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Tesla hat den Accordion Supercharger vorgestellt. Eine günstigere Installation wird nicht verbergen, dass das Netzwerk langsamer wächst.

Tesla hat den Accordion Supercharger vorgestellt. Eine günstigere Installation wird nicht verbergen, dass das Netzwerk langsamer wächst.

Tesla hat in Deutschland den ersten vorgefertigten Accordion Supercharger eingeführt – also einen fertigen Modul mit 8 Ladeplätzen, einer V4-Leistungsbox sowie Kabeln, die bereits in der Fabrik verlegt wurden. Das Unternehmen verspricht eine 20 Prozent geringere Installationskosten sowie eine nahezu sofortige Inbetriebnahme der Station nach dem Aufstellen am Standort.

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Auf dem Papier sieht das sehr gut aus. Das Problem ist jedoch, dass Tesla eine solche Abkürzung nicht deshalb benötigt, weil es technische Tricks mag, sondern weil das Ausbautempo der Supercharger deutlich nachgelassen hat.

Was ist ein Accordion Supercharger?

Das neue Tesla-Modul handelt sich um eine vorgefertigte Ladesäule, die für Parkplätze konzipiert ist, auf denen keine Ladepfosten hinter dem Bordstein errichtet werden können. Anstelle eines klassischen Aufbaus packt das Unternehmen die Ladeplätze zwischen den Parkplätzen in Form eines ausziehbaren, akkordeonartigen Sets zusammen.

Jeder solche Modul enthält 8 Ladeplätze, einen zentralen V4-Stromverteiler und ein komplettes Kabelset. Tesla gibt an, dass ein Lastwagen 2 Sets transportieren kann, was insgesamt 16 Ladeplätze pro Fahrt bedeutet. Vor Ort soll die Anlage schnell mit einem Gabelstapler oder einer Teleskopladeranlage abgebaut und aufgestellt werden.

Dies ist eine Weiterentwicklung der früheren vorgefertigten Supercharger vom Typ Folding Unit, die Tesla bereits in den USA vorgestellt hat. Diese Lösungen passten besser in die Anordnung am Straßenrand. Accordion soll den schwierigeren Fall bewältigen, nämlich Einkaufs- und Stadtparkplätze, wo die Lader zwischen den Autoreihen platziert werden müssen.

Was verspricht Tesla genau

Die größten Hürden sind Kosten und Zeit. Tesla gibt an, dass die Installation 20 Prozent günstiger ist als der Bau einer herkömmlichen Ladestation. Das Unternehmen verwendet außerdem den Begriff „instant commissioning“, was bedeutet, dass die Anlage praktisch sofort nach dem Aufstellen und Anschließen der Stromversorgung in Betrieb genommen werden kann.

Das klingt ehrgeizig, doch es muss eine Einschränkung hinzugefügt werden. „Sofort“ bedeutet nicht, dass alle Formalitäten, Anschlüsse und Erdarbeiten auf magische Weise übersprungen werden können. Es muss weiterhin ein Platz vorbereitet, eine Hochleistungs-Stromversorgung eingeführt und lokale Verfahren durchlaufen werden. Der Vorteil liegt anderswo: weniger Arbeit vor Ort, weniger Einzelmontagen, weniger Tests und ein kürzerer Aufenthalt der Baukräfte.

Auch die Hardware selbst ist leistungsstark. Tesla kombiniert hier die V4-Dispenser mit einem V4-Power-Box, dessen Leistung bis zu 1,2 MW beträgt, wodurch das Aufladen des Autos bis zu 500 kW erreichen soll. Das ist natürlich ein Spitzenwert, der vom jeweiligen Auto und der Batteriearchitektur abhängt. Die meisten Autos werden diese Leistung ohnehin nicht nutzen, doch die Plattform ist bereits auf leistungsstärkere Modelle ausgelegt.

Der erste bekannte Standort einer solchen Station ist Irschenberg in Deutschland, neben einem FC Bayern-Laden und in der Nähe von Gastronomiebetrieben. Laut Berichten und Fotos von Nutzern ist die Anlage bereits seit dem Vormonat in Betrieb.

Unser erster Accordion Supercharger

Unser Ziel ist es, alle Superchargers im Werk vorzufertigen. Falls wir Superchargers nicht hinter dem Bürgersteig installieren können, haben wir nun eine vorgefertigte Lösung für Superchargers zwischen Parkplätzen.

16 Ladepunkte pro LKW-Lieferung, 20 % günstiger in der Installation,… pic.twitter.com/KlmczpLoPR

— Tesla Charging (@TeslaCharging) 15. September 2026

Warum tut Tesla das?

Der Grund ist einfach: Der traditionelle Aufbau einer DC-Ladestation ist teuer, langsam und voller Kleinigkeiten. Man muss graben, Kanäle anlegen, Fundamente gießen, die Pfosten einzeln aufstellen und alles vor Ort elektrisch verbinden. Wenn man den größten Teil dieser Arbeit in die Fabrik verlagern kann, wirkt sich das skaliert aus.

Tesla arbeitet bereits seit Jahren in diese Richtung. Schon im Jahr 2022 prahlte das Unternehmen mit der sehr schnellen Montage vorgefertigter Ladestationen, und 2024 sprach es von einer Zeit von nur noch 4 Tagen vom Liefertermin bis zur Inbetriebnahme sowie von Einsparungen in Höhe von 15 %. Accordion ist ein weiterer Schritt, der nur besser auf Parkplätze zugeschnitten ist, die zuvor für Tesla weniger praktisch waren.

Hier lässt sich schwer etwas einwenden. Die Vorfertigung macht Sinn, insbesondere bei Hochleistungs-Ladungen, wo jede Woche Bauzeit und jedes zusätzliche Element vor Ort die Kosten erhöhen.

Das Problem liegt woanders. Das Tesla-Netzwerk verlangsamt sich.

Der neue Modul erscheint nicht im Vakuum. Tesla entwickelt heute das größte Schnellladungsnetz der Welt, doch das Wachstumstempo wirkt nicht mehr so beeindruckend wie vor einigen Jahren.

Am Ende des Q2 2026 verfügte das Unternehmen über 82.357 Ladeanschlüsse in 8.704 Ladestationen. Das ist immer noch eine gigantische Größenordnung. Allerdings sank das jährliche Wachstum auf etwa 17%, während Tesla in den Jahren 2020-2021 mit einem Wachstum von 35-45% pro Jahr zulegte.

Noch deutlicher wird das an den quartalsweisen Zuwächsen. Im Q2 2024 fügte Tesla nur 2.017 neue Ladeanschlüsse hinzu, im Vergleich zu 2.687 im vorangegangenen Quartal. Danach war das Wachstum unregelmäßig: 1.821 im Q1 2025, ein Anstieg auf 3.865 im Q4 2025 und anschließend 2.236 sowie 2.439 in den ersten beiden Quartalen des Jahres 2026.

Das bedeutet also, dass das Netz weiter wächst, aber nicht mehr mit dem Tempo, an das Tesla den Markt gewöhnt hat. Das hat eine doppelte Bedeutung, denn die Supercharger werden zunehmend auch für Autos anderer Marken geöffnet.

Der Schatten von Entlassungen und Chaos im Jahr 2024

Hintergrund ist die Entscheidung von Elon Musk vom April 2024, als er praktisch das gesamte Supercharger-Team, etwa 500 Personen, zusammen mit der damaligen Leiterin Rebecca Tinucci, entließ. Einige Mitarbeiter kehrten nach einigen Wochen zurück, Musk kündigte außerdem Ausgaben in Höhe von 500 Millionen Dollar für die Netzentwicklung im selben Jahr an, doch die Lücke in der Organisation war deutlich sichtbar.

Das ist eine dieser Entscheidungen, die von außen wie ein Schlag ins eigene Boot wirken. Der Supercharger war jahrelang das stärkste Argument von Tesla. Wenn eine gut laufende Maschine plötzlich so einen Schlag erhält, ist es später schwierig, so zu tun, als wäre nichts passiert.

Das Akkordeon kann dieses Chaos teilweise verbergen. Es wird jedoch die zwei Jahre des langsamen Fortschritts nicht rückgängig machen.

BYD zeigt, wie eine aggressive Ausweitung aussieht

Der interessanteste Vergleich betrifft heute nicht Ionity oder Fastned, sondern BYD. Die Chinesen haben von März bis Ende August 2026 insgesamt 10.000 Ladestationen ihres Flash-Charging-Systems mit einer Leistung von bis zu 1,5 MW in 325 Städten Chinas errichtet. Das Ziel für das Ende des Jahres sind 20.000 Ladestationen.

Wenn man pro Ladestation 2 Ladepunkte ansetzt, sind das in weniger als einem Jahr etwa 40.000 Ladepunkte. Das entspricht bereits etwa der Hälfte der weltweiten Anzahl an Tesla-Ladestationen. Natürlich ist der Vergleich nicht perfekt, denn BYD ist hauptsächlich in China tätig und seine höchsten Leistungen hängen stark von kompatiblen Modellen der Marke ab. Doch das Ausmaß und die Geschwindigkeit sind beeindruckend.

Dazu kommt noch die Leistung. Tesla gibt für das V4 500 kW an, BYD 1.500 kW. Wiederum handelt es sich dabei nicht um einen einfachen „Wer ist besser?“-Test, denn auch die Ladekurve, die Systemspannung sowie die Kompatibilität des Autos mit der Ladestation spielen eine Rolle. Dennoch ist Teslas Marketingvorteil in Bezug auf die Infrastruktur nicht mehr so unbestreitbar wie früher.

Was bedeutet das für Fahrer in Europa

Für EV-Nutzer sind zwei Dinge am wichtigsten. Erstens kann Accordion das Aufstellen von Ladestationen an Orten erleichtern, an denen zuvor die Parkanlage Investitionen erschwerte. Zweitens kann die geringere Baukosten das Wirtschaftlichkeitsprofil an weniger geeigneten oder schwieriger zugänglichen Standorten verbessern.

Das kann in Europa besonders wichtig sein, wo viele Parkplätze in Einkaufszentren oder in Städten einfach zu eng und bereits festgelegt sind. Tesla hat noch keinen umfassenden Zeitplan für die Einführung vorgegeben, doch das erste Objekt in Deutschland deutet darauf hin, dass gerade Europa einer der natürlichen Märkte für diese Konstruktion ist.

Auch in Polen ist die Sache einfach. Je mehr eine HPC-Station vorgefertigt wird, desto größer ist die Chance, dass der Betreiber schneller von der Planung zu einer funktionsfähigen Ladesäule gelangt. Allerdings stößt man immer noch auf Probleme mit Anschlüssen und lokalen Vorschriften. Hier reicht allein die Akkordeon-Technologie nicht aus, um das Problem zu lösen.

Der Accordion Supercharger scheint eine sinnvolle Antwort auf ein reales Problem von Tesla zu sein, nur muss das Unternehmen jetzt noch beweisen, dass es diese Lösung in großem Maßstab umsetzen kann. Was meinen Sie – macht die Ingenieurskunst von Tesla heute mehr Eindruck oder das Tempo bei der Errichtung von Ladesäulen durch BYD?

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Quelle: LovEV.pl