Test Smart #5 Premium: Vom David zum Riesen

Die Marke, die einst für ihre kleinen, kompakten Autos bekannt war, brachte im Mai letzten Jahres den Goliath auf den Markt – ein riesiges Auto, um es mit den Begriffen von Smart auszudrücken. Der smart #5 ist das erste vollständig elektrische Premium-SUV im Mittelsegment der Marke, die zu 50 Prozent im Besitz von Mercedes-Benz und zu 50 Prozent vom chinesischen Geely ist. Nach einem OTA-Update im letzten März sowie der Erweiterung des Modellportfolios um eine Black Collection und AWD war es an der Zeit, diesen Sportwagen erneut für einen gründlichen Testfahrt mitzunehmen.
Sportlich? Ja, der Smart richtet sich mit der #5 an Abenteurer. Die Summit Edition war bei ihrer Einführung schließlich die am stärksten für den Außenbereich konzipierte Ausführung, mit unter anderem einem Dachträger, einer Seitentreppe und verschiedenen Outdoor-Zubehörteilen. Wir wählten jedoch die verfügbare Premium-Version mit RWD, die in der Modellpalette nur noch den äußerst sportlichen und leistungsstarken BRABUS kennt. Wir fuhren damit in den deutschen Teutoburger Wald, nicht weit von Osnabrück entfernt. Ein wunderbares Gebiet für einen Fahrradausflug. Und ja, dann kann das Fahrrad einfach im Kofferraum stehen, anstatt auf einem wackeligen Fahrradträger. In dem 1.530 Liter großen Kofferraum mit umklappbarem Rücksitz passt problemlos noch viel mehr hinein.



Fahren wie ein Kart
Im Smart #5 zu fahren ist ein Vergnügen. Die höhere Sitzposition verleiht bereits ein überlegenes Gefühl, das durch die zuverlässigen Fahreigenschaften sowie die Agilität verstärkt wird, mit der dieser 2.260 kg schwere SUV über die deutschen Straßen gleitet. Dafür sorgen die vordere Doppelquerlenker-Aufhängung sowie die Multilink-Hinterradaufhängung. Auch auf den kurvigen Wegen im Teutoburger Wald lässt sich der #5 leicht und sicher steuern – selbst bei höheren Geschwindigkeiten. Die Karosserie neigt sich kaum, und das Auto reagiert willig auf das Lenkrad, das etwas empfindlich ist, fast wie bei einem Kart. Man muss etwas mehr lenken, als eigentlich notwendig wäre.
Beim Einsteigen fällt sofort die ziemlich robuste A-Säule auf, die in Kombination mit den großen Außenspiegeln die Sicht etwas einschränkt. Man gewöhnt sich daran, doch insbesondere auf der rechten Seite ist es manchmal schwierig, die Kurvengeschwindigkeit richtig einzuschätzen. Ebenfalls sofort auffällig ist der praktische, eingenähte Haken im Sicherheitsgurt, sodass der Verschluss nicht ganz nach unten rutscht. Viele Marken verwenden dafür ein eingeklemmtes Stück Plastik, das häufig bricht oder auseinanderfällt. Das hier ist viel besser.
Einen Blick riskieren
Das Head-up-Display (HUD) ist ein angenehmer Reisebegleiter. Das Display weist ein sehr gutes Kontrastverhältnis auf und ist selbst bei starkem Sonnenlicht besonders scharf. Zudem liefert es viele Informationen, die man natürlich nach eigenen Wünschen anpassen kann. Tragen Sie jedoch keine Sonnenbrille mit polarisierten Gläsern, sonst sehen Sie nichts mehr – es sei denn, Sie drehen den Kopf wie ein Hundchen, das etwas Leckeres bekommt.
Wie es bei einem modernen 100% elektrischen Auto üblich ist, braucht man einige Stunden, um alle Funktionen des Infotainmentsystems (HMI) zu entdecken. Dieses hat übrigens einen Red Dot Design-Preis erhalten, ein prestigeträchtiger internationaler Designpreis.
Eine schöne Neuigkeit ist, dass man einen Laptop, Tablet oder Smartphone über den USB-C-Anschluss des Fahrzeugs mit einem HDMI-Converter verbinden kann, um Inhalte auf dem zentralen Bildschirm sowie dem Beifahrerschirm anzuzeigen, wenn das Fahrzeug steht. Man kann zwischen den beiden Bildschirmen wechseln. Ideal zum Anschauen von Präsentationen, Zur Teilnahme an Videokonferenzen, Zum Arbeiten an Dokumenten auf einem größeren Bildschirm oder Zum Streamen von Inhalten – und das alles im Stillstand.
Die Beifahrer können während der Fahrt auf ihrem eigenen Bildschirm alles ansehen, doch sobald der Fahrer mitblickt und das zu lange tut, schaltet sich der Bildschirm aus. Das wird durch die Kamera am linken A-Säulenende gesteuert, die darauf achtet, ob der Fahrer seine Augen auf der Straße behält.
Nach jedem Neustart müssen Sie mindestens eine Taste drücken, um Ihre bevorzugten Einstellungen wiederherzustellen. Das hängt mit den Vorschriften und Sicherheitsanforderungen von Euro NCAP zusammen. Wenn Sie Ihre Einstellungen jedoch nach einigen Wochen Fahren und Ausprobieren einmal gespeichert haben, können Sie sie beim Einsteigen leicht wiederherstellen. Mit nur zwei Berührungen stellt das Fahrzeug sofort Ihre bevorzugten Einstellungen für verschiedene Fahrfunktionen und Fahrassistentensysteme wieder her.



Intuitiv?
Während man unterwegs vielleicht mit einem Reisebegleiter in Streit gerät, hatte ich etwas zu oft Unstimmigkeiten mit dem neuen Sprachassistenten. Die Anleitung erwähnt nach dem OTA-Update ein noch intuitiveres und selbstsichereres Erlebnis, doch ich hörte allzu oft, dass „diese Funktion derzeit nicht verfügbar ist“. Es lag zweifellos an mir, aber es war also keineswegs intuitiv.
Sehr angenehm sind die physischen Tasten unter und links neben dem großen Bildschirm. Man muss nicht endlos durch Menüs blättern, um die Heizung oder das Radio zu bedienen. Wunderbar!
In der Navigation wird ganz rechts der Fortschritt der geplanten Reise durch einen vertikalen grünen Balken angezeigt. Diese Farbe ist jedoch genau dieselbe wie die der Route, wodurch man manchmal den Eindruck hat, plötzlich nach links oder rechts auf eine gerade Straße abbiegen zu müssen.
smart #5 Premium jetzt auch mit AWD und Black Collection
smart bietet den #5 Premium nun auch mit AWD an – als leistungsstarkes und anspruchsvolles Premium-Fahrzeug mit Allradantrieb. Diese Ausführung kostet 2.500 Euro mehr als die heckgetriebene Version, die wir zuvor zur Verfügung hatten. Durch die Hinzufügung einer Allradantriebsversion zum Modellangebot wird die charakteristische Eleganz des #5 Premium mit der Traktion und Stabilität der Dual-Motor-Antriebstechnologie kombiniert.
Standardmäßig ist der Premium mit dem Signature Sound System von Sennheiser ausgestattet, das über eine Dolby Atmos-zertifizierte Lautsprechereinrichtung verfügt. Dies sorgt für ein fantastisches Klangerlebnis mit kristallklarer Wiedergabe.
Neben der neuen AWD-Ausstattungshöhe ist für den #5 nun auch die Black Collection verfügbar. Dabei handelt es sich um aufeinander abgestimmte schwarze Karosseriedetails wie die Motorhaube, den Heckdiffusor, die Seitenleisten, die Fensterrahmen und die Dachträger sowie um Privatsphärenglas und modellspezifische schwarze Räder.
Diese besondere Außenvarianten bedient eindeutig die wachsende Nachfrage nach anspruchsvollem, leistungsorientiertem EV-Design. Über Geschmack lässt sich zwar nicht streiten, doch das Auto sieht dadurch ansprechend aus und unterscheidet sich deutlich von den anderen bereits vorhandenen Farben und Rädern.

Test smart #5 Premium: Die Werte nach 1.618 Kilometern
Insgesamt haben wir 1.618 Kilometer mit dem #5 gefahren – also eine ausführliche Testfahrt. Wir verbrachten 23 Stunden und 38 Minuten am Steuer, wobei der durchschnittliche Verbrauch genau 20,0 kWh/100 km betrug. Das liegt etwas über den Angaben von Smart für das Premium-Modell: Laut WLTP-Norm sind es 18,4 kWh/100 km.
Zu beachten ist außerdem, dass wir alle Kilometer im Komfortmodus gefahren sind, obwohl es auch einen sparsameren Eco-Modus sowie natürlich einen sportlichen Sport-Modus gibt. Deshalb konnten wir die angegebene Reichweite von 590 Kilometern nicht erreichen.
Die deutsche Autobahn lädt natürlich dazu ein, ab und zu das Pedal bis auf den Boden durchzudrücken. Bei 205 km/h begann der #5, an Geschwindigkeit zu verlieren – mit anderen Worten: die Geschwindigkeitsbegrenzung funktionierte. Auch bei diesen Geschwindigkeiten lässt sich das Auto hervorragend kontrollieren, und beim Bremsen vermittelt es ein sicheres Gefühl.
100 kWh Akkupaket und Schnellladen mit 400 kW
Der smart #5 Premium ist mit einem 100 kWh Akkupaket aus der Lithium-Nickel-Mangan-Kobalt (NCM)-Chemie ausgestattet, das für ein 4C-DC-Schnellladen mit einer Spitzenleistung von bis zu 400 kW geeignet ist. In der Praxis ließ sich in nur 18 Minuten von 10 auf 80 % (SoC) laden. Wenn man zu diesen Daten noch ein Zuggewicht von 1.600 kg, eine zweijährige Herstellergarantie ohne Kilometerbegrenzung sowie eine achtjährige Garantie auf den Hochvoltakku hinzufügt, erhält man mit dem #5 einen sehr zuverlässigen, sicheren und äußerst komfortablen Begleiter.
Die Preise beginnen bei 48.460 € für das Modell Pro. Unser Premium-Modell in der Farbe Saturn Beige Matte kostet 58.940 €.
Weitere Informationen zu den Ausführungen und technischen Spezifikationen finden Sie auf der offiziellen Website von smart.
Text & Fotos: Jur Raatjes