem, das ständig entscheidet, welcher Teil der Verzögerung durch Regeneration und welcher Teil über die vier Scheibenbremsen erzeugt wird.

Das klingt komplizierter, als es am Steuer wirkt. Das Bremspedal reagiert direkt und vorhersehbar, und der Übergang zwischen regenerativer und mechanischer Bremsung fällt nicht auf. Die Technik ist hier am besten, wenn man nicht ständig bemerkt, wie intensiv die Computer arbeiten.

Zusätzlich verfügt der ID. Polo serienmäßig über One-Pedal-Driving. Im B-Modus kann das Auto nach Entlasten des Gaspedals stark abbremsen und schließlich vollständig zum Stillstand kommen. Mit Eco Assistance kann das Auto die Verzögerung außerdem an vorausfahrende Fahrzeuge, Geschwindigkeitsbegrenzungen, bebauten Gebiete sowie den Verlauf der Strecke anpassen.

Dadurch entsteht ein auffallend zusammenhängendes Gesamtbild: Connected Travel Assist blickt nach vorn, Lane Assist hält das Auto ruhig auf seiner Position und die Antriebsstrangsteuerung entscheidet selbst, wann es sinnvoll ist, Energie abzugeben oder wieder aufzunehmen. Als Fahrer merkt man vor allem, dass das Fahren weniger Anstrengung kostet.

14,9 kWh pro 100 Kilometern in der Praxis

In der Zwischenzeit blieb auch der Energieverbrauch stets im Rahmen. Nach unserer Fahrt zeigte das Bordcomputer durchschnittlich 14,9 kWh pro 100 Kilometern an. Es handelte sich dabei nicht um eine speziell vorbereitete Sparschaftsfahrt, sondern um eine normale Testfahrt durch und um Wien. Volkswagen gibt für die verschiedenen Ausstattungsvarianten offizielle kombinierte WLTP-Werte von 13,3 bis 14,9 kWh pro 100 Kilometern an. Der 155 kW starke Life mit dem 52 kWh großen Akkupaket soll laut Hersteller eine maximale Reichweite von 454 Kilometern haben; der vergleichbare Style erreicht maximal 452 Kilometer.

Eine einzelne Prüf Fahrt reicht natürlich nicht aus, um daraus eine endgültige Reichweitenangabe abzuleiten. Doch 14,9 kWh pro 100 Kilometern bestätigt den vorherigen Eindruck, dass der neue elektrische Frontantrieb mit seiner Energie ziemlich effizient umgeht.

Volkswagen kann diesen Erfolg gut gebrauchen

Der ID. Polo kommt für Volkswagen zu einem wichtigen Zeitpunkt. Das Unternehmen befindet sich mitten in einer umfangreichen Umstrukturierung und möchte die Kosten erheblich senken. Insbesondere die deutschen Werke stehen dabei unter Druck. Für Standorte wie Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm ist noch unklar, welche Rolle sie nach 2030 spielen werden, während Volkswagen gleichzeitig mit hohen Produktionskosten, zurückgehenden Verkäufen in China und immer stärkerer Konkurrenz durch asiatische Marken zu kämpfen hat.

Gleichzeitig möchte Volkswagen sein Modellangebot erheblich vereinfachen und sich stärker auf Autos konzentrieren, mit denen tatsächlich große Stückzahlen verkauft werden können. Genau dabei kann der ID. Polo wichtig werden – ein relativ günstiges elektrisches Volkswagen-Modell in einem bekannten und beliebten Format ist genau die Art von Auto, mit dem das Unternehmen wieder Volumen erzeugen kann.

Dann ist es besonders hilfreich, wenn ein Auto auftaucht, das inhaltlich überzeugt. Bei unserem ersten Testfahrt nannten wir den elektrischen ID. Polo bereits den besten Polo aller Zeiten. Nach dieser längeren Kennenlernphase sind wir davon nur umso mehr überzeugt: Er fährt gut, ist effizient und voller intelligenter Technologien, ohne dass diese Technik besonders ins Auge fällt.

Am ID. Polo wird es unserer Ansicht nach nicht scheitern.

Text: Marc Verweij