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Infrastruktur

Tesla Semi für Europa: Reichweite okay, Nutzlast top

Tesla Semi für Europa: Reichweite okay, Nutzlast top

Tesla hat im Vorfeld der IAA Transportation die Leistungsdaten seines elektrischen Debüt-Lkw Semi für Europa publik gemacht. Die Werte entsprechen grob der US-amerikanischen Variante mit Standard-Reichweite. Kunden erwarten bis zu 800 kW Leistung, grob 550 km Autonomie und verhältnismäßig viel Nutzlast. Zudem plant Tesla ein eigenes Lkw-Ladenetz.

Bild: Tesla

Die Tesla Germany GmbH lüftet einige Details zum Datenblatt des europäischen Tesla Semi – gleichzeitig hat sie eine deutsche Webseite zum neuen E-Lkw freigeschaltet. Zur Markteinführung selbst hält sich das Unternehmen noch recht bedeckt. Tesla teilt lediglich mit, dass man den Semi zu Flotten auf dem gesamten Kontinent bringen werde und die Übergabe von Fahrzeugen an Kunden im Jahr 2027 in Europa beginnen soll. Welche Märkte dabei Priorität haben werden, geht aus der uns per E-Mail vorliegenden Mitteilung nicht hervor. Klar hingegen: Als Service-Absicherung soll ein Netz aus sogenannten Semi Service Centern und lizenzierten Werkstätten eingerichtet werden.

Doch zunächst zum Fahrzeug selbst: Tesla bringt die Modellversion „Standard Range“ nach Europa. Ob analog zu den USA später auch die Einführung der „Long Range“-Versionmit ihren bis zu 800 Kilometern Reichweite geplant ist, bleibt zum aktuellen Zeitpunkt offen. Auf der neuen deutschen Semi-Webseite heißt das Modell in direkter Übersetzung denn auch „Semi Standard Reichweite“. Positionieren will Tesla die Sattelzugmaschine dabei als effizienten und leistungsstarken Allrounder für den Regional- und Fernverkehr.

Tesla Semi: Kabine mit zentraler Fahrerposition

Vorneweg: Der Semi wartet mit einem ungewöhnlichen Kabinendesign auf – allen voran mit einer zentralen Fahrerposition für eine „verbesserte Sicht“, so Tesla. Die Kabine soll ansonsten genug Raumhöhe zum Stehen, eine Aufhängemöglichkeit für Jacken sowie einen beheizten und belüfteten Sitz bieten. Außerdem isolieren Akustikglas und schalldämmende Materialien die Kabine, um Straßengeräusche weitgehend draußen zu halten.

Achstechnisch ist der Semi ein 6×4-Sattelschlepper, er verfügt also über drei Achsen, von denen die hinteren beiden angetrieben sind. Die Europa-Version übernimmt dabei den Antriebsstrang des US-Originals mit drei unabhängigen Motoren an den beiden Hinterachsen. Den genauen Aufbau und den Beitrag jedes einzelnen Motors behält Tesla noch für sich. Als Gesamt-Output werden aber bis zu 800 kW genannt. Außerdem betont Tesla das „sofortige Drehmoment und die hohe Leistung bei jeder Geschwindigkeit“ – ein Vorteil etwa beim Einfädeln auf der Autobahn.

Tesla Semi lädt mit bis zu 800 kW DC

Zur Batterie äußert sich Tesla im Vorfeld der Messe nicht, gibt aber an, dass der Semi in Europa das Megawattladen mit bis zu 800 kW DC beherrscht. Damit soll in einer halben Stunde genug Strom fließen, um den Akku wieder auf 60 Prozent Ladestand zu füllen. Genau diese Angabe gilt auch für das US-Pendant, sodass mit hoher Wahrscheinlichkeit auch dieselbe Batterie mit 548 kWh verbaut ist. Zumal alle Semis für den Heim -und den Weltmarkt bei Tesla in Nevada vom Band laufen. Die Akkus für den Semi stammen dabei aus der eigenen Produktion des Elektrofahrzeugbauers und basieren auf 4680-Rundzellen mit NCMA-Chemie.

Bild: Tesla

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Die einzigen kleinen Abweichungen zum weitgehend baugleichen US-Semi betreffen die Reichweite und den Verbrauch: Für die Europa-Version nennt Tesla eine geschätzte Reichweite von 550 Kilometern, beim US-Pendant sind es „etwa 325 Meilen“, was rund 523 Kilometern entspricht. Der Energieverbrauch wird von Tesla Germany mit 1,0 kWh/km angegeben, in den USA heißt es 1,7 kWh/Meile – umgerechnet 1,1 kWh/km. Das lässt sich aber unter anderem mit den unterschiedlichen Tonnagen und Lkw-Fahrgeschwindigkeiten in den USA und Europa erklären: In den USA ist der Semi ein Klasse-8-Lkw mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 80.000 lbs (rund 36,3 Tonnen) und dort dürfen Lkw je nach Bundesstaat und Straßentyp meist zwischen 55 und 80 mph (ca. 88 bis 128 km/h) fahren. In Europa darf der Semi auf 40 Tonnen kommen und bei Lkw ist auf der Autobahn in der Regel bei 80 oder 90 km/h Schluss.

Datenblatt bezieht sich auf 40-Tonner mit 80 km/h

Tesla verweist denn auch im Kleingedruckten seiner Webseite darauf, dass die Reichweite von 550 Kilometern und der angegebene Verbrauch eine Schätzung auf Basis eines Gesamtzuggewichts von 40 Tonnen, 80 km/h und 20 Grad Celsius auf ebener Strecke sind – unter Berücksichtigung eines speziellen „Aero-Kits“ und eines Trockenfracht-Sattelaufliegers gemäß kalifornischem Standard. Hier wird der Exportcharakter des Semi also noch einmal deutlich. Wie die Reichweite und der Verbrauch mit hiesigen Standardaufliegern ausfallen, werden wir spätestens mit den ersten Auslieferungen kommendes Jahr erfahren. Beim Verbrauch schiebt Tesla jedenfalls noch den Satz hinterher, dass „die Wahl der Reifen und der Dachverkleidung sowie die Konfiguration des Sattelaufliegers einen sehr großen Einfluss auf den prognostizierten Verbrauch haben“.

Zwei weitere Werte, die Tesla im Vorfeld der IAA Transportation noch aus dem Datenblatt enthüllt, sind ein Leergewicht von unter 9,1 Tonnen und ein elektrischer Nebenabtrieb (ePTO) von bis zu 25 kW. Das Leergewicht ist besonders interessant, lässt sich an ihm doch die potenzielle Nutzlast ableiten. Unter Rückgriff auf einen hiesigen Standard-Auflieger mit grob 6,3 Tonnen Eigengewicht, würde der europäische Semi mit einer Nutzlast von etwa 24,6 bis 26,6 Tonnen aufwarten – je nachdem, ob man die 40 Tonnen oder den speziellen E-Lkw-Gewichtsbonus von bis zu 42 Tonnen als zulässiges Gesamtgewicht ansetzt.

Tesla Semi für Europa wird Lasten-optimierter Lkw

Bestätigt sich diese Rechnung, würde Tesla in Europa zunächst mit einem Lasten-optimierten Lkw ins Rennen gehen und dafür auf Reichweite verzichten. Die vom Hersteller genannten 550 Kilometer sind jedenfalls in Europa kein neuer Benchmark: Volvo Trucks führt hier mit seinem ganz neuen FH Aero Electric, kurz vor Konzernschwester Renault Trucks mit dem E-Tech T 780. Angegeben werden hier bis zu 700 bzw. 660 km Reichweite. Doch Reichweite als plakatives Argument für Alltagstauglichkeit verpufft im Logistikalltag schnell, wenn diese zu stark zulasten der Nutzlast geht. Tesla hat sich an dieser Stelle beim Europa-Debüt für seine Variante mit kleinerer Batterie und dafür mehr Nutzlast entschieden. Und als weiterer Schlüsselfaktor kommt die Schnellladefähigkeit hinzu. Hier will Tesla das Megawattladen mit bis zu 800 kW anbieten.

Und hier macht Tesla in seiner Mitteilung eine beachtenswerte Aussage: „Das Hochleistungsladen ist für den gewerblichen Einsatz konzipiert: Der Semi ist darauf ausgelegt, bei einem kurzen Ladestopp im Tesla-Megacharging-Netzwerk einen erheblichen Teil seiner Energie nachzuladen. So bleiben die Lkw produktiv und die Zeitpläne werden eingehalten. Das Tesla Megacharger-Netz umfasst ultra-schnelle Ladestationen, mit denen Fahrer schneller wieder auf die Straße kommen.“

Auf seiner Webseite bekräftigt Tesla ein solches Netz in Europa bieten zu wollen. Es soll sich um ein „expandierendes öffentliches“ Netz mit günstig gelegenen Standorten handeln. Dabei unterscheidet Tesla zwischen „Megachargern“ mit besagten bis zu 800 kW Ladeleistung und „Basechargern“ mit 120 kW Ladeleistung für längere Aufenthalte in Depots und das Laden über Nacht. Bei letzterer Lösung dürfte es sich um CCS-Systeme handeln. Sie sollen die Reichweite des Semi „in vier Stunden um bis zu 60% erhöhen“. Weitere Eckpunkte zu den Rollout-Plänen sind noch nicht publik.

Betriebskosten als Verkaufsargument

Tesla Germany bewirbt das Importmodell allen voran als vollelektrischen Sattelschlepper, der geringere Betriebskosten als herkömmliche Lkw verursacht. Und: „Der Semi wurde von Grund auf als Elektro-Lkw konzipiert und ist darauf ausgelegt, den Güterverkehr zu revolutionieren. Er basiert auf der Tesla-Expertise in den Bereichen Batterietechnologie, elektrischer Antriebsstrang, Software und Fertigung, um die Anforderungen moderner Logistik zu erfüllen.“ Dank Ferndiagnose, „Over-the-Air“-Software-Updates und geringerem Wartungsaufwand könnten Betreiber zudem Zeit sparen.

Was Service- und Repartur angeht, will Tesla ein Netz aus den eingangs erwähnten Semi Service Centern aufbauen. Ergänzt wird der Support um einen noch nicht näher definierten „Mobile Service vor Ort“, der Fahrern Unterstützung bieten soll. Hinzu kommen von Tesla zertifizierte Reparaturwerkstätten, die mit dem Launch des Semi ebenfalls zur Verfügung stehen sollen. Ersatzteile will Tesla wiederum in seinen Semi Service Centern vorhalten. Und: „Die Verteilerzentren führen ebenfalls ein komplettes Sortiment an Ersatzteilen, um etwaige Ausfallzeiten zu minimieren“, skizziert der Hersteller.

Verfügbar machen will Tesla künftigen Lkw-Kunden zudem seine Flottenmanagement-Plattform namens Tesla for Business. Diese hatte der Hersteller in Europa vergangenes Jahr zunächst für Pkw-Flottenkunden angekündigt. Das Portal erlaubt u.a. die Verwaltung des Fahrzeugs und des Fahrerzugriffs und zeigt Echtzeit-Fahrzeugdaten zu Ladestatus, Reifendruck oder Energieverbrauch. Zudem lassen sich dort u.a. Service-Termine buchen, Kostenvoranschläge genehmigen und Rechnungen bearbeiten.

_Der Tesla Semi wird vom 14. September (Pressetag) bis zum 20. September auf der IAA Transportation in Hannover ausgestellt. Besucher können den europäischen Semi am Tesla-Stand sehen und – vorbehaltlich der Verfügbarkeit – auch im Fahrzeug mitfahren. Die entsprechenden Ausgangspunkte sind Halle 12, Stand B01 und Halle 14/15, Stand TD07._

_Quelle: Infos per E-Mail_, tesla.com