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Der Tesla Semi wird 2027 nach Europa kommen. Reichweite von 550 km und Ladeleistung von 800 kW.

Der Tesla Semi wird 2027 nach Europa kommen. Reichweite von 550 km und Ladeleistung von 800 kW.

Tesla hat offiziell die europäische Version des LKWs Semi vorgestellt und erste konkrete Spezifikationen bekannt gegeben. Der Markteintritt ist für das Jahr 2027 geplant, und laut Angaben soll der LKW eine Reichweite von 550 km bei einer Last von 40 Tonnen sowie ein MCS-Laden mit einer Leistung von bis zu 800 kW bieten. Das klingt plausibel, es gibt jedoch auch einige Fragezeichen – insbesondere wenn man diese Version mit dem amerikanischen Semi vergleicht.

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Vor der europäischen Premiere auf der IAA Transportation in Hannover hat Tesla Webseiten zum Modell eingeführt und die Spezifikationen offengelegt. Für Transportunternehmer sind drei Dinge am wichtigsten: die tatsächliche Reichweite unter Belastung, die Ladezeit und der Preis. Letzterer ist bisher noch nicht bekannt.

Spezifikationen

Tesla Semi Europa

Reichweite

550 km

Energieverbrauch

1,0 kWh/km

Gesamtgewicht des Fahrzeugs

40 t

Eigengewicht

9 100 kg

Antrieb

3 unabhängige Motoren an der Hinterachse

Antriebsleistung

bis zu 800 kW

Schnelles Laden

bis zu 60 % in 30 Minuten

Standard-Ladung

MCS 3.2

ePTO

bis zu 25 kW

Was hat Tesla genau in Europa angekündigt?

Der europäische Tesla Semi soll bei voller Beladung, also mit einer Gesamtmasse von 40 Tonnen, eine Reichweite von bis zu 550 km bieten. Der Hersteller gibt außerdem einen Energieverbrauch von 1,0 kWh/km an. Das erscheint plausibel, da es den Daten ähnelt, die bereits seit längerer Zeit bei der Nutzung des Semi in den USA vorliegen.

Der Antrieb basiert auf drei unabhängigen Elektromotoren an den Hinterachsen. Die maximale Leistung des Systems soll 800 kW erreichen. Dazu kommt das ePTO mit einer Leistung von bis zu 25 kW, also eine elektrische Versorgung für Anhängerausstattungen wie Kühlanlagen. Im Transportwesen ist das kein Nebensächliches, sondern eine normale Funktionalität.

Die Kabine bleibt typisch für das Semi – mit einem zentral platzierten Fahrersitz und zwei großen Bildschirmen an den Seiten. Tesla fügt außerdem Geräuschdämmung, Schallisolierglas, einen beheizbaren und belüftbaren Sitz sowie die Möglichkeit hinzu, sich frei in der Kabine aufzurichten. Das klingt premium. Bei einem Langstrecken-Lkw macht das mehr Sinn als bei einem Personenwagen.

Ladung mit bis zu 800 kW – aber das ist weniger als in den USA

In Europa soll das Semi vom Standard MCS 3.2, also dem Megawatt Charging System, profitieren. Tesla gibt an, dass der Lkw bis zu 800 kW aufnehmen kann und dabei etwa 60 Prozent seiner Reichweite in 30 Minuten wiedererlangt. Gleichzeitig ist ein schwächerer Basis-Lader mit 120 kW vorgesehen, der für das Nachtladen in der Basisstation dient. In diesem Szenario soll 60 Prozent der Reichweite in etwa 4 Stunden wiederhergestellt werden.

Dort erscheint der erste Sternchen. Der amerikanische Semi wurde bei einer Ladeleistung von bis zu 1,2 MW gezeigt, und in diesem Szenario gab Tesla an, dass etwa 70 % der Energie innerhalb von 30 Minuten wiedererlangt werden könnten. Die europäische Variante mit 800 kW ist immer noch viel, aber dennoch deutlich weniger.

Dafür können zwei Gründe vorliegen. Entweder geht es um die eigentliche europäische Konfiguration des Lastwagens oder einfach um den Zustand der Infrastruktur sowie die Einführung des MCS auf unserem Markt. Für den Flottenbetreiber ist das Ergebnis dasselbe: Die Rechenmodelle für die Fahrstrecke sehen etwas schlechter aus als in den amerikanischen Präsentationen.

550 km sind ein gutes Ergebnis, aber es handelt sich dabei um eine Version, die eher dem Standard Range entspricht

Am interessantesten ist das Verhältnis zwischen Reichweite und Eigengewicht. Der europäische Semi soll 9.100 kg wiegen, also etwa 20.000 Pfund. Das ist ein Wert, der dem amerikanischen Standard Range-Modell sehr nahekommt und nicht dem schwereren Long-Range-Modell.

In den USA bewirbt Tesla das Long Range Semi mit einer Reichweite von 500 Meilen, also etwa 805 km. Allerdings bezieht sich das auf einen anderen Referenzwert. Die europäische Homologierung gilt für eine Beladung von 40 Tonnen, während in den amerikanischen Unterlagen in der Regel etwa 82.000 Pfund, also ungefähr 37,2 Tonnen, angegeben werden. Eine höhere Beladung verringert die Reichweite, weshalb es hier keine einfache 1:1-Vergleichbarkeit gibt.

Trotzdem deuten die Zahlen darauf hin, dass Europa eher eine Variante mit kleinerem Akku oder zumindest eine andere Konfiguration als das amerikanische Top-Modell Semi erhalten wird. 550 km bei 40 Tonnen sind ein wettbewerbsfähiges Ergebnis, aber keines, das den Markt völlig umkrempelt.

Das ist wichtig, denn der Marketingansatz von Tesla versucht oft den Eindruck zu erwecken, dass alles größer, schneller und besser sein wird. Hier sieht es anders aus: Europa erhält vermutlich eine Version, die eher den lokalen Vorschriften und Kosten angepasst ist als einem beeindruckenden Werbeslide.

Europa hat nicht auf Tesla gewartet

Tesla füllt keine leere Kategorie aus. In Europa werden bereits Elektro-Lkw von Mercedes-Benz, Volvo Trucks, MAN, Scania, DAF und Renault verkauft. Diese Marken verfügen nicht nur über fertige Produkte, sondern auch über Serviceleistungen, Finanzierungsmöglichkeiten sowie Beziehungen zu großen Flottenkunden.

Ein guter Vergleichspunkt ist der Mercedes eActros 600, der eine Reichweite von etwa 500 km bei einem Akkumulator mit einer Kapazität von rund 600 kWh bieten soll. Vor diesem Hintergrund sieht der europäische Semi mit einer angegebenen Reichweite von 550 km gut aus. Doch allein die Spezifikationen reichen nicht aus.

Im Schwerlastverkehr gewinnt man nicht allein durch die angekündigte Reichweite. Entscheidend sind der Gesamtkostenfaktor, der Zugang zu Ersatzteilen, das Servicenetzwerk, die Finanzierungsmöglichkeiten, die Reparaturzeiten sowie die Zuverlässigkeit der Lieferungen. In diesen Bereichen muss Tesla noch viel lernen.

Falls ich einen Bereich nennen sollte, in dem Tesla wirklich für Unruhe sorgen kann, dann ist es nicht das Produkt selbst. Es wird der Preis sein, sofern das Unternehmen beschließt, aggressiv damit umzugehen. Derzeit wurden keine Preise genannt.

Zuerst Produktion in den USA, später möglicherweise Berlin

Die ersten Exemplare für Europa werden voraussichtlich in der neuen Semi-Fabrik in Nevada hergestellt. Dort entwickelt Tesla die Massenproduktion des Lastwagens. Erst später könnte die Produktion nach Europa verlegt werden.

Ein natürlicher Kandidat ist die Gigafactory Berlin. Elon Musk hat bereits zuvor angedeutet, dass Semi dort eines Tages für den europäischen Markt produziert werden könnte. Derzeit ist das noch ein Plan, kein Fakt.

Für europäische Kunden hat das praktische Bedeutung. Der Import aus den USA bedeutet eine längere Lieferkette und potenziell höhere Kosten. Eine lokale Produktion würde die Logistik verkürzen und den After-Sales-Service erleichtern. Allerdings ist das eher eine Perspektive für einen späteren Zeitpunkt.

FSD im Lkw ist in Sicht – aber noch nicht so bald

Tesla hat bereits bestätigt, dass zum Semi das Full Self-Driving (Supervised) kommen soll. Theoretisch passt das in die Entwicklung des Langstreckentransports, doch auch hier sollte man zwischen Demonstration und tatsächlicher Implementierung unterscheiden.

Zum einen handelt es sich um eine überwachte Version und nicht um einen autonomen Lkw ohne Fahrer. Zum anderen sind die europäischen Vorschriften für solche Funktionen weitaus strenger als die Marketingvideos aus den USA. Allein die Tatsache, dass Tesla das FSD im Zusammenhang mit dem Semi erwähnt, bedeutet noch nicht eine schnelle Umsetzung im täglichen Betrieb der Flotten in ganz Europa.

Kurz gesagt: eine interessante Ergänzung zur Geschichte des Modells, aber das ist es nicht, was Semi heute an Transportunternehmen verkauft.

Das europäische Tesla Semi sieht aus wie ein sinnvoller Batterie-Lkw – nur ohne den Vorteil, den ihm ein Teil des Marktes voreilig zugeschrieben hat. 550 km Reichweite, 800 kW Leistung und das Jahr 2027 sind konkrete Angaben. Der Rest, insbesondere Preis und Lieferumfang, wird erst zeigen, ob Tesla in Europa um Marktanteile kämpfen will oder einfach nur Präsenz zeigen möchte. Was meinen Sie – werden Transportunternehmen eher von einer Reichweite von 550 km überzeugt oder erst von einem aggressiven Preis?

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Quelle: LovEV.pl