Tesla ruft 20.000 Elektrofahrzeuge wegen Blendung durch die Scheinwerfer zurück

Tesla ruft in den USA 20.349 Fahrzeuge des Modells 3 und Model Y zurück, weil ihre Abblendlichter in bestimmten Gebieten die zulässigen Helligkeitswerte überschreiten. Der Automobilhersteller hatte versucht, eine Rückrufmaßnahme zu vermeiden, doch die US-amerikanische National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) lehnte seinen Antrag ab.

Die Rückrufaktion betrifft insbesondere 18.735 Model Y-Fahrzeuge der Modelljahre 2020 bis 2023 sowie 1.614 Model 3-Fahrzeuge der Modelljahre 2017 bis 2023. Für die in diesen Fahrzeugen verbauten Scheinwerfer waren Marelli Automotive Lighting verantwortlich. Das Problem betrifft nicht die gesamte Lichtleistung der Scheinwerfer, sondern bestimmte Messbereiche an den äußeren, oberen Rändern des Lichtstrahls. In diesen Bereichen erlauben die Vorschriften einen maximalen Wert von 125 Candela. Bei Tests im Rahmen der Rückrufdokumentation wurden jedoch Werte von bis zu 230,1 Candela gemessen. Die übermäßige Helligkeit kann andere Straßenbenutzer blenden und ihre Sicht beeinträchtigen.
Die betroffenen Scheinwerfer waren hauptsächlich in Fahrzeugen installiert, die vor dem 2. Juni 2023 hergestellt wurden. Später wurden die Komponenten jedoch auch in weiteren Fahrzeugen eingebaut, unter anderem während Reparaturen. Infolgedessen umfasst der Rückruf auch 432 Fahrzeuge mit späteren Herstellungsdaten.
Dieses Problem bereitet Tesla und der NHTSA seit Langem Sorgen. Schon im Jahr 2023 stellten Tests in einem kanadischen Labor fest, dass die Scheinwerfer die vorgeschriebenen Grenzwerte überschritten. Tesla bestätigte diese Abweichung in eigenen Untersuchungen, hielt den Defekt jedoch nicht für so sicherheitskritisch, dass ein vollständiger Rückruf aller betroffenen Fahrzeuge notwendig wäre.
Der Hersteller wies darauf hin, dass es bislang keine Unfälle oder Verletzungen im Zusammenhang mit diesem Problem gegeben habe, obwohl drei Garantieverfahren und ein Bericht vor Ort registriert wurden. Tesla beantragte anschließend bei der NHTSA eine Befreiung von einem vollständigen Rückruf, doch die Behörde lehnte den Antrag im Juli ab. Infolgedessen muss Tesla nun alle 20.349 betroffenen Fahrzeuge zurückrufen.
Die Rückrufmaßnahme erfolgt, da die NHTSA auch in anderen Bereichen das Model 3 und das Model Y genauer prüft. Anfang August leitete die Behörde eine vorläufige Untersuchung gegen etwa 1,2 Millionen Fahrzeuge beider Modellreihen ein. Dabei geht es um mögliche Mängel am vorderen unteren Lenkarm, die im schlimmsten Fall zu einem Verlust der Lenkkontrolle führen können. Die NHTSA startete die Untersuchung nach Eingang von 156 Beschwerden von Fahrzeughaltern, hat aber bisher keinen Rückruf veranlasst.
Es bleibt unklar, wie Tesla das Problem mit den Scheinwerfern lösen wird. In der Rückrufdokumentation heißt es lediglich, dass der Hersteller derzeit ein Gegenmittel entwickelt. Tesla hat in der Vergangenheit zahlreiche Rückrufe durch Over-the-Air-Updates abgewickelt, doch es gibt Anzeichen dafür, dass in diesem Fall eine rein softwarebasierte Lösung nicht ausreichen wird. Falls Tesla die betroffenen Scheinwerfer ersetzen muss, müssen die Fahrzeughalter ihre Fahrzeuge zu einer Werkstatt bringen.
Tesla hat seine Verkaufs- und Servicestandorte bereits über den Rückruf informiert. Das Unternehmen plant, die Besitzer der betroffenen Model 3- und Model Y-Fahrzeuge bis zum 15. September zu benachrichtigen.