Subaru tritt aus dem Schatten von Toyota hervor. Der Hersteller präsentierte einen elektrischen Prototyp auf seiner eigenen Plattform.

Kurz gesagt:
Subaru hat den ersten Prototyp eines Autos vorgestellt, der hauptsächlich auf inhouse entwickelten Technologien basiert
Zuvor war die Marke stark mit Toyota verbunden
Das vorgestellte Konzeptfahrzeug nutzt zwei Elektromotoren, die insgesamt über 510 PS erzeugen
Der Hersteller kündigt eine neue Plattform, leistungsstärkere Motoren, eine leichtere Batterie sowie eine eigene elektronische Architektur an
Wann der Debüt? Wahrscheinlich gegen Ende des Jahrzehnts
Subaru möchte unabhängig agieren
Die Japaner beginnen ein neues Kapitel – und zwar in ihrer eigenen Geschichte der Elektromobilität. Während einer Präsentation auf einem Testgelände in Sano, nördlich von Tokio, zeigte der japanische Hersteller erstmals einen Prototyp eines batteriebetriebenen Autos, das Technologien verwendet, die im Rahmen seines eigenen Entwicklungsprogramms entwickelt wurden. Das bedeutet, dass die Marke langfristig von Toyota unabhängiger werden möchte, ihrem größten Aktionär und langjährigen Technologiepartner – berichtet Automotive News.
Zur Erinnerung: Bisher basierte Subarus Elektrooffensive hauptsächlich auf gemeinsamen Projekten mit Toyota. Aus dieser Zusammenarbeit entstanden Modelle wie Solterra, Trailseeker, Uncharted und Getaway. Dadurch konnte der kleinere Hersteller von der Skaleneffekt, dem Forschungs- und Entwicklungsapparat sowie den Produktionskapazitäten seines viel größeren Partners profitieren (Anm. d. Red.). Im Jahr 2025 verkaufte Subaru weltweit 923.873 Autos, während Toyota die Marke von 11,3 Millionen Fahrzeugen überschritten hat.
In Subaru kommt Neues
Jetzt möchte das Unternehmen eigene Kompetenzen im Bereich Elektroautos aufbauen. Wie Takatomo Watamori, der für die technische Entwicklung verantwortliche Geschäftsführer, bei der Präsentation betonte, ist dies entscheidend, um die Markenidentität zu bewahren. „Indem wir Fahrzeuge selbst entwickeln und eigene Technologien für Elektroautos besitzen, können wir unseren Kunden schneller das Sicherheitsgefühl und das Fahrvergnügen bieten, die Subaru ausmachen – selbst in Zeiten so dynamischer Veränderungen“, sagte er laut Automotive News. Er fügte außerdem hinzu, dass am wichtigsten die Fähigkeit der Technologien zur flexiblen Anpassung sowie die Bereitschaft der Ingenieure zur ständigen Weiterentwicklung sei.

Das vorgestellte Testfahrzeug verbirgt eine neue Architektur unter einer karosserietechnischen Gestaltung, die an das Modell Outback erinnert. Das wichtigste Element ist eine völlig neue, speziell für Elektrofahrzeuge entwickelte Plattform. Laut Subaru soll sie leichter und steifer sein sowie einen höheren Schutz für Insassen und den Akku bei Kollisionen bieten. Die Konstrukteure geben außerdem eine Masseverringerung von etwa 100 kg im Vergleich zu den derzeit verwendeten Lösungen an.
Was steckt unter der Karosserie?
Der Prototyp verwendet zwei Elektromotoren, die gemeinsam mit dem Unternehmen Aisin entwickelt wurden. Die vordere Antriebseinheit entwickelt eine Leistung von 150 kW, die hintere von 230 kW. Insgesamt erzeugt das Antriebssystem 380 kW, was etwa 517 PS entspricht, und ermöglicht ein Beschleunigen von 0 auf 100 km/h in weniger als vier Sekunden. Die Ingenieure betonen, dass die neuen E-Achsen kompakter und leichter sind als die derzeit verwendeten, und ihre Effizienz soll um 30 Prozent höher sein als der Marktdurchschnitt – berichtet die Website aiada.org.
Auch bezüglich der Akkus gibt es ehrgeizige Ankündigungen. Das gemeinsam mit Panasonic Energy entwickelte Paket verwendet etwa 4.000 zylindrische Zellen. Laut Subaru ist die neue Batterie um 25 Prozent leichter als die vorherige Konstruktion, und die angestrebte Energiedichte soll um 20 Prozent über dem Branchendurchschnitt liegen. Der Hersteller hat jedoch noch nicht die Kapazität des Akkus, die Reichweite oder die Ladeparameter bekannt gegeben. Es wurde außerdem betont, dass das vorgestellte Fahrzeug lediglich eine Testplattform ist und nicht die endgültigen Spezifikationen des Serienmodells widerspiegelt.
Innovative Plattform
Die neuen Elektrofahrzeuge von Subaru sollen außerdem eine eigens entwickelte elektronische Architektur erhalten. Das Unternehmen arbeitet an einer integrierten Steuereinheit ECU, die die Fahrerassistenzsysteme, das Antriebsystem, die Karosserie sowie die Multimediasysteme steuern wird. Diese Lösung soll Remote-Updates über das Internet ermöglichen und die Grundlage für die nächste Generation des mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Eyesight-Systems bilden. Bei diesem Projekt arbeitete Subaru mit dem amerikanischen Hersteller von integrierten Schaltkreisen AMD zusammen.

Wichtig ist, dass die Markenstrategie sich nicht ausschließlich auf die Elektromobilität beschränkt. Gleichzeitig entwickelt Subaru neue Verbrennungsmotoren für zukünftige Hybrid- und Benzinmodelle. Das Ziel ist es, eine Wärmeeffizienz von 50 Prozent zu erreichen. Zum Vergleich liegen die effizientesten heutigen Verbrennungsmotoren derzeit bei über 40 Prozent, und nur wenige Antriebe, die hauptsächlich als Energieerzeuger in Hybridanlagen fungieren, erreichen bereits 50 Prozent.
Wann der Debüt?
Bislang ist das unbekannt, da die Firmenvertreter kein konkretes Datum nannten, aber vorsichtig ankündigten, dass einige der vorgestellten Technologien etwa im Jahr 2029 in die Produktion gehen könnten. Dies soll Teil eines umfassenderen Wachstumsplans sein, der eine Steigerung des weltweiten Verkaufs auf 1,2 Millionen Autos pro Jahr in der ersten Hälfte des nächsten Jahrzehnts vorsieht.
Oskar Włostowski