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Politik

Unterstützung von 330 Exqui.City-Bussen in ganz Europa, Bereitstellung lokaler Wartungsdienste sowie Ausbau durch Modernisierungen: Erklärung der Strategie von HESS Belgium

Unterstützung von 330 Exqui.City-Bussen in ganz Europa, Bereitstellung lokaler Wartungsdienste sowie Ausbau durch Modernisierungen: Erklärung der Strategie von HESS Belgium

HESS Belgium entwickelt sein Retrofit-Geschäft parallel zur Unterstützung von rund 330 Exqui.City-Bussen, die in ganz Europa im Einsatz sind.

Nach der Gründung von HESS Belgium als Service- und Expertenzzentrum, das ehemalige Van Hool-Mitarbeiter nach dem Bankrott des Herstellers zusammenbringt, wollten wir herausfinden, wie das Team entstanden ist und was als Nächstes kommt. Wir sprachen mit Geert Van Hecke, ehemaligem Leiter Verkauf Öffentlicher Verkehr bei Van Hool und nunmehrem HESS Key Account Manager International sowie Manager von HESS Belgium, über die Ursprünge des Unternehmens und seine Pläne über die Fertigstellung der Paris TZen-Fahrzeuge hinaus.

Unser erster Pfeiler ist die anhaltende Unterstützung für die 330 Exqui.City-Busse, die in ganz Europa im Einsatz sind. Wir führen Eingriffe in ganz Europa durch – in Norwegen, Schweden, Frankreich und anderen Ländern. Natürlich reicht das jedoch nicht aus, um ein solides Unternehmen aufzubauen. Deshalb konzentriert sich der zweite Pfeiler auf die lokale Wartung, insbesondere auf spezialisierte Wartung von Bussen. Kunden können ihre Busse oder Reisebusse zu uns schicken, um umfangreiche Reparaturen am Chassis oder Updates des Software-Systems durchführen zu lassen. Der dritte Pfeiler ist jener, den wir weiterentwickeln möchten: größere Projekte, die Umbauten und Modernisierungen umfassen.

Geert Van Hecke, HESS Key Account Manager International & Manager HESS Belgium

Ein ganzes Team von Van Hool bis HESS… Belgien

Lassen Sie uns mit den Ursprüngen von HESS Belgium beginnen. Wie wurde das ehemalige Van Hool-Team zu einem Teil von HESS, und wie begann diese Zusammenarbeit?

Alles begann unmittelbar nach dem Bankrott von Van Hool im April 2024. Ich war in Paris zur Eröffnungsfeier, bei der wir die ersten Tzen-Busse übergeben haben. In derselben Woche wurde bekannt gegeben, dass wir bankrott gegangen waren, und wir alle verloren unsere Jobs. Es war eine ziemlich emotionale Woche.

Zum Glück hatte ich viele gute Kontakte. Zunächst einmal zum Kunden, den ich kontaktiert habe, und ich hatte das Gefühl, dass sie sich wirklich darauf freuten, die Busse zu erhalten. Ich hatte auch gute persönliche Kontakte zu KIEPE Electric, das die Antriebstechnik lieferte, sowie zu Alstom, das für die Ladeinfrastruktur verantwortlich war.

Ich habe auch HESS’ CEO Alex Naef kontaktiert, den ich in der Vergangenheit sehr respektiert habe, weil wir in Paris, Brisbane und eigentlich überall starke Konkurrenten waren.

Ihr konkurriert mit sehr ähnlichen Produkten, insbesondere bei Projekten im Bereich Elektrobusse und Ladeinfrastruktur.

Ja. Was Projekte mit Ladeinfrastruktur angeht, war HESS stets ein sehr harter Konkurrent. Ich kontaktierte einige meiner ehemaligen Kollegen und sagte: „Leute, seid ihr daran interessiert, weiterzumachen? Warum versuchen wir es nicht gemeinsam?“ Wir trafen uns viele Male in einer Bar in Lier, in der Nähe der Van Hool-Fabrik. Wir stellten fest, dass wir viele gute Leute zusammenbringen konnten. Dann rief ich Alex Naef an und sagte: „Alex, ich denke, wir können ein Team zusammenstellen. Wir schaffen das, wir können dieses Projekt abschließen und sogar noch mehr erreichen.“

Sicherlich sind 25 Personen nur eine Gruppe von Menschen. Doch wir brauchten einen Industriepartner hinter uns, der über finanzielle Stärke und ingenieurtechnische Fähigkeiten verfügte. Schließlich suchte Paris nicht nur Busse, sondern auch eine langfristige Verpflichtung – sagen wir 20 Jahre. Man kauft nicht einfach nur einen Bus, sondern weitaus mehr als nur einen Bus. Alex kam nach Belgien und wir kamen schnell zu einer Einigung. Er sah die Chance, aber auch die Herausforderung, denn es handelte sich um eine echte Herausforderung. Im Grunde sagte er: „Ihr in Belgien versucht, die Dinge dort in den Griff zu bekommen und alles in Ordnung zu bringen, und ich kümmere mich um den Rest.“ Anschließend verhandelte er mit VDL, das nach der Übernahme von Teilen von Van Hool stark auf bestimmte strategische Aktivitäten, insbesondere auf Reisebusse, fokussiert war.

HESS Belgium liegt etwa 10 Kilometer vom ehemaligen Van Hool-Gelände entfernt. Dort haben wir eine völlig neue Anlage, die wir selbst entwickelt haben. Wir kauften viele Geräte beim Verwalter von Van Hool. Mit diesen Geräten fertigten wir die TZen-Busse für Paris an und brachten sie anschließend in das neue Gebäude. Doch wir kauften auch einen neuen Krane, eine neue Inspektionsgrube, eine neue Lackierkabine sowie weitere Geräte. Somit hat auch HESS in neue Anlagen investiert. Es handelt sich dabei um eine Kombination aus Geräten, die aus dem Insolvenzvermögen von Van Hool erworben wurden, und neuen Investitionen.

Geert Van Hecke, HESS Key Account Manager International & Manager HESS Belgium

Wurden diese 25 Personen zuvor von Van Hool zu VDL versetzt, oder haben sie alle nach der Insolvenz ihren Job verloren?

Alle diese Personen waren zu Hause. Sie waren allesamt ehemalige Mitarbeiter von Van Hool. Einige derjenigen, die sich uns anschlossen, befanden sich bereits in Absprachen mit anderen Unternehmen, denn die besten Techniker finden immer Gelegenheiten. Doch sie waren sehr glücklich, als wir sie anriefen. Insgesamt haben wir nun fünf Personen in der Leitung und Verwaltung sowie 25 Techniker.

Die ersten Monate waren definitiv schwierig. Einige Lieferanten waren nicht bereit, Teile zu liefern, weil sie durch die Insolvenz ebenfalls Geld verloren hatten. Doch nach vielen Diskussionen und Treffen begann schließlich jeder, uns zu unterstützen. Irgendwann passt dann alles zusammen und die Maschine fängt an zu laufen. Das geschah nach einigen Wochen, und die Leute wurden begeistert. Wir hatten ein wirklich gutes Jahr beim Bau dieser Busse für Paris. In Paris hatten wir außerdem stets Leute, die das Projekt vor Ort unterstützten, wo wir die verbleibenden Aufgaben und Tests abschlossen.

Geert Van Hecke: „HESS Belgium ist heute weitaus mehr als nur das TZen-Projekt“

Van Hool ging im April 2024 in Insolvenz. Wann wurde HESS Belgium eigentlich gegründet?

Es wurde im Juni 2024 gegründet. Unmittelbar nach dem Bankrott, als Alex Naef zustimmte, das Projekt zu unterstützen, gründeten wir HESS Belgium, weil wir eine finanzielle und rechtliche Grundlage für unsere Tätigkeiten benötigten. Ich möchte jedoch betonen, dass HESS Belgium heute weitaus mehr ist als nur das TZen-Projekt.

Wir kommen gleich auf die Tätigkeiten des Unternehmens zu sprechen. Zuerst: Wo hat HESS Belgium seinen Sitz? befindet sich die neue Anlage am ehemaligen Standort von Van Hool?

Wir sind etwa 10 Kilometer vom alten Van-Hool-Standort entfernt. Van Hool hatte seinen Sitz in Koningshooikt, und wir sind etwa 10 Kilometer weiter gezogen, in eine Richtung, in der die meisten unserer Mitarbeiter wohnen. Dort haben wir eine völlig neue Anlage, die wir selbst entwickelt haben.

Was ist mit der Ausrüstung und den Maschinen? Hatte HESS sie von der ehemaligen Van Hool-Produktion gekauft, oder ist alles neu?

Es ist eine Kombination. Wir haben viel Ausrüstung vom Verwalter von Van Hool erworben. Wir haben diese Ausrüstung verwendet, um die TZen-Busse für Paris fertigzustellen, und anschließend in das neue Gebäude gebracht. Doch wir haben auch einen neuen Kran, eine neue Inspektionsgrube, eine neue Lackierkabine sowie weitere Ausrüstungsgegenstände gekauft. Somit hat HESS auch in neue Anlagen investiert. Es handelt sich um eine Mischung aus Ausrüstung, die aus dem Insolvenzvermögen von Van Hool erworben wurde, und neuen Investitionen.

Und wie viele Busse können die neuen Anlagen aufnehmen? Wie hoch ist der aktuelle Umfang der Tätigkeit?

Die einzige Zahl, die ich Ihnen nennen kann, ist, dass wir im Durchschnitt Platz für 15 bis 20 Busse in unserem neuen Gebäude haben.

25 Personen sind nur eine Gruppe von Menschen. Doch wir brauchten einen Industriepartner hinter uns, der über finanzielle Stärke und ingenieurtechnische Fähigkeiten verfügt. Denn letztendlich suchte Paris nicht nur Busse, sondern auch eine langfristige Verpflichtung – sagen wir mal 20 Jahre. Man kauft nicht einfach nur einen Bus. Man kauft weitaus mehr als nur einen Bus. Alex kam nach Belgien und wir kamen schnell zu einer Einigung.

Geert Van Hecke, HESS Key Account Manager International & Manager HESS Belgium

Zurück zu Ihrem vorherigen Punkt: Sie erwähnten, dass HESS Belgium weit mehr als nur das TZen-Projekt geworden ist. Wie haben sich die Aktivitäten nach Fertigstellung der Busse für Paris weiterentwickelt?

Im Laufe des Jahres arbeiteten wir an den Pariser Bussen – mein Team und ich dachten bereits darüber nach, was wir nach Paris tun würden. Wir konnten das Projekt zwar abschließen, wollten aber nicht wieder unseren Job verlieren. Der ursprüngliche Fokus lag darauf, die Pariser Busse fertigzustellen und anschließend Wartungsarbeiten an Van Hool Exqui.City-Fahrzeugen in Europa durchzuführen.

Aber was passiert nach diesen Wartungsarbeiten? Wie sieht die langfristige Strategie für HESS Belgium aus?

Leider können wir keine Van Hool-Busse mehr bauen. Die Produktion von Exqui.City-Bussen ist beendet – es gibt hier in Belgien kein Ingenieurbüro mehr.

Was können wir also tun? Der Eintritt in die HESS Service Division unter der Leitung von Fabian Hänggi war in dieser Hinsicht ein wichtiger Schritt für uns. Fabian unterstützte uns stark und besuchte uns regelmäßig. Wir entwickelten eine Strategie, die auf den Kenntnissen und Erfahrungen der gesamten HESS Service-Gruppe beruhte, und entschieden uns gemeinsam mit Fabian, ein Expertenzzentrum für Busse zu werden. Wir sind auf Van Hool-Busse spezialisiert, können aber auch andere Marken bearbeiten, da wir über das nötige Personal und die entsprechenden Kompetenzen verfügen.

Wir verfügen nun über ein neues Gebäude mit allen notwendigen Einrichtungen und werden in drei Bereichen tätig sein.

HESS Belgium – eine Strategie auf drei Säulen

Welche sind diese drei Säulen?

Der erste Pfeiler ist die anhaltende Unterstützung für die 330 Exqui.City-Busse, die in ganz Europa im Einsatz sind. Wir führen Eingriffe in ganz Europa durch – in Norwegen, Schweden, Frankreich und anderen Ländern. Das erledigen wir mit unserem eigenen Team. Die Betreiber möchten diese Busse noch 10 oder 15 Jahre einsetzen, in Paris sogar noch 20 Jahre. Doch natürlich lässt sich so kein solides Geschäft aufbauen.

Deshalb konzentriert sich der zweite Pfeiler auf die lokale Wartung, insbesondere auf spezialisierte Wartung von Bussen. Kunden können ihre Busse oder Reisebusse zu uns schicken, um umfangreiche Reparaturen am Chassis oder Updates des Software-Systems durchzuführen. Das ist also das lokale Geschäft, das wir betreiben.

Der dritte Pfeiler ist jener, den wir weiterentwickeln möchten: größere Projekte, die Umbauten und Modernisierungen beinhalten.

Sehr oft möchten Kunden ihre Busse tatsächlich länger einsetzen oder umweltfreundlicher machen. Letztendlich stellt ein Bus eine erhebliche Kapitalanlage dar. Wenn man seine Busse 25 statt 15 Jahre betreiben kann, spart man Geld. Oder wenn man mehr Batteriekapazität in den Bus einbauen kann, kann man ihn auf umweltfreundlichere Weise betreiben.

Das ist genau das, was wir leisten können. Wir arbeiten bereits an einigen Modernisierungsprojekten, bei denen wir Batterien durch Batterien eines anderen Herstellers oder durch bessere Batterien ersetzen. Hoffentlich können wir weitere solcher umfangreicheren Projekte entwickeln.

Wenn man sich den Zeitplan ansieht: Wie sieht die Entwicklung dieser drei Geschäftssäulen aus?

Der erste und zweite Pfeiler sind bereits in Betrieb, obwohl das lokale Geschäft weiter ausgebaut werden kann. Im Bereich der Nachrüstungen möchten wir mehr unternehmen. Wir haben bereits unsere ersten Referenzprojekte – wir haben die ersten Akkutausche sowie die ersten Reparaturen an Elektrobussen durchgeführt.

Wir werden diese Referenzen nutzen, um bestehenden Kunden besser zu erklären, was wir leisten können, da wir weitere Möglichkeiten entwickeln und aktiv mit Kunden sprechen müssen. Das werde ich in den nächsten Monaten in Angriff nehmen.

Ein Team, das bereits erweitert werden muss

Ist die derzeitige Organisation von HESS Belgium ausreichend, um den dritten Pfeiler zu entwickeln, oder rechnen Sie mit einer Erweiterung des Teams?

Wir müssen das Team erweitern. Derzeit sind wir 25 Personen stark, und alle unsere Mitarbeiter waren zuvor bei Van Hool beschäftigt. Der Vorteil ist, dass sie über viel Erfahrung verfügen. Allerdings sind viele unserer Mitarbeiter über 50 Jahre alt. Der nächste Schritt besteht darin, auf 35 oder 40 Mitarbeiter zu wachsen. Dieses Mal möchten wir jüngere Menschen rekrutieren, sie in das Unternehmen aufnehmen und sie in allen notwendigen Fähigkeiten ausbilden. Wir stehen bereits in Kontakt mit mehreren technischen Schulen in der Gegend.

Sie werden Praktikanten schicken, und wir hoffen, die Besten von ihnen rekrutieren zu können. Das ist unsere nächste Entwicklungsstufe – denn wir möchten langfristig hier bleiben.

Das Zugehörigkeits zur Serviceabteilung von HESS hilft uns außerdem dabei, unsere Fähigkeiten zu entwickeln. Wir können von anderen Werkstätten und Fabriken innerhalb der Gruppe lernen. Einige unserer Techniker haben bereits in der Schweiz Ausbildung erhalten, um komplexe Reparaturen an stark beschädigten Bussen durchzuführen.

Im Rahmen der umfassenderen Strategie von HESS hat die Gruppe auch die Trolleybus-Technologieaktivitäten von KIEPE übernommen. HESS Belgium verfolgt offenbar einen ähnlichen Ansatz, wobei spezialisierte Einheiten bestimmte technische Fähigkeiten bewahren…

HESS erkannte die strategische Bedeutung, dieses Know-how zu bewahren und die Kunden langfristig zu unterstützen. Wenn man sich alle Exqui.City-Busse oder Straßenbahnbusse ansieht, die weltweit im Einsatz sind, dann sind wir zwar nur ein kleines Team von 25 Personen, verfügen aber über umfangreiches Know-how. Entfernt man dieses Know-how, werden all diese Projekte früher oder später in Schwierigkeiten geraten, denn dann wird niemand mehr in der Lage sein, sie zu unterstützen. Daher hat dieses kleine Team enorme Hebelwirkung. Bei KIEPE ist es genauso. Man sieht die Hebelwirkung, die HESS durch diese relativ kleinen Übernahmen erzielt hat.

Unser Geschäft ist ein Nischengeschäft, aber es ist unser Kerngeschäft: busähnliche Fahrzeuge für den leichten Schienenverkehr, Elektrifizierung und Straßenbahnen. Das ist eine fantastische Hebelwirkung. Und die Kunden werden es letztendlich zu schätzen wissen, denn wir haben sie nicht ohne Unterstützung zurückgelassen.

Es handelt sich um relativ kleine Übernahmen, doch sie können einen erheblichen strategischen Einfluss auf wichtige Bereiche des Unternehmens haben. Es ist wie Schach: Man bewegt ein paar Figuren, doch letztendlich ist die Gesamtwirkung auf das Unternehmen sehr bedeutend.